Stiftungsgelder vervielfacht

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Stefan Nährlich sieht die Bürgerstiftung als beispielhaft an. Foto: Sabine Graser-Kühnle  Foto: 

Vor zehn Jahren wurde die Bürgerstiftung Laichinger Alb mit einem Gründungskapital von 77 000 Euro aus der Taufe gehoben. Inzwischen ist das Vermögen auf über 550 000 Euro angewachsen und fünf Fonds mit eigenem Zweck sind unter ihr Dach geschlüpft. Dank vieler Spenden  konnte die Stiftung im vergangenen Jahr trotz der momentan verschwindend geringen Zins­erträge alle laufenden Projekte weiter unterstützen. Dazu gehört die Hilfe für Menschen in Not, aber auch andere Projekte: So werden gerade Schilder gedruckt, mit welchen auf historische Verknüpfungen von Laichinger Straßennamen hingewiesen wird. Und nach Laichingen und Nellingen erhält auch Merklingen demnächst seine Beschilderung historisch bedeutsamer Straßen, Plätze und Gebäude.

Mit ihrer Dachkonstruktion und zusätzlichen Fonds habe die Bürgerstiftung als eine der ersten Stiftungen ihrer Art einen innovativen Weg beschritten, der inzwischen viele Nachahmer gefunden hat, lobte Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer der Stiftung Aktive Bürgerschaft. Er war Gastredner bei der zehnten Geburtstagsfeier der Bürgerstiftung Laichinger Alb.

Nährlich ließ die zwanzigjährige Geschichte der Bürgerstiftungen Revue passieren. Demzufolge schwappte die Idee, Bürger mit reinzuholen, um Stiftungen mit Zwecken zu gründen, bei denen alle Menschen „vor Ort“ in den Genuss kommen, erst spät von den USA nach Deutschland. 1996 und 1997 wurden in Gütersloh und Hannover die ersten Bürgerstiftungen gegründet. 1997 gründete sich der Verein Aktive Bürgerschaft, zwischenzeitlich  Stiftung und Beratungsunternehmen: das Kompetenzzentrum für das Bürgerengagement der Volksbanken und Sparkassen.

Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 400 Bürgerstiftungen. Je mehr der Sozialstaat sich zurückziehe, um so mehr wollen Bürger aktiv an der Gestaltung des sozialen Lebens mitwirken, begründete der Wirtschaftswissenschaftler diesen Trend. Dass sich das Gründungskapital im Schnitt um bis zu 80 Prozent gesteigert hat, sei ein Beweis dafür, dass die Stiftungsidee die richtige war und dass solches Bürgerengagement immer wichtiger wird, meinte Nährlich.

Großes Engagement

Die Bürgerstiftung Laichinger Alb wurde als eine von 56 Bürgerstiftungen im Boomjahr 2006 gegründet. Klaus Kaufmann lobte als Bürgermeister Laichingens und Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbands dieses bürgerliche Engagement. Auch er erkennt eine Erfolgsgeschichte: „700 Prozent Steigerung des Gründungskapitals: Die Stiftung ins Leben zu rufen, hat sich ausgezahlt.“ Der Erfolg zeige sich  ebenso in der langen Liste an Projekten, die von der Bürgerstiftung gesponsert oder gar initiiert worden sind, meinte Kuratoriumsvorsitzender Ulrich Rößler. Er konnte sogar der Wahl Trumps zum US-Präsidenten einen Vorteil für die Bürgerstiftung abgewinnen: „Bei seiner Politik werden die Zinsen wieder steigen. So gesehen ist Trump doch ein kleines Geschenk der amerikanischen Wähler zu unserem Zehnjährigen.“

Die Erfolgsgeschichte der Bürgerstiftungen in Deutschland könnte sich noch steigern, kommt erst die Reform des Stiftungsrechts. Diese soll Nährlich zufolge die Maßgabe außer Kraft setzen, dass Stiftungen nicht aufgelöst werden können. Jedoch nur für  notleidende Stiftungen, also solche, die ihre Zwecke nicht mehr erfüllen können, etwa weil sie über zu wenig Kapital verfügen. Das sei eine gute Chance für jede Stiftung, sich mit bereits angefüllten Fonds neue Zwecke zu erschließen. Übrigens: überraschender Gratulant war Ex-Bundespräsident Horst Köhler. In einem Videoclip lobte er explizit die Stiftung der Laichinger Alb. Ralf Schiffbauer, Vorsitzender der Stiftung, warf  einen Blick in die Zukunft: Junge Leute sollen in die Gremien integriert werden, um die Nachhaltigkeit der Stiftung zu sichern.

Eine Summe von 135 000 Euro hat die Bürgerstiftung Laichinger Alb in den vergangenen zehn Jahren ausgeschüttet. Die Hilfsprojekte sind vielfältig: Die Stiftung unterstützt Menschen in Not, macht sich stark für gewaltfreie Schulen, verbindet Generationen, realisiert Beschilderungen historisch bedeutsamer Lokalitäten, erfüllt  Weihnachtswünsche von Kindern, die nicht am Wohlstand partizipieren. 400 Menschen haben seither Geld gestiftet, gespendet oder waren als Zeitstifter direkt vor Ort. Auch die 14 Mitglieder aus Vorstand und Kuratorium sind aktiv, sei es, dass sie Benefizkonzerte und -vorträge organisieren oder selbst bei Veranstaltungen hinter einem Stand stehen, bei dem die Bürgerstiftung bewirtet. Das Stiftungsvermögen betrug am 15. Oktober rund 550 000 Euro. Es verteilt sich auf 407 000 Euro für die Bürgerstiftung Laichinger Alb, sowie auf die sechs Partnerschaftsfonds: Merklinger helft (55 000 Euro), Miteinander-Füreinander in Heroldstatt (knapp 35 000 Euro), Montessori-Pädagogik (26 800 Euro), die Sportstiftung mit 29 800 Euro und dem Regionalen Bildungsfonds Laichinger Alb mit 2500 Euro. sgk

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