Startschuss für Bahnhof mit 700 Kilogramm Sprengstoff

Am Dienstag um 15 Uhr ist mit der ersten Sprengung der Startschuss für den Bau des Bahnhofs an der Neubaustrecke auf der Alb gefallen.

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Die Sprengung dauert einen Augenblick lang, die Vorbereitung mehrere Stunden: Arbeiter füllen am Rande der Bahn-Neubaustrecke bei Merklingen Spreng-Emulsion in eines von 300 Bohrlöchern. Arbeiten für den geplanten Bahnhof.  Foto: 

Der erste Spatenstich für den Bau des Bahnhofs Merklingen im Mai war nur symbolisch gewesen. Der wahre Startschuss fiel am Dienstag um 15 Uhr mit der Zündung von 700 Kilogramm Spreng-Emulsion. Dadurch wurde eine Masse von 4000 bis 5000 Kubikmetern Gestein gelöst. Die Sprengung war unspektakulär. Auf der Brücke am Merklinger Mühlweg, von der aus etliche Bürgermeister der umliegenden Gemeinden die Sache beobachteten, war nur ein dumpfer Knall zu hören und nur eine kleine Staubwolke zu sehen. Genau so hatte es Sprengmeister Jens Rapp gewollt. Kein Steinchen wurde auf die benachbarte Autobahn geschleudert. Die dort bereitstehenden Kehrmaschinen zogen unverrichteter Dinge wieder ab, die Polizei konnte den Verkehr auf der A 8 sofort wieder freigeben.

Am Morgen hatten Jens Rapp, Geschäftsführer des gleichnamigen Bohr- und Sprengunternehmens aus Vaihingen/Enz, und sein Team 300 Löcher gebohrt und dieses mit einer zähflüssigen Spreng-Emulsion und mit Zündkabeln gefüllt. Die Besonderheit der Baustelle besteht für die Sprengfachleute darin, dass alle Löcher in einer 30 Grad steilen Böschung gebohrt werden müssen. Dafür hat das Unternehmen ein Kettenfahrzeug angeschafft, das – wie eine Pistenraupe in den Hochalpen – mit einer Seilwinde gesichert wird. Wegen der steilen Böschung hat die Firma entschieden, keinen festen Sprengstoff zu den Löchern zu tragen, sondern mit Hilfe eines Schlauchs Emulsion einzupressen. Verschlossen werden die Löcher von einem anderen Team, das mit einen Schlauch Splitt einfüllt.

Wie Seniorchef Lothar Rapp berichtet, geht es bei einer der nächsten Sprengungen schon um die Fundamente für die Aufzüge des Bahnhofs „Merklingen  – Schwäbische Alb“. Die Trasse der Bahn-Neubaustrecke, auf der von 2021 an ICE- und Regionalzüge verkehren werden,  liegt bei Merklingen tiefer als das bestehende Gelände, weswegen Personenaufzüge zu den Bahnsteigen nötig sind. Für die eigentliche Bahntrasse haben die Arbeiter das vorgesehene Niveau bereits erreicht. Jetzt geht es um den zusätzlichen Erdaushub für den Bahnhof, laut Projektleiter Dr. Stefan Kielbassa eine Masse von rund 45.000 Kubikmetern.

Dass mit dem Abtrag nicht schon in den vergangenen Monaten begonnen wurde, hat laut Kielbassa mit einer Höhle zu tun: Wie berichtet, war westlich des geplanten Bahnhofs ein Hohlraum entdeckt worden. Weil sich die Abstimmung mit den Behörden zur Sicherung der Höhle hinzog, arbeitete die Baukolonne an einer anderen Stelle der Neubaustrecke auf der Albhochfläche weiter. „Keine Verzögerung, nur ein anderer Ablauf“, sagte Kielbassa. Es gelinge eine „passgerechte Einbeziehung“ der Bahnhofsbaustelle. Der Bahnhof war aufgrund von Finanzierungszusagen des Landes Baden-Württemberg und acht Kommunen der Laichinger Alb, die 11,5 Millionen Euro aufbringen, auf den letzten Drücker ermöglicht worden.

Drei neue Mitglieder

Der dazu gegründete Zweckverband „Region Schwäbische Alb“ will in Bahnhofsnähe ein Interkommunales Gewerbegebiet erschließen, an dem sich neben den acht Gründungsmitgliedern Laichingen, Berghülen, Drackenstein, Heroldstatt, Hohenstadt, Merklingen, Nellingen und Westerheim weitere Kommunen beteiligen können. Zugesagt haben Mühlhausen, Bad Ditzenbach und Dornstadt, abgesagt hat Lonsee. Wie der Verbandsvorsitzende, der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann, berichtete, steht bei fünf weiteren Kommunen die Entscheidung noch aus.

Absage Die Gemeinde Lonsee tritt dem Verband „Region Schwäbische Alb“ nicht bei. Das hat der Gemeinderat am Montagabend einstimmig beschlossen. Acht Alb-Gemeinden haben über den Zweckverband die Vereinbarung mit dem Land und der Deutschen Bahn zum Bau und zur Finanzierung des Bahnhofs Merklingen getroffen und planen einen rund 50 Hektar großen Interkommunalen Industrie- und Gewerbepark. Er habe sich „sehr gefreut“ über die Anfrage des Verbands, aber „wir sehen nicht den Nutzen für uns“, sagte Bürgermeister Jochen Ogger vor der Abstimmung. Ein Beitritt stünde aus Sicht der Verwaltung einer künftigen Erweiterung des eigenen Gewerbegebiets „Luizhausen Ost“ entgegen. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns da nicht ins eigene Bein schießen“, sagte Ogger.“ sab

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