St. Maria in Regglisweiler feiert Jubiläum: 20 Jahre lang ein besonderer Geist

20 Jahre Pflegeheim St. Maria Regglisweiler: Nach bescheidenen Anfängen im "roten Stock" im nahen Kloster Brandenburg leben in dem stattlichen Heim heute bis zu 65 Senioren. Ein Rückblick.

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    Auf geschichtsträchtigem Grund steht das stattliche Pflegeheim St. Maria in Regglisweiler.
  • Richtfest nach schwierigen Gründungsarbeiten. 2/4
    Richtfest nach schwierigen Gründungsarbeiten.
  • Ministerpräsident Teufel griff 1991 selbst zum Spaten. 3/4
    Ministerpräsident Teufel griff 1991 selbst zum Spaten.
  • Heimleiterin Claudia Stegmann-Schaffer leitet Sankt Maria seit 15 Jahren. 4/4
    Heimleiterin Claudia Stegmann-Schaffer leitet Sankt Maria seit 15 Jahren. Foto: 
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Es hatte etwas von einer Prozession, was sich da im Juli vor 20 Jahren vom Kloster Brandenburg aus in Bewegung setzte. Einzelne schafften den Weg noch ohne fremde Hilfe. Viele stützten sich auf Rollatoren. Den Großteil jedoch transportierten Ordensschwestern in Rollstühlen die 200 Meter den steilen Berg hinab - geradewegs hinein in ein neues Zuhause.

Denn der 26. Juli 1994 war großer Umzugstag für 17 betagte Männer und Frauen, die bis dahin im Kloster Brandenburg umsorgt worden waren. In direkter Nachbarschaft standen für diese Senioren in einem neuen Pflegeheim nun zeitgemäße, große Zimmer zur Verfügung. 36 an der Zahl, dazu zehn Appartements für betreutes Wohnen und vier Plätze für Kurzzeitpflege. Trotz seiner immensen Dimensionen schmiegte sich der stattliche Bau optisch gelungen in den Hang - eine architektonische Meisterleistung.

Dieser Juli-Tag war aber auch für das Personal ein bedeutender. Denn hinter der Schwesternschaft des Seraphischen Apostolats lagen besonders arbeitsreiche Monate. "Bis zuletzt haben wir im neuen Heim noch eingerichtet, geputzt und Betten bezogen", erinnert sich Schwester Ancilla, die zuvor zehn Jahre lang im "roten Stock" gearbeitet hatte und die in St. Maria später die Pflegedienstleitung übernehmen sollte. Dieser "rote Stock" war jener Kloster-Bereich, in dem in den 70-er Jahren Alleinstehende ihren Lebensabend verbrachten - zunächst nur vereinzelt. "Die Exerzitien und die Atmosphäre im Haus"haben manchen so gut gefallen, dass sie für immer bleiben wollten", erzählt Schwester Ancilla. Hinter roten Türen richteten sich externe Gäste nach und nach dauerhaft ein.

"Der Pflegebereich war voll", erinnert sich Margarita Breitner daran, wie sie 1984 zum ersten Mal den "roten Stock" betrat. Als Praktikantin wollte die 18-Jährige aus Weihungszell Erfahrungen im Pflegedienst sammeln, ausloten, ob der Beruf der Altenpflegerin wirklich der richtige für sie war. War er. Heute hat die 48-Jährige die Pflegeleitung in St. Maria inne.

Lächelnd denkt sie daran, wie sie als junges Mädchen mit den ihr Anvertrauten Fotoalben anschaute, Spaziergänge machte oder mit den Ordensschwestern vor Nikolausfeiern reimte, was das Zeug hielt. Denn seinerzeit bekam jeder Bewohner am 6. Dezember nicht nur ein Nikolaussäckchen, sondern auch sein eigenes Gedicht. Für die Präsente bügelte die Vorpraktikantin auch gern mal zerknittertes Geschenkpapier. "An solchen Sachen hat man gespart," lacht Breitner. Der Schwesterngemeinschaft war es wichtig, ihren weltlichen Mietern den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. Doch die baulichen Gegebenheiten im "roten Stock" hielten irgendwann mit der zunehmenden Pflegebedürftigkeit der Bewohner nicht mehr Schritt.

Das war der Grund, weshalb sich die Ordensgemeinschaft Ende der 80-er Jahre zum Bau eines "richtigen" Pflegeheims durchrang. Die Entscheidungsfindung fiel in jene Zeit, als der neue Pflegeplan des Alb-Donau-Kreises für den Bereich Dietenheim keine Plätze vorsah. In Bürgermeister Sigisbert Straub fand Generaloberin Bernadette mit ihren ehrgeizigen Plänen deshalb sofort einen tatkräftigen Unterstützer; in Herbert Graf den geeigneten Architekten. Auf dem Platz des kurz zuvor abgerissenen Kurhotels Brandenburg sollte das erste Senioren- und Pflegeheim für die Gegend entstehen. Straub spricht heute noch von einer "Win-Win-Situation" für beide Seiten. Das sahen wohl auch Kreis und Land so. Für das Heim, dessen Kosten von prognostizierten sieben auf zuletzt zehn Millionen Mark kletterte, gab es Zuschüsse. Sogar Ministerpräsident Erwin Teufel ließ sich im November 1991 zum Spatenstich mit dem Hubschrauber an die Iller fliegen.

Als Johann Metzinger 1994 seinen Hausmeisterdienst begann, stand der Rohbau gerade - nach langwierigen und schwierigen Gründungsarbeiten. Für Architekt Graf war der "20 Meter lange Bau bei diesem Höhenunterschied und diesem schlechten Grund" seine bis dato größte berufliche Herausforderung.

Mindestens genauso oft wie ihn traf der Hausmeister auf der Baustelle eine Ordensfrau an: Es war Schwester Serafina, die all ihre Kraft und viel Herzblut in den Erfolg des Projekts steckte. "Es war perfekt organisiert", erzählt Metzinger. Sogar nächtens habe die Schwester mit einer Taschenlampe dort ihre Runden gedreht. Ein halbes Jahr nach seiner Fertigstellung war das Heim schon zu 100 Prozent belegt.

Am 1. Januar 2000 kam Claudia Stegmann-Schaffer als neue Leiterin in ein Haus, das ihr vom ersten Augenblick an zusagte: "Fortschrittlich, großzügig, hell und mit einem allerorten segensreichen Geist der Schwestern". Stegmann-Schaffer sah eine große Herausforderung darin, das Haus fit zu machen für eine optimale Betreuung von Demenzkranken. In ihrer Zeit vollzog sich ein Wechsel in der Trägerschaft, als das Pflegeheim, wie alle Filialen des Ordens, in die Theresia-Hecht-Stiftung überging. Unter ihrer Regie kam es zur ersten Erweiterung: Es entstanden 14 weitere Plätze, passgenau zugeschnitten auf Demenzkranke. Nicht nur das Haus wurde ständig modernisiert. Mit regelmäßigen Weiterbildungen halten sich auch die Mitarbeiter auf dem Laufenden. Stegmann-Schaffer holte Wissenschaftler ins Haus, bildete zunächst sich und danach ihr gesamtes Personal nach "Humanitude" aus, einer modernen Pflegephilosophie aus Frankreich. "Demenzkranken Menschen einfühlsam auf Augenhöhe begegnen", lautet das Credo. Froh ist sie darüber, dass sich die Kloster-Schwestern nach wie vor um die Seelsorge kümmern, "ein unsagbar wertvoller Dienst." Für einen guten Geist sorgen darüber hinaus die aktuell 54 Mitarbeiter. Ein Großteil ist seit Jahren dabei, fühlt sich dem Haus verbunden. Das gilt auch für Schwester Ancilla, Johann Metzinger und Margarita Breitner, drei Mitarbeiter der ersten Stunde. Alle könnten sich vorstellen, auch als Heimbewohner in St. Maria zu leben.

Info Gefeiert wird mit einem Festabend am 19. September und mit einem "Tag der offenen Tür" am 20. September.

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