Sontheimer Höhlenverein: Mitglieder kritisieren Vorstand

Wagt der Höhlenverein Sontheim mit einem anderen Konzept einen Neuanfang? In drei Wochen sollen die Weichen gestellt und die neue Vereinsspitze gewählt werden.

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Die Nerven lagen blank bei den Mitgliedern in der ersten außerordentlichen Mitgliederversammlung des Höhlenvereins. Auf der Tagesordnung standen Rücktritte der Vorsitzenden Manfred Hirning und seines Stellvertreter Gunter Pantel, sowie der Schriftführerin Gerlinde Knoblauch. Und somit auch Neuwahlen für diese Ämter.  Die Nervosität der Mitglieder offenbarte der zu Beginn gestellte Antrag, die Öffentlichkeit auszuschließen. Erst recht, weil einige unter den Versammelten im Höhlenrasthaus offensichtlich keine Mitglieder waren.

Seltsam erschien auch, dass dem Vorsitzenden kurz vor der Versammlung mehrere Beitrittserklärungen übergeben worden waren. Der Verdacht keimte, dass die Neuwahlen für die Vereinsspitze manipuliert werden sollte. Nachdem die Satzung jedoch vorgibt, dass eine Mitgliedschaft erst zum Tragen kommt, wenn der Vorstand sie formell akzeptiert hat, waren diese potentiellen Mitglieder nicht stimmberechtigt bei der Versammlung. Mit deutlicher Mehrheit wurde dann der Antrag abgelehnt, die Versammlung nichtöffentlich abzuhalten.

Die zentrale Frage der Versammlung war: Was hatte dazu geführt, dass der Verein in den wenigen Wochen so sehr in seinen Grundfesten erschüttert worden war – wo doch die Mitglieder auf der Hauptversammlung im Februar ihrer Vereinsführung noch das uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochen hatten.

Die Mitglieder fühlten sich vom Vorstand unzureichend über die Vorgänge informiert und hätten ihre Kenntnisse über das Gerede im Dorf und die Presse erlangt, so ihr Vorwurf. Manfred Hirning begründete seinen Rücktritt mit der Aussage, er fühle sich mit der Situation „total überfordert“. Dies reichte den Mitgliedern nicht, sie wollten Tacheles reden. Der erste Vorsitzende und der Abteilungsleiter „Höhle und Forschung“, Werner Thierfelder gaben ihnen daraufhin Auskunft.

Im Rückblick sind beide die Hauptakteure der vergangenen Wochen. Aus den Berichten beider, sowie ergänzenden Einwürfen von Kassiererin Sabine Bayer ergab sich folgendes Bild: Die jährlichen Inspektionen der Sontheimer Höhle durch das Bergamt zusammen mit dem Höhlenabteilungsleiter führten in den vergangenen Jahren zu kleineren Beanstandungen. Bei der jüngsten Höhlenbegehung habe der Geologe vom Bergamt feststellen müssen, dass vieles nicht vom Verein abgearbeitet worden sei, führte die Kassiererin aus.

Entsprechend den Vereinsstatuten wäre die Anordnung dazu eine Aufgabe des Höhlenabteilungsleiters gewesen. Dieser hat nun wiederum an anderer Stelle als das Bergamt, nämlich über dem Höhleneingang, Probleme erkannt: Kleinere Steinbrocken hatten sich aus dem Fels gelöst. Eine Situation, wie sie sich den Vereinsmitgliedern jedes Jahr darstellte und der sich der Verein seit Bestehen mit jährlichen Arbeitseinsätzen annimmt. Lockere Steine werden von der Höhlendecke gelöst, der Steinschutt herausgebracht.

Eine solche Aktion stand auch dieses Jahr an, wie immer vor der Saisoneröffnung im Mai. Warum der Abteilungsleiter anders als seine Vorstandskollegen über den Zustand am Höhleneingang eine Gefahr erkannte, bleibt sein Geheimnis. Nachdem er die Vereinsführung nicht von seiner Meinung überzeugen konnte, informierte er dann eigenmächtig das Bergamt. Warum das Bergamt daraufhin wegen einer Sache in Aktion trat, die bei der Begehung gar nicht beanstandet worden war, blieb ebenso ungeklärt. Jedenfalls wurden mit dieser Aktion ganz andere „Steine“ ins Rollen gebracht worden: In Absprache mit dem Bergamt schloss der Verein die Höhle für Besucher und übertrug die Absicherungsarbeiten an eine Fachfirma.

Die Mitgliederversammlung hat die Rücktritte schließlich nach langer, emotional geführter Diskussion zur Kenntnis genommen. Zu den geplanten Neuwahlen kam es allerdings nicht. Die Versammlung stimmte einem Antrag von Andreas Scheurer zu, einst selbst Höhlenabteilungsleiter, die neue Vereinsführung erst in drei Wochen zu wählen. Auf einer erneuten außerordentlichen Mitgliederversammlung sollten Scheurer zufolge, dann die Mitglieder über ein mögliches Sabbatjahr entscheiden.

Der neuen Vereinsführung würde die Aufgabe auferlegt, während dieses Jahres ein Vereinskonzept zu erarbeiten. Eine Neuorientierung sehe er im Hinblick auf einen jahrelangen Mitgliederschwund für angebracht. Ob die Höhle und das Rasthaus während dieses Sabbatjahres geschlossen bleiben sollen, wird  wohl ebenfalls am 9. Juli zur Diskussion stehen.

Bis dahin erklärte sich Hirning bereit, den Vorsitz kommissarisch zu übernehmen. Rudolf Weberruß und Dietmar Frenzel, beide waren in Vertretung des Bürgermeisters bei der Versammlung, richteten intensive Appelle an die Mitglieder, wieder eine Harmonie im Verein herzustellen.

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