Silja Richter aus Dietenheim mit Traumnote 1,0 im Abi

Mit der Traumnote 1,0 und als Jahrgangsbeste hat Silja Richter aus Dietenheim ihre Schullaufbahn beendet. Darüber freut sie sich, aber: "Ich hebe nicht ab." Bald studiert die 17-Jährige Medizin.

|
Nach einem Traumabitur auf dem Sprung zum Medizin-Studium: Silja Richter aus Dietenheim.  Foto: 

Vergeistigt, abgehoben, langweilig, uncool, sonderbar, eigenbrötlerisch: Solchermaßen klischeehafte Charakterzüge assoziiert Hänschen Müller gern mit einem Einserschüler. Auf das Mädchen, das an diesem schönen Sommertag in Shorts und Shirt an den Dietenheimer "Bagge" geradelt kommt, den beliebten Treffpunkt für junge Leute, passt nichts von alledem. "Blitzgescheit und auch noch bildhübsch", denkt sich unwillkürlich, wer Silja Richter zum ersten Mal trifft.

Die 17-jährige Dietenheimerin beendete ihre Schullaufbahn am Kolleg der Schulbrüder in Illertissen als Jahrgangsbeste mit 852 von möglichen 900 Punkten. Ergibt die Abitur-Traumnote von 1,0. Und ganz nebenbei räumte die Zwölftklässlerin auch noch Preise ab für die beste Leistung in Einzelfächern. Muss das alles so genau sein, so ausführlich? Wen interessiert eine Chemie-Note? Das Interesse an ihrer Person scheint Silja Richter fast ein wenig peinlich zu sein. "Es geht bloß um Noten", wiegelt sie ab. Sie sei ganz normal, fühle sich nicht als jemand Besonderes, hebe nicht ab. "Ich lerne halt leichter als andere", sagt sie und streicht sich die lockige Haarpracht aus dem Gesicht.

Die hervorragenden Zeugnisse, die das Mädchen seit der fünften Klasse mit nach Hause brachte, sind freilich nicht nur ihrer schnellen Auffassungsgabe geschuldet. "Sie hat sich all die Jahre ihre Neugierde bewahrt", urteilt die Mama über das Lernverhalten ihrer "recht disziplinierten" Tochter. Sie sei kontinuierlich am Stoff drangeblieben und habe sich jeden Tag ein bisschen etwas angeschaut, sagt Theresia Richter-Numberger "Aber nie übertrieben viel", versichert die frischgebackene Abiturientin. Na ja, ein bisschen ehrgeizig sei sie schon. "Ich habe halt versucht, das Bestmögliche rauszuholen", räumt sie ein und nennt Chemie als eines ihrer Lieblingsfächer, gefolgt von Mathematik. Deutsch indes ist nicht so ihr Ding.

Mathe sei einfach und berechenbar, im wahrsten Wortsinn. "Immer das Gleiche, nur immer wieder unterschiedlich formuliert", stellt sie sachlich fest und versetzt mit dieser Aussage jeden nicht naturwissenschaftlich ausgerichteten Menschen in ungläubiges Staunen. Und weil das so ist, brachte sie sich seit März auch in einem regelmäßigen Mathe-Lerntreff ein, in dem sie Schulkameraden und Freunden zahlen-technisch auf die Sprünge half. Nie mal was Dummes angestellt, den Unterricht geschwänzt? Silja Richter grinst. Klar! Hin und wieder absichtlich Hausaufgaben vergessen, "weil keine Lust", und in Englisch Schulaufgaben für andere Fächer gelöst, gibt sie zu.

Das Faible für die Naturwissenschaft hat sie vermutlich von ihren Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Die Mama Apothekerin, der Papa Physiker. Was nicht heißt, das Silja Richter sich im musischen Bereich nicht wohl fühlt. Im Gegenteil.

Das Mädchen spielt Geige und Klavier und engagierte sich im Orchester am Kolleg. Das will sie auch noch bis zu den Sommerferien tun. Und wenn sie nicht musiziert, dann ist sie mit Begeisterung sportlich unterwegs. "Das Joggen brauche ich, um runter- und den Kopf freizubekommen." Dreimal in der Woche sieht man sie bei der Reiterhalle, eine Stunde geht es dann durch den Wald. Im TSV Dietenheim, den sie auch als Kampfrichterin unterstützt, turnt sie bis heute.

Die Auszeit nach der Schule wird für Silja Richter kurz ausfallen. Kaum zurück aus dem spanischen Callela, wo sie zusammen mit ihrem Abitur-Jahrgang ein paar Tage lang unbeschwert feierte, mussten die Bewerbungen für die Universitäten auf den Weg gebracht werden. Silja Richter will Medizin studieren, am liebsten in Erlangen oder München. Ein Praktikum in der Unfallchirurgie des Ulmer Bundeswehrkrankenhauses bestärkte sie in ihrem Berufswunsch. "Vielleicht spezialisiere ich mich später auf Sportmedizin oder gehe in die Forschung", sinniert das Allroundtalent, das in Kürze einen Ferienjob in einer Bellenberger Apotheke antreten wird.

Ihre Freunde, die Familie, die Vereine und ihr Zuhause in Dietenheim werde sie "total vermissen", befürchtet Silja Richter, auch wenn sie sich riesig auf den neuen Lebensabschnitt freut.

Eine Ziege für das hervorragende Abitur

Ungewöhnlich Ein besonders hübsches Kleid, Geld, ein schöner Urlaub, manchmal auch ein Auto: Die Geschenke, die Mütter und Väter ihren Sprösslingen zum Abitur angedeihen lassen, sind unterschiedlich; von klein bis groß. Von ihren "mordsmäßig stolzen" Eltern bekommt Silja Richter für ihr Traum-Abitur - eine Ziege. Das Tier kommt in Afrika zum Einsatz, wo es einer Familie das tägliche Überleben leichter macht. Theresia und Ernst Richter unterstützen damit die Entwicklungsorganisation Oxfam, in der sich Menschen weltweit gegen die Armut engagieren. "Das ist ganz im Sinne unserer Tochter", sagen sie. Und den Familienurlaub in Costa Rica, den gibt es als Zuckerle obendrauf.

BELE

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

16.07.2015 13:31 Uhr

Beeindrucken!

Mein Kompliment!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Teva streicht weltweit 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. In Deutschland hat der Konzern 2900 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ulm. weiter lesen