Signal fürs Speicherbecken

Blaustein und Blaubeuren haben keine grundsätzlichen Bedenken gegen den neuen Standort für das Oberbecken des SWU-Pumpspeicherkraftwerks. Gefordert wird aber ein unterirdischer Druckstollen.

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Die Gemeinderäte in Blaustein und Blaubeuren haben ihre Stellungnahmen zum erweiterten Raumordnungsverfahren für das geplante Pumpspeicherkraftwerk abgegeben. Beide Gremien sehen keine Gründe, die grundsätzlich gegen den Bau des Oberbeckens im "Schulzhau" sprechen. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) und die Firma Eduard Merkle haben, wie berichtet, nach Protesten aus den Blausteiner Teilorten Markbronn und Dietingen den zunächst vorgesehenen Oberbecken-Standort "Birkhau" aufgegeben und sich auf den "Schulzhau" an der Gemarkungsgrenze zu Blaubeuren konzentriert.

"Der neue Standort birgt weniger Konflikte", sagte der Blausteiner Bürgermeister Thomas Kayser. In der einstimmig verabschiedeten Stellungnahme fordern die Blausteiner Räte eine Modellrechnung für den Havariefall des 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser fassenden Oberbeckens und ein konkretes Mitspracherecht bei den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Der Eingriff in die Natur muss nach Ansicht der Gemeinde Blaustein nicht nur als "gering", sondern als "mittel" bewertet werden. Und es wird gefordert, nach Abschluss der Bauarbeiten keinen Kalkstein in unmittelbarer Nähe des Oberbeckens und des Druckstollens abzubauen.

Die Bürgerinitiative "Kein Pumpspeicherkraftwerk im Blautal" geht in ihrer Stellungnahme näher ein auf den Gesteinsabbau. Werde das Oberbecken im "Schulzhau" gebaut, könne nebenan am "Speßberg" nicht gesprengt werden. Weil sich dort eine Vorrangfläche für Kalkabbau durch die Firma Heidelberg Cement befindet, war das Gebiet als Standort für das Oberbecken ausgeschlossen worden - obwohl das Regierungspräsidium Tübingen im ersten Verfahren den "Speßberg" favorisiert hatte. Grund dafür war, dass die Fläche zu Blaubeuren und damit zum ländlichen Raum gehört - im Gegensatz zu den anderen Varianten auf dem Gebiet der Gemeinde Blaustein, wo nach dem Landesplanungsgesetz Eingriffe vermieden werden sollen.

Im Blausteiner Rathaus ging auch eine Stellungnahme der Jagdgenossenschaft Blaustein ein. Sie fordert eine finanzielle Entschädigung, da der Jagdbogen Markbronn wohl nicht mehr zu verpachten sei - während der Bauarbeiten nicht und auch danach nicht. Ein Bürger sorgt sich um historische Grenzsteine, ein anderer hinterfragt den Sinn des Gesamtprojekts. Die Blaubeurer Stadtverwaltung ist ebenso wie der komplette Gemeinderat der Auffassung, dass der Standort "Schulzhau" eine insgesamt verträgliche Lösung für das geplante Oberbecken darstellt. "Die Eingriffe in die Natur und die Landschaft sind überschaubar und vertretbar", sagte Bauamtsleiterin Gudrun Pausch - zumindest gemessen am Nutzen, den ein solches Pumpspeicherkraftwerk langfristig mit sich bringe. Ähnlich äußerten sich Sprecher der Freien Wähler, der SPD, der Grünen und der CDU.

Ebenso wie ihre Blausteiner Kollegen fordern die Blaubeurer Stadträte allerdings, den Druckstollen zwischen Ober- und Unterbecken nicht in offener, sondern in bergmännischer Weise auszuführen. Außerdem fordern sie, besonders auf den Wasserschutz zu achten, da das Bauwerk in der Nähe gelegene Grundwasserströme und Quellschüttungen beeinträchtigen könne. Außerdem soll bald geklärt werden, wie Konflikte zwischen dem Kraftwerksbetrieb und dem Kalkabbau im nahe gelegenen Gebiet verhindert werden können.

Die Blaubeurer CDU ließ vermerken, dass die Baustelle so gestaltet wird, dass "umliegende Orte und Straßen möglichst nicht tangiert werden". Da werde es einigen Baustellen- und Werksverkehr geben, sagte Stadtrat Reiner Baur.

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Kommentare

29.02.2012 11:31 Uhr

Sprengungen, Dämme und fromme Wünsche

Inzwischen wurde auch vom Moderator Ökoinstitut festgestellt, dass das PSW Blautal im Vergleich zu allen derzeit geplanten PSWs in Deutschland zu den allerteuersten gehört. Die Baukosten bezogen auf die gleiche Speicherkapazität liegen hier um 66 Prozent (!) über den gewichteten Durchschnittskosten aller geplanten PSWs.
Der dauerhafte spezifische Landschaftsverbrauch beträgt hier fast das Dreifache (!) des Durchschnitts aller geplanten PSWs.
Dass der Druckstollen unterirdisch gebaut wird, war schon immer klar für alle Beteiligten. Die Diskussion darum ist künstlich aufgebauscht, um von den echten Problemen (enormer Landschaftsverbrauch, hohe Kosten) abzulenken.
Der jahrelange Verkehr durch alle Ortschaften wird enorm, liebe CDU!
Das für zukünftigen Kalksteinabbau reservierte Gebiet im Besitz von Heidelberg Cement am Speßberg reicht bis ca. 150 Meter an das Oberbecken heran. Wie soll man sich hier Steinbruchsprengungen in direkter Nachbarschaft zum 16 Meter hohen Damm vorstellen?

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