Seltener Wachtelkönig im Blautal aufgetaucht

"Crex, crex". Diesen Ruf haben Naturschützer bei Arnegg vernommen. Dahinter steckt der Wachtelkönig, ein stark gefährdeter Wiesenbrüter. Eine ornithologische Sensation. Jetzt werden Wiesen geschützt.

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  • Ein Wachtelkönig will mit seinen Rufen ein Weibchen anlocken. Nach dem Nachweis der seltenen Art werden im Blautal manche Wiesen erst später gemäht, um Gelege zu schonen. Fotos: © Dubults/Fotolia.com, Volkmar Könneke 1/2
    Ein Wachtelkönig will mit seinen Rufen ein Weibchen anlocken. Nach dem Nachweis der seltenen Art werden im Blautal manche Wiesen erst später gemäht, um Gelege zu schonen. Fotos: © Dubults/Fotolia.com, Volkmar Könneke Foto: 
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"Der Ruf elektrisiert", sagt Dr. Ulrich Mäck, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Vogelschutz. Jeder, der sich näher mit Vögeln beschäftigt, weiß, dass nur eine einzige Art das knarrige "Crex, crex" hören lässt - und zwar die Männchen zur Anwerbung von Weibchen. Manchmal die ganze Nacht hindurch. Die Art heißt Wachtelkönig, genannt auch Wiesenknarrer oder Wiesenralle. "Der Name Wiesenralle passt am besten zu ihm", sagt Biologe Mäck, der auch Geschäftsführer der Arge Schwäbisches Donaumoos in Leipheim ist. Denn der Vogel lebe in Wiesen und gehöre, wie etwa der Kranich, zur Gruppe der Rallen. Der Wachtelkönig ist stark gefährdet und streng geschützt und tauchte in der Region lange nicht mehr auf. Im Donaumoos gab es mal einige der bis zu 27 Zentimeter groß werdenden Tiere. "Doch das ist Jahrzehnte her", sagt Mäck. In Deutschland kommen sie im Odertal und im bayerischen Murnauer Moos vor.

Elektrisiert waren Diana May und Andreas Buck vom Naturschutzbund (Nabu), als sie im Juni auf der Suche nach Laubfröschen im Blautal bei Arnegg den Ruf des Wachtelkönigs hörten. Weitere Fachleute wie der Ulmer Vogelkundler Robert Sammer und die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis wurden informiert. Die Naturschützer gehen von sieben Männchen aus und haben aufgezeichnet, wo sie Rufe wahrgenommen haben. So entstand eine Karte mit Punkten an der Blau östlich und westlich von Arnegg.

Diese dient nun dazu, bestimmte Bereiche zu definieren, in denen das Gras erst Ende August gemäht werden darf, wenn das Brutgeschäft erledigt ist. Den ehrenamtlichen Naturschützern wäre es am liebsten, das gesamte Gebiet mit einer Größe von 18 Hektar zu schützen. Doch die vier betroffenen Landwirte benötigen das Futter für ihre Tiere - oder müssen anderenfalls entschädigt werden. Das Landratsamt hat beim Regierungspräsidium Zahlungen nach der Landschaftspflegerichtlinie beantragt, laut Behörde werden gerade die Verträge für 10 bis 12 Hektar ausgearbeitet. "Die Landwirte zeigen sich sehr kooperativ", sagt Karl-Heinz Glöggler vom Landratsamt. Sie mähen Streifen ab, lassen nebenan Gras stehen. "Eine hundertprozentige Sicherheit haben wir nicht", räumt Glöggler ein. Denn die Lage der Nester ist nicht bekannt.

Diese Woche hat ein Landwirt vor seinem Mähwerk mehrere Jungvögel beobachtet. Sie waren noch nicht flügge, aber doch schon so mobil, dass sie flüchten konnten. Der Bauer stellte die Mahd ein. "Damit haben wir einen Beweis für die Brut der Vögel", freut sich Sammer. "Ich hätte mir nie so viel erwartet." Habe ein Wachtelkönig-Paar Junge, dann weitere Paare sicherlich auch.

Ob sich der Wachtelkönig, der sich von Insekten, anderen Kleintieren und Pflanzen ernährt, schon zuvor oder erstmals in diesem Frühjahr nach seiner Rückkehr aus dem Winterquartier in Afrika die Wiesen im Blautal ausgesucht hat, ist nicht bekannt. Ein Landwirt meint, zwischen Arnegg und Gerhausen schon früher den markanten Ruf, von dem der Vogel seinen lateinischem Namen "Crex crex" hat, gehört zu haben. Biologe Mäck meint, dass dies Vogelfreunden hätte auffallen müssen. Eines steht für Ulrich Mäck fest: "Wo der Wachtelkönig vorkommt, ist das ein tolles Zeichen für die Natur." Der Vogel liebe Wiesen mit hohen Gräsern, die Schutz vor Raubvögeln bieten. Solche habe er nach dem nassen Frühjahr im Blautal gefunden.

Der Name des Wachtelkönigs, der mit den nicht ganz so seltenen Wachteln nichts zu tun hat, geht auf die frühere Annahme zurück, dass eine Gruppe Wachteln stets einen Anführer, einen Wachtelkönig, habe. Ähnlich sind die Lebensräume, extensiv genutzte Flächen. Wachtel-Vorkommen sind im Blautal aber nicht bekannt.

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