Seit zehn Jahren Dirigent

Der Musikverein Balzheim hat das Frühjahr eingeläutet. Das traditionelle Konzert in der Stiftungshalle stand unter einem besonderen Aspekt: Seit zehn Jahren dirigiert Michael Pfaller die Kapelle.

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Der Musikverein Balzheim zeigte sein Können beim Frühjahrskonzert in der Oberbalzheimer Stiftungshalle.  Foto: 

Zehn Jahre können ganz schön kurz sein. Genauer gesagt nur eineinhalb Stunden. Doch diese hatten es in sich. Denn: Das Frühjahrs-Konzert der Balzheimer Musiker war nicht nur ein kurzweiliger, gelungener Querschnitt verschiedener Blasmusikgenres, nein, es war auch eine Erinnerungstour mit Ausschnitten aus früheren Programmen. Moderatorin Annette Jenzer machte dem Publikum schon mal den Mund wässrig: "Es sind nicht wenige Highlights dabei."

Womit sie Recht hatte. Da ist zum Beispiel die beeindruckende "Kilkenny Rhapsody" von Kees Vlak. Für Michael Pfaller hat sie zudem noch eine ganz eigene Bedeutung: Dabei handelt es sich um sein Selbstwahlstück bei seiner Dirigentenprüfung. Doch was macht diese Rhapsodie - sie ist eine folkloristisch-erzählerische Komposition, wie Annette Jenzer erklärte - so besonders? Natürlich sind es die irischen Elemente, gleichzeitig steckt jedoch eine breite Palette von Gefühlen darin. Volkstümliches, Melancholisches, Feierliches, Liebliches, kurz, es ist eine tolle Liebeserklärung an die grüne Insel.

Die Balzheimer, die stattliche 49 Aktive in ihren Reihen zählen, verstanden es prima, das anspruchsvolle Stück zu interpretieren. Solide Arbeit gekoppelt mit viel Gefühl und Enthusiasmus - so jedenfalls musste es der Zuschauer empfinden. Die Musiker haben Spaß an dem, was sie spielen, sind mit Freude dabei. Und das spürt man.

Auch die Geschichte eines Dorfes lässt sich musikalisch erzählen. "The New Village" stammt ebenfalls aus der Feder von Kees Vlak. Wie auch das Vorgängerstück ist es eine fein verwobene tonmalerische Erzählung, die das Publikum mit auf eine Zeitreise nahm. Da fließen Vergangenheit und Gegenwart ineinander, da wird eine rasante Entwicklung melodisch beschrieben, da entwickelt sich eine richtige Eigendynamik, die in einem furiosen Finale endet. Eine gute Wahl.

Favorit der Anwesenden dürfte, neben der letzten Zugabe freilich, die "Begegnung" von Kurt Gäble gewesen sein. Sicherlich zum einen wegen der ungewöhnlichen Instrumentierung, zum anderen wegen der angenehmen Melodie. Wann spielen schon mal zwei Alphörner (Solisten: Marc Rothenbacher und Daniel Walcher) zusammen mit einem Blasorchester? Jedenfalls kommunizierten beide Teile prächtig miteinander. Außerdem sorgt der Komponist immer wieder für überraschende Momente in der Orchestrierung. Kein Wunder also, dass der Applaus hier besonders lange anhielt. Die Kapelle wiederum reagierte prompt und lieferte gleich eine Zugabe.

Zehn Jahre am Dirigentenpult bieten auch Anlass für einige Geschichten. Gebeten um eine lustige Anekdote, erinnerte sich Michael Pfaller an einen Umzug mit anschließendem Bierzeltauftritt. Ein Musiker kam dabei zu seinem Schreck mit leerem Instrumentenkoffer daher. Des Dirigenten lakonischer Kommentar: "Er war sicher der einzige, der geprobt hatte." Insgesamt, meinte er über seine Tätigkeit, "macht es nach wie vor Spaß."

Daher durfte bei diesem Programm mit persönlicher Note natürlich nicht die obligatorische Polka bei der Zugabe fehlen. "Von Freund zu Freund" hat sicherlich nicht nur musikalischen Charakter, der in bewährt guter Manier umgesetzt wurde. Von ihrer "rebellischen" Seite zeigten sich die Balzheimer Musiker schließlich bei der Schlussnummer. Einer spaßigen Art des musikalischen Kräftemessens unterschiedlicher Register. Da war viel Humor und Selbstironie dabei - sehr zur Freude der Gäste. So wurde der Dirigent schließlich und endlich "hinaustrompetet." Köstlich. Apropos: Einen gekonnten Auftritt legte die Gemeinsame Jugendkapelle Dietenheim-Wain-Balzheim hin. Christine Codan und Lisa Kroh-Baisch moderierten, Daniel Walcher dirigierte. "Er hat sich gut eingelebt", erklärten der Vorsitzende der Balzheimer Musikkapelle, Stephan Codan, und Michael Pfaller. Immerhin probt der junge Nachwuchsdirigent das erste Jahr mit dem Jugendorchester.Wunschlos glücklich also? Nicht ganz: "Es wäre schön, wenn es an einem Konzertabend wie diesem mehr Leute hätte", fand Stephan Codan. Der Saal war zu Dreiviertel besetzt.

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