Schüler schnuppern in Berufsalltag

Die Achtklässler der Werkrealschule Dietenheim-Illerrieden haben zurzeit keinen normalen Unterricht. Statt Schulbank ist Berufspraktikum angesagt. Zwei Wochen lang schnuppern 50 Schüler in verschiedene Berufe.

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Die Achtklässler der Werkrealschule Illerrieden haben derzeit keinen normalen Schulunterricht. Statt Mathe, Deutsch und Englisch zu büffeln, üben sie sich im Fräsen, in der Betreuung von Senioren und Kindern oder begrüßen Hotelgäste. Die Jugendlichen stecken gerade mitten in ihrem Berufspraktika, meisten in Firmen und Einrichtungen in Dietenheim und Umgebung. Aber den ein oder anderen hat es auch weiter weg verschlagen, nach Ulm ins Museum oder nach Bayreuth in das erste Hotel am Platz.

Praktikumswochen an den Haupt- und Werkrealschulen gibt es bereits seit 1976. "Mittlerweile macht es fast jede Schule doch erfunden hat es die Hauptschule", betont Franz Högenauer, der Rektor der Werkrealschule Dietenheim. Das Berufspraktikum sei Teil des gesamten Berufswahlunterrichts in der achten Klasse, erläutert der Schulleiter. Ziel: Die Schüler sollen einen verstärkten Einblick in unterschiedliche Berusfelder bekommen. Deshalb wurde die Dauer auch auf zwei Wochen verlängert, die Jugendlichen sind jeweils eine Woche bei einem anderen Arbeitgeber untergebracht. Um ihre Praktika mussten sich die 52 Jugendlichen im Vorfeld selber kümmern: Betriebe aussuchen, Bewerbungen schreiben und sich sich vorstellen. Unterstützung erhielten sie von den Lehrern Susanne Benz, Barbara Rück und Andreas Wagner, die ihre "Schützlinge" auch in den einzelnen Betrieben besuchten.

Sharlin Krzyzostaniak schnuppert in ihrer ersten Woche in der Hartmetallwerkzeugfabrik Günther Wirth in Balzheim, wo Bohrer, Fräser, Reibahlen, Senker und Sonderwerkzeuge hergestellt werden. Die 15-Jährige interessiert sich für den Beruf des Zerspanungsmechanikers, der bislang noch immer Männerberuf ist "Ich fühle mich sehr wohl hier", sagt Sharlin. In der Lehrwerkstatt in Oberbalzheim durfte das Mädchen bereits an der Drehbank drehen, löten, fräsen und flachschleifen - unter der umsichtigen Anleitung von Ausbildungsleiter Guido Hartmann. Er hält viel von Schulpraktika. "So sehen die Kinder die Berufswirklichkeit." Das Balzheimer Unternehmen bildet in drei Berufen aus: Teilezurichter, Maschinen- und Anlagenführer sowie Zerspanungsmechaniker. Derzeit hat die Firma 15 Auszubildende.

Mikail Kayahan arbeitet in seiner ersten Woche im Seniorenzentrum Dietenheim, um sich den Beruf des Altenpflegers noch genauer anzuschauen. Denn der 14-Jährige hat in seiner Freizeit schon oft in der Pflegeeinrichtung mit ihren 62 Dauer- und 20 Teilzeitpflegeplätzen ausgeholfen. "Meine Schwester arbeitet auch dort, so bin ich auch darauf gekommen", erzählt Mikail. Die Bewohner der Wohngruppe "Marienhof" kennen den jungen Mann aus Dietenheim mittlerweile schon gut. "Sie freuen sich immer sehr, wenn Mikail auf Besuch vorbei kommt", berichtet Elisabeth Neuhäuser, die für die Beschäftigung der Bewohner tagsüber zuständig ist. In der Regel, so erzählt sie, interessieren sich eher Mädchen für dieses Berufsbild. "Junge Männer haben wir hier nicht so oft." Grundsätzlich findet die Führungskraft "es schön, dass Berufspraktikanten zu uns kommen und Interesse zeigen".

Am liebsten spielt Mikail Gesellschaftsspiele mit den Senioren. Aber er hilft auch in der Küche, deckt die Tische oder unterstützt die Bewohner beim Essen. Erst kürzlich durfte er auch erstmals bei der Grundpflege dabei sein. Eine ganz neue Erfahrung für den 14-Jährigen. "Da muss man ein bisschen seine Hemmungen ablegen."

Angelika Miller macht im Kindergarten St. Martin die erste ihrer beiden Schnupperwochen. Die 15-Jährige war selbst Kindergartenkind in St.Martin und freute sich auf dieses ungewöhnliche Wiedersehen mit dem Kindergarten. "Ich beschäftige mich gern mit Kindern", erzählt sie, und auch Familienmitglieder meinten, der Beruf der Erzieherin passe gut zu ihr. Zu den Aufgaben von Angelika gehört es, mit den Kindern zu spielen. Sie arbeitet von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. "Ich bekomme hier den ganzen Tagesablauf mit und sehe auch, welch pflegerischen Aufgaben auf eine Erzieherin zukommen." Erzieherin Martina Moll bewertet das Praktikum ebenfalls positiv. "Da kann man eigene Erfahrungen sammeln und sich auch mit einem Ausgelernten unterhalten." Eine recht außergewöhnliche Praktikumsstelle hat Martin Kausch. Er ist beim städtischen Museum in Ulm untergekommen, wo er gleich mehrere Berufsbilder näher kennenlernen kann: Buchbinder, Denkmalpfleger und Konservator. "Ich mag Geschichte und Bücher sehr, da lag ein Museum nahe", erklärt Martin, wie er auf seine Ulmer Praktikumsstelle gekommen ist. Derzeit schreibt der Dietenheimer einen Bericht über die Restaurierung des Löwenmenschen. Celine Funk ist über ihren Papa gar im bayerischen Bayreuth gelandet, wo sie im Ramada Hotel Residenzschloss den Beruf der Hotelfachfrau näher unter die Lupe nehmen kann. "Mir gefällt es hier total", äußert sie sich richtig begeistert über ihre Arbeit im ersten Haus am Platz, auch wenn es mitunter anstrengend ist. Stationen für sie waren die Küche und der Service, wo sie Tische eindeckte und die Hotelgäste bediente. Auch "Housekeeping" steht noch auf dem Programm. Ihr Ansprechpartner ist der Hoteldirektor höchstpersönlich. In der Regel arbeiten im Hotel Residenzschloss zwei Praktikanten. Das Berufspraktikum hält Christian Helferich für eine gute Sache. "Man sieht, was auf einen zukommt."

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