Schlecker: Auch bisher unrentable Filialen haben eine Chance

2400 Schlecker-Filialen stehen vor der Schließung. Welche das sind, ist laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz weitgehend klar. Aber frühestens in zwei Wochen steht laut Unternehmen die endgültige Liste fest.

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Jeden Monat 20 Millionen Euro Verlust. Das ist die bittere Erkenntnis, die Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz „selbst überrascht“ hat. „Wir müssen erst einmal die Verluste beseitigen“, hat Geiwitz deshalb am Donnerstag in einem Fernseh-Interview gesagt. Das bedeute aber nicht, dass jede unrentable Filiale geschlossen werde. Die Auswahl, welche der etwa 5400 Läden zu den 2400 gehören, die nicht weitergeführt werden, sei schwierig. Auch solche, die bislang rote Zahlen schreiben, könnten erhalten bleiben, wenn die Hoffnung bestehe, „dass sie zukünftig Gewinne machen“. Mit einer endgültigen Liste, welche Filialen geschlossen werden, ist nach Auskunft eines Firmensprechers aber frühestens in zwei Wochen zu rechnen.

Noch schwieriger und komplizierter als die Auswahl der zu schließenden Wahlen dürfte die Entscheidung sein, welchen Mitarbeitern gekündigt wird. Wie berichtet, werden 11.750 Schlecker-Beschäftigte ihren Job verlieren. „So sozialverträglich wie möglich“ und in Absprache mit den Betriebsräten und der Gewerkschaft Verdi werde die Auswahl getroffen, sagte Geiwitz. Nach Auskunft des Verdi-Landesverbands in Stuttgart beginnen die Gespräche über den Personalabbau am Dienstag nächster Woche.

Die Zeit drängt. Nur noch für den März bezahlt die Agentur für Arbeit das Insolvenz-Ausfallgeld der Mitarbeiter. Von April an muss, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, der Insolvenzverwalter für die Gehaltsüberweisungen sorgen. Die Schwierigkeit besteht also darin, dass die Sozialauswahl, wer bleiben kann und wer gehen muss, schnell zu treffen ist. Außerdem muss sie so rechtssicher wie möglich sein: Wenn Betroffene gegen die Kündigung klagen und Recht bekommen, könnte das teuer werden.

Verdi hat auch angekündigt, am Donnerstag, 8. März, dem Internationalen Frauentag, zusammen mit den Schlecker-Betriebsräten an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Großraum Ulm werde es allerdings keine Aktionen geben, sagte Rainer Dacke vom Verdi-Bezirk Ostwürttemberg-Ulm gestern. „Wir haben hier keine Betriebsräte, über die ich etwas organisieren könnte.“ Lediglich die Beschäftigten des Lagers in Ehingen (Liefer- und Service-Center) verfügten über eine Mitarbeitervertretung. Dort sowie an der Konzernzentrale an der Talstraße in Ehingen seien aber keine Aktionen geplant.

In den Verdi-Bezirken Ostwürttemberg-Ulm und Oberschwaben sind Dacke zufolge schon vor dem Insolvenzantrag, der Anfang Januar gestellt wurde, viele Filialen geschlossen worden. Seither seien in beiden Bezirken keine weiteren Schließungen mehr erfolgt. Doch das werde sich jetzt wohl ändern, befürchtet der Gewerkschafter.

Auch die Agentur für Arbeit bereitet sich auf den bevorstehenden Stellenabbau bei Schlecker vor. Sobald feststehe, dass auch am Firmensitz in Ehingen mit insgesamt etwa 800 Beschäftigten Kündigungen in großem Maßstab ausgesprochen werden, könne die Agentur dort ein Vermittlungsbüro einrichten, sagte eine Sprecherin. Dafür stünden Räume in der Zentrale zur Verfügung. Insolvenzverwalter Geiwitz hat aber am Mittwoch bei der Pressekonferenz in Frankfurt klargestellt, dass es in der Zentrale keinen Wasserkopf gebe. Gleiches gelte für den Bereich der Logistik.

Doch wenn 2400 Verkaufsstellen geschlossen werden, könnten auch der Verwaltungs- und der Lageraufwand geringer werden.

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Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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