Safthersteller: Trotz Apfelschwemme kein Preisverfall

Millionen Tonnen reifer Äpfel warten auf ihre Verarbeitung. Der europäische Markt wird mit Obst überschwemmt. Das liegt auch am Ukraine-Konflikt. Der Einfluss auf den Saftpreis dürfte aber gering sein.

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Für 100 Kilo Äpfel bekommen Mostobstlieferanten im Moment fünf Euro. Der Preis kann sich in den nächsten Wochen auch wieder ändern. Wie, können die Fruchtsafthersteller noch nicht sagen.  Foto: 

Wie wirkt sich die reiche Apfelernte auf die Preise aus? Diese Frage treibt die Streuobstwiesen-Besitzer und die Fruchtsafthersteller um. "Wir denken schon, dass die Preise leicht fallen werden. Aber genau können wir es noch nicht sagen", antwortet Norbert Reuss, Geschäftsleiter des Fruchtsaftherstellers Albi, vorsichtig. Wie die SÜDWEST PRESSE berichtet hat, gibt es in diesem Jahr Unmengen von Äpfeln. Die Masse drückt den Preis. Für 100 Kilo bezahlt Albi in Bühlenhausen zur Zeit fünf Euro an Obstlieferanten. Vor einem Jahr waren es zwischen acht und zwölf Euro.

Der Fruchtsafthersteller erklärt, warum: "Im Juli dieses Jahres gab es noch sehr viele Restbestände an Lagerobst. Die müssen erst mal verbraucht werden", sagt Andreas Kolb, bei Albi zuständig für den Einkauf. Hinzu kommt, dass in Deutschland weniger Saft getrunken wird. 2003 waren es noch etwa 42 Liter pro Kopf. Zehn Jahre später fiel die Zahl auf nur noch 33 Liter, wie der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie bekanntgab.

Das alles zusammen genommen bestimmt aber noch nicht allein den Saftpreis. Auch die Politik nimmt Einfluss. Russland hat im August dieses Jahres ein Importembargo für westliche Lebensmittel verhängt. Millionen Tonnen Äpfel aus Polen und Ungarn können nicht mehr nach Russland verkauft werden. Sie drängen nun auf den deutschen Markt. Zusammengefasst: Die reiche Ernte, die niedrigen Preise für die Mostobstlieferanten und der sinkende Verbrauch der Fruchtsäfte führen höchst wahrscheinlich auch zu niedrigeren Preisen im Handel. "Das wird sicherlich auch unseren Umsatz beeinflussen, aber wahrscheinlich nur gering. Allerdings erst im Jahr 2015", sagt Reuss. Für Säfte wird der Preis immer in den Herbstmonaten festgelegt, dann gleich für das ganze Jahr.

2013 erwirtschaftete Albi etwa 92 Millionen Euro Umsatz. "Damit rechnen wir dieses Jahr auch." Der Fruchtsafthersteller mit Sitz in Bühlenhausen gehört zu den vier großen Saftproduzenten in Deutschland. Albi beschäftigt etwa 160 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte deutschlandweit.

Mit etwa 45 Mitarbeitern gehört Burkhardt Fruchtsäfte in Lachingen-Machtolsheim zu den mittelgroßen Betrieben. Auch hier bekommen Obstlieferanten etwa fünf Euro für 100 Kilo Äpfel. "Wie sich das aber auf den Saftpreis auswirkt, kann man noch nicht absehen", sagt Geschäftsführer Dieter Burkhardt. Momentan herrsche "eine völlig überhitzte Situation" durch die Restbestände aus Osteuropa. "Schon in zehn Tagen, können die Preise auch wieder steigen." Das würde nicht nur die Obstlieferanten, sondern auch die Safthersteller freuen. "Wir wollen unsere Lieferanten ja nicht wegen niedriger Preise verlieren", sagt Burkhardt.

Russlands Boykott

Importembargo Der russische Markt ist für westliche Lebensmittelhersteller dicht. Die Regierung in Moskau untersagte im August den Import von Fleisch und Milchprodukten aus den EU-Staaten und den USA. Auch Obst und Gemüse sind von dem zunächst einjährigen Verbot betroffen. Die Sanktionen sind Russlands bisher schärfste Reaktion auf westliche Strafmaßnahmen im Ukraine-Konflikt.

Auswirkungen Das Embargo droht Polen und die baltischen Staaten empfindlich zu treffen. Waren im Wert von 340 Millionen Euro wurden allein 2013 von polnischen Obstbauern nach Russland exportiert, wie die Europäische Kommission berichtete. Bauern- und Wirtschaftsverbände warnen vor einem zunehmenden Preisdruck.

DPA

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