Rohr für Rohr zur neuen Wasserleitung

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Die 16 Meter langen und 13 Tonnen schweren Einzelteile werden zur Leitung zusammengesetzt und verschweißt.  Foto: 

Jede Sekunde rauschen 1800 Liter Wasser durch die Leitung. Zu Spitzenzeiten im Hochsommer sind es sogar bis zu 2500 Liter, die mit zehn bar Druck vom Wasserwerk in Langenau Richtung Stuttgart gepumpt werden. Aber der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) hat ein Problem mit seiner Hauptleitung 3. Im Abschnitt zwischen Bernstadt und Amstetten sind beim Bau Anfang der 1970er Jahre Rohre aus Spannbeton verwendet und deren Verbindungen mit Gummi abgedichtet worden. Nun ist der Gummi spröde und undicht, die Leitung muss ausgetauscht werden.

Noch, sagt Bernhard Röhrle, Pressesprecher der LW, seien die Wasserverluste nicht besonders groß. 14,3 Liter in der Sekunde oder 0,7 Prozent dessen, was durch die Leitung fließt. „Aber wir akzeptieren das trotzdem nicht“, sagt Röhrle und verweist vor allem auf die Betriebssicherheit: Das auslaufende Wasser spült das Leitungsbett aus, und über kurz oder lang klafft an der Verbindung zweier Rohre ein großes Loch.

In den Jahren 2006 bis 2011 sind bereits 6,8 der insgesamt 10,4 Kilometer Spannbeton-Leitung erneuert worden. Damals wurden in die alten Rohre neue aus Kunststoff eingebaut. Etwa sieben Millionen Euro habe das gekostet, sagt Röhrle. Inzwischen sei dieses so genannte Inliner-Verfahren doppelt so teuer. Aus diesem Grund habe sich der Zweckverband für den konventionellen Leitungsbau entschieden: neue Rohre rein, alte raus.

Im Mai ist nördlich von Bernstadt mit den Arbeiten begonnen worden. Inzwischen hat der Bagger, der die neue Leitungstrasse neben der alten aushebt, fast den 1475 Meter entfernten Endpunkt an der L 1165 bei Breitingen erreicht. In den Graben werden 16 Meter lange Stahlrohre, jedes 13 Tonnen schwer, gelegt, miteinander verschweißt und innen mit Zementmörtel als Korrosionschutz ausgekleidet. Außen schützen eine Hülle aus Polyethylen und eine Schicht Faserzement.

Drei Millionen Euro investiere die LW in diesen Sanierungsabschnitt, sagt Pressesprecher Röhrle. Angesichts der Langlebigkeit der Rohre von 100 bis 150 Jahre und der großen Menge, die durch die Leitung gepumpt wird, wirke sich die Investition „so gut wie gar nicht“ auf den Wasserpreis aus.

Ende Oktober soll die neue Leitung zwischen Bernstadt und Breitingen fertig sein. Dann, nach gründlicher Reinigung, Spülung und Desinfektion mit Chlordioxid, folgt, was Röhrle mit einem chirurgischen Eingriff vergleicht: der Anschluss der beiden Endstücke an die bestehende Leitung. Zur Vorbereitung werde der große Scheitelbehälter bei Amstetten randvoll gefüllt. Die 50 000 Kubikmeter Wasser genügten, um den voraussichtlich 24- bis 36-stündigen Ausfall der Hauptleitung 3 zu kompensieren.

Ob die alten Rohre noch in diesem Jahr ausgebuddelt werden, hängt dem LW-Sprecher zufolge vom Wetter ab. Nach Abschluss der Arbeiten soll jedenfalls buchstäblich Gras über der Trasse wachsen. Die eineinhalb bis zwei Meter dicke Bodenschicht über den Rohren könne landwirtschaftlich genutzt werden, sagt Röhrle. Die Schneise im Butzenwald zwischen Bernstadt und Breitingen wird allerdings sichtbar bleiben.

International Die Landeswasserversorgung verlegt zwischen Bernstadt und Breitingen Stahlrohre mit 1,40 Meter Durchmesser. Lieferant ist das Unternehmen HTI (Handel für Tiefbau und Industrie) mit Sitz in Duisburg. Das Stahlblech stammt der LW zufolge aus der Türkei, gefertigt wurden die Rohre in Spanien, in Holland wurde der Korrosionsschutz aufgebracht.

Haltbarkeit Mit Abschluss der jetzt laufenden laufenden Arbeiten sind 8,3 der 10,4 Leitungskilometer zwischen Bernstadt und Amstetten saniert. Die restlichen 2,1 Kilometer zwischen Westerstetten und Halzhausen sind in Ordnung, eine Sanierung sei nicht notwendig, sagt der LW-Sprecher.

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