Rock-Klassiker für den Advent aufbereitet

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Nicht alle Kirchenbesucher harrten beim traditionellen Adventskonzert in der Dietenheimer Martins-Kirche bis zum Schluss aus. Das blieb auch Georg Nothelfer vom Vorstand des veranstaltenden Handwerker- und Gewerbevereins nicht verborgen. „Wir wollten bewusst etwas Anderes anbieten“, sagte er. Denen aber, die blieben, und das waren die meisten, gefiel das andere Konzept des Dietenheimer Edelrockers Josef „Chuck“ Golder und seiner Ehefrau Elisabeth.

Klassiker der Pop-Literatur bildeten das Gerüst. „Viele große Hits behandeln besinnliche Themen und sind auf ihre eigene Art weihnachtlich“, erklärte Elisabeth Golder die ungewohnte Herangehensweise. Die Songs von Van Morrison, den Beatles oder Rolling Stones seien von einer ungewohnten Tiefe, die man erst erkenne, wenn man die Texte auf Deutsch höre.

Den Auftakt machte „Chuck“ Golder aber mit einer eigenen Komposition. Dem folgte der deutsche Text des aktuellen Literatur-Nobelpreisträgers Bob Dylan aus „Blowin‘ in the Wind“. Der Unterschied war frappierend, die Absichten Dylans wurden klarer. So ging es ohne Längen weiter. Die Liedtexte trug Elisabeth Golder vor, dann sang Ehemann Josef zur akustischen Gitarrenbegleitung.  Mit seiner wandlungsfähigen Stimme gab er den Liedern eine zurückhaltende, dem Ort entsprechende Stimmung von Besinnlichkeit und Heilserwartung. Eindrücklich gelang es ihm beim Lennon/McCartney-Klassiker „Let it Be“, der, wie aus Eilsabeths Übersetzung deutlich wurde, von Liebe, Hoffnung und Glauben erzählt.

Mick Jaggers „Sympathy for the Devil“ als besinnliches, nachdenkliches Lied mit Vorweihnachtscharakter im Schiff einer ehrwürdig-katholisches Stadtkirche? Ob dem Duo dieses Experiment wirklich gelang, blieb angesichts der sehr zurückhaltenden Reaktionen der Besucher fraglich, aber wer vermutet in Stones-Texten auch dermaßen Hintergründiges? In der Tat geht es den Altrockern darum, wie man sich mit dem Bösen dieser Welt auseinandersetzt – mit überraschend deutlichen Bezügen zur Heiligen Schrift.

 Vielleicht war dieses  andere Adventskonzert zu ambitioniert, um Erwartungen eines kirchlichen Publikums zu entsprechen. „Mein Mann singt, ich lese gerne vor. Als Lektorin der Stadtkirche bin ich es auch gewohnt“, sagte Elisabeth Golder. Sie bewertete das Experiment als Erfolg, der Mut für eine Wiederholung mache. 

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