Rekord-Spenden für argentinische Kinder

Den 24-Stunden-Kick in Blaubeuren hat das Evangelische Jugendwerk gegen das Evangelische Seminar gewonnen. Die argentinischen Gäste freut die große Offenheit und Hilfsbereitschaft in der Region. Es kommt zu einem echten Austausch

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Jugendliche erspielten beim 24-Stunden-Kick in Blaubeuren eine Rekordspendensumme für Partnergemeinden des evangelischen Jugendwerks.  Foto: 

Den 24-Stunden-Kick am Wochenende in Blaubeuren hat das Evangelische Jugendwerk mit 201:139 Toren gegen das Evangelische Seminar gewonnen. Sieger sind aber alle: Zum einen, weil sie den Fußballmarathon durchgehalten haben, und zum anderen, weil sie eine Rekord-Einnahme von 20 400 Euro für soziale Zwecke erspielten. Vertreter der argentinischen Partnergemeinden, die in diesem Jahr angereist waren, zeigten ihre Dankbarkeit.

Nach genau 24 Stunden fielen sich die beiden Teams um 12 Uhr am Sonntag zur Musik „We are the Champions“ in die Arme. Die gemeinsam überstandenen Strapazen beim Non-Stop-Fußball-Spiel war ihnen anzumerken, aber auch die Freude, so viel eingespielt zu haben: „Es war eins der fairsten Spiele in der Geschichte des Kicks“, kommentierte Veteran Albrecht Reuss, der schon zum 21. Mal dabei ist. Robert Sauter lobte die tolle Stimmung auf dem Platz. Und die Blessuren waren nicht allzu schwerwiegend.

Seit 22 Jahren werden mit dem Erlös des 24-Stunden-Kicks Projekte der protestantischen Kirchengemeinden von Allen, San Martin und Bariloche im Süden Argentiniens unterstützt. Diesmal war Reiner Kalmbach, Pfarrer der drei Gemeinden, mit einer zwölfköpfigen Gruppe aus Patagonien angereist, um die Aktion mitzuerleben. Die Argentinier erweiterten das Essensangebot während des Kicks um das südamerikanische Asado – das wichtigste Essen dort, bei dem Rind- und Schweinefleisch auf dem Grill zubereitet werden. Sie wollten damit auch etwas von ihrer Kultur mitteilen, wollten „etwas von unserer Seite zurückgeben“, wie Raul Weig­andt, Präsident der protestantischen Gemeinden in Allen und San Martín, sagte.

Er ist begeistert von der „Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft“ der Leute in der Blaubeurer Region. Sein Kollege Juan Carlos Waicheim aus Bariloche ist erstaunt, dass selbst bei großen Ereignissen wie dem Blaubeurer Stadtfest alles problemlos funktioniert, ohne dass die Polizei in Erscheinung tritt. Für alle ist klar, dass die drei protestantischen Gemeinden in dieser Form und mit all ihrem sozialen Engagement in den Armenvierteln ihrer Städte nicht bestehen könnten, wenn es nicht die regelmäßige Unterstützung aus Deutschland gäbe.

Die zwölf Argentinier wohnen dank der Vermittlung des evangelischen Jugendwerks in Familien der Region. So ist ein intensiver Austausch entstanden, auch weil einige Gäste sich wegen ihrer deutschstämmigen Vorfahren gut verständigen können.

Schwiegermutter rausgeworfen

Enrique Hahn beispielsweise erzählt, wie problematisch es in Argentinien sein kann, sein Auto nur kurz unbeachtet zu lassen: So musste er erleben, dass Kriminelle innerhalb von wenigen Sekunden seine Schwiegermutter aus dem Auto warfen und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Der katholische Priester Vicente De Luca, der in Buenos Aires Privatsekretär des jetzigen Papstes war, organisiert in Bariloche ökumenische Treffen. Der Austausch der christlichen Konfessionen ist ihm ebenso wie der zwischen Ländern ein Anliegen: „Dadurch können wir in unserem eigenen Glauben wachsen“. In der Sonntagsmesse sprach er an der Seite des Blaubeurer Pfarrers Anto Prgomet Teile des Hochgebets auf Spanisch – was spontan zu positiven Reaktionen führte.

Wie viel man von dem Austausch lernen kann, zeigte sich unter anderem am Sonntagabend, als Pfarrer Reiner Kalmbach im Café Vier über das Thema Globalisierung sprach: Die Europäer hätten ihren „unglaublich hohen Lebensstandard“ auch auf Kosten der Menschen in Südamerika erwirtschaftet, sagte er und benannte deutsche Konzerne, die in Argentinien gute Geschäfte auf Kosten kleiner einheimischer Betriebe machten. So verloren etwa viele Obstbauern ihre Lebensgrundlage.

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