Rauhe urschwäbische Comedy

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„D’r Pfefferle und sein Ernst“ brachten das Publikum in der Suppinger Kornberghalle ein ums andere Mal zum Lachen.  Foto: 

D‘r Pfefferle und sein Ernst, alias Werner Schwarz und Markus Rabe boten raue, aber urkomische schwäbische Comedy – und ließen damit das Spendenkonto für den nach einem Schlaganfall stark eingeschränkten Machtolsheimer Jakob Dokter (wir berichteten) kräftig ansteigen. Weit über 250 Gäste sind dieser Einladung der für ihren Kameraden in außergewöhnlicher Weise aktiven Freunde in die Kornberghalle  gefolgt. Das Comedyduo stand umsonst auf der Bühne, das Eintrittsgeld, sowie die Einnahmen aus der Bewirtung flossen eins zu eins auf das Treuhandkonto der Stadt Laichingen.

Erdem Tütüncü und Angela Mayer aus dem Freundeskreis um Jakob Dokter haben die Gäste und somit Spender herzlich begrüßt. Sie agierten nach dem Motto „Freunde sind in guten und in schlechten Zeiten füreinander da“, sagte Tütüncü, der Jakob Dokter seit dem neunten Lebensjahr kennt. Ihre Clique bestehe aus Syrern, Türken, Italienern, Deutschen: „Das ist durchaus als Zeichen vor der Wahl zu sehen, dass Multikulti doch funktioniert“, sagte er. „Er gibt nicht auf“, berichtete Tütüncü und an seinem Freund gerichtet meinte er: „Deswegen sind wir für dich da und das motiviert uns.“

Außergewöhnlich

Rechtsanwalt Bernhard Schweizer, der bestellte Betreuer der Familie Doktor, lobte: „Dieser Freundeskreis bringt etwas für heutige Zeiten eher Außergewöhnliches zustande: Er lässt die Menschlichkeit hier.“ Bürgermeister Klaus Kaufmann verwies auf das Spendenkonto und versicherte erneut, dass jeder Cent bei der Familie ankomme. Die Freunde hatten für all jene, die bereits gespendet haben, eine Stellwand im Foyer vorbereitet, mit Fotos, welche behindertengerechten Bauten mittlerweile mit den Spenden errichtet worden sind.

Für ihre Spendenbereitschaft wurden die Besucher mit der Comedyshow von „D‘r Pfefferle und seim Ernst“ bestens belohnt. Auch wenn sie, wegen des erkrankten Toningenieurs, nicht das angekündigte Programm, sondern das ältere „Em Urlaub“, spielten: Werner Schwarz, ein „Denker“ unter den Schwaben mit Beinen wie Storchstelzen,  als Wilhelm Pfefferle und Markus Rabe, wohlbeleibt und pragmatisch. Im Urlaub auf Mallorca – in einzelnen Sketchen griffen die beiden jedes nur erdenkliche Klischee rund um Malle und Schwaben, die selten ihr Ländle verlassen, auf. Hier die überzogene Angst vor Schmutz und Bakterien: „Der Pool isch a Soichgruab, denk an älle dia Hoar und Rotzglocka.“ Dort wird der Badehosentyp erörtert: „S‘gibt Zoiger und Verstecker – dr Zoiger braucht a Badhos, dia sei Zeig zoigt.“

Hoch philosophisch

Aber auch hoch philosophisch kam das ungleiche Paar daher. Pfefferle zufolge bestehen die Menschen in fünf Millionen Jahren einzig aus Hirn und „so ra Art Uretus“. Was sein Ernst gleich als „Uterus“, „also a Hirn en ra Gefrierguck“, richtigstellte. Überhaupt löste Pfefferle, mit seiner Bildung aus elf Schuljahren („Ja, du bist einmal sitzengeblieben“)  bei seinen Zuhörer die viel zitierten Lachsalven aus. Denn sein gebildeter Redeschwall war geschwängert mit falsch artikulierten Fremdwörtern, die sein Ernst stets zurechtrückte. Ihre Pointen waren teils nahe an der Gürtellinie angesiedelt, nur einige wenige verirrten sich allerdings in die Zone der Geschmacklosigkeit. Derben Schwabenhumor gewohnte Zuschauer verziehen dies dem Duo mit schmerzlich verzogenem Gesicht und kollektiven, lang gezogenen „Iiihhs“. Auf der anderen Seite -quittierten die Gäste die meist höchst gelungenen Pointen, die der vergnügliche Schlagabtausch dieser beiden Bühnenfreunde krönte, mit permanentem Gelächter und erklatschten sich drei Zugaben – die noch neugieriger aufs neue Programm machten.

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