Räuchle baut neue Produktionshalle

Die Firma Räuchle in Dietenheim will expandieren. Das macht eine Erweiterung des Bebauungsplans "Weidach III" notwendig. Am Montag traf der Gemeinderat den Auslegungsbeschluss.

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Die Firma Räuchle will nach Norden hin erweitern. Geplant ist der Bau einer neuen Produktionshalle. Das macht einen Bebauungsplan nötig. Foto: Beate Reuter-Manz

Die Verfahren laufen parallell, denn es besteht ein gewisser Zeitdruck: Schon im August erwartet die Firma Räuchle in Dietenheim eine neue Maschine, und die soll in einer neuen Produktionshalle untergebracht werden. Der seit mehr als 100 Jahren in Dietenheim ansässige metallverarbeitende Betrieb will im Norden, also in Richtung Regglisweiler, erweitern. Das wiederum macht eine Erweiterung des Bebauungsplans "Weidach III" notwendig.

"Ohne diese Erweiterung wäre der Bauantrag nicht genehmigungsfähig, weil wir sonst eine Bebauung im Außenbereich hätten", erläuterte Bauamtsleiter Christoph Koßbiehl am Montag im Gemeinderat. Für das bestehende Betriebsgelände gilt bis dato der Plan "Weidach III", genehmigt im Jahr 1988. Der Geltungsbereich der Erweiterung umfasst 0,53 Hektar und schließt unmittelbar an die vorhandenen Gewerbeflächen an.

Nach der Planaufstellung im Januar und einer verkürzten Beteiligung der Öffentlichkeit ging es jetzt um vorgebrachte Bedenken und um den Auslegungsbeschluss. Den Großteil der Anregungen bezeichnete Stadtplaner Clemens Künster als "unproblematisch". Allerdings waren Entscheidungen der Gemeinderäte beim Punkt Umweltschutz gefordert. Denn seit die Verordnung eines Ökokontos greift, müssen Ausgleichmaßnahmen nicht nur genau benannt werden. Sie füllen für die Gemeinde auch ein Punktekonto in der "Eingriffsausgleichsbilanz". Die Bewertung sei aufwendig und kompliziert, machte Künster deutlich. Einige Schutzgüter sind dabei abzuarbeiten. Zum Beispiel die "Arten- und Lebensräume". In die wird notgedrungen heftig eingegriffen, wenn ein Acker zum Bauland wird. Die Stadt will das ausgleichen, indem sie dem angrenzenden Auwaldbereich etwas Gutes tut. Auf 500 Quadratmetern soll dort Hartholz gepflanzt werden, zum Beispiel Eschen und Erlen. Mit dieser großen Maßnahme ist das Punktekonto für dieses Schutzgut plan.

Anders sieht es beim Boden aus. "Da haben wir bis dato noch eine erhebliche Unterdeckung", erläuterte Koßbiehl. Als Ausgleichsfläche benennt die Stadtverwaltung rund 4500 Quadratmeter Grund und Boden im Westen der Stadt. Diese Wiese soll nicht mehr bewirtschaftet werden. "Wir lassen sie sozusagen vernässen." Das bringt für die Stadt in diesem Bereich zwar noch keinen 100prozentigen Ausgleich, doch verpflichtet sich die Stadt, darüberhinaus Mutterboden nach dem Erdaushub in geeigneter Form wiederzuverwerten.

"Die Sache ist nicht ganz einfach", räumte Planer Künster ein, als er gewahr wurde, dass einem Gutteil der Ratsmitglieder der Kopf rauchte angesichts des komplizierten Bewertungsmodus. "Wir legen jetzt also ein Ökokonto an", brachte es am Ende Bürgermeister Sigisbert Straub auf den Punkt. Gut für Dietenheim, dass Ausgleichsmaßnahmen aller Wahrscheinlichkeit bis zu zehn Jahre rückwirkend angerechnet werden. Straub: "Wir haben ja schon einiges gemacht."

Die schnelle Ja zum Baugesuch noch vor dem Einstieg in den Bebauungsplan konnte die Stadt ihrem Gewerbetreibenden übrigens unter Zuhilfenahme von § 33 Baugesetzbuch erteilen. Der lässt Bauvorhaben in Ausnahmefällen auch bei einem noch nicht rechtskräftigen Bebauungsplan zu. Dazu muss sich der Bauherr allerdings verpflichten, sich an künftige Vorgaben zu halten.

Für die Firma Räuchle bedeutet das in diesem Fall eine Dachbegrünung. Außerdem darf das Dach der neuen Produktionshalle maximal zur Hälfte mit Photovoltaik belegt werden. "Funktionalbau mit außergewöhnlicher Architektur. Die Halle wird das Gewerbegebiet aufwerten", kommentierte gestern Bauamtsleiter Koßbiehl auf Anfrage das große, gewerbliche Bauvorhaben. Der Neubau hat einen umbauten Raum von knapp 30 000 Kubikmetern und überragt die übrigen Fabrikhallen mit 13 Metern um rund zwei Meter. Angeschlossen ist ein so genannter Truckport zum effektiven Be- und Entladen von Lastwagen.

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