Im Schatten von Stauffenberg
Der Schriftsteller Hellmut G. Haasis und das Buch über Georg Elser: "Den Hitler jag ich in die Luft." Einen Vortrag über den Schwaben hat die 9d des Einstein-Gymnasiums gehört - und den Autor interviewt.
Herr Haasis, wie sind Sie auf die Person Georg Elser gestoßen?
HELLMUT G. HAASIS: Ein Leser beschwerte sich beim Rowohlt-Verlag, dass es keine Elser-Biografie gebe. So habe ich den Auftrag bekommen, ein Buch über Georg Elser zu schreiben.
Warum haben Sie Elser für ihr Buch ausgewählt und nicht Claus Schenk Graf von Stauffenberg ?
HAASIS: Wie schon erwähnt, mein Auftrag war es, ein Buch über Elser zu schreiben, und ich wollte etwas Originelles machen. Außerdem interessiert es nur wenige, wenn ich über Stauffenberg geschrieben hätte, denn Stauffenberg war schon eine gemähte Wiese, es wäre wie ein Tropfen in einen Bach hinein gewesen. Beide sind total verschiedene Personen: Stauffenberg hatte es für die Ehre getan, Elser für den Frieden.
Wie stehen Sie dazu, dass Stauffenberg als Held verehrt wird und Elser fast niemand kennt?
HAASIS: Ich finde die Verehrung für den hohen Militär übertrieben. Die Deutschen tun sich schwer mit Elser. Je höher man die Denkmäler macht, desto weniger sieht man die Gestalt oben.
Woher stammen Ihre Informationen?
HAASIS: Aus den Archiven, Überlieferungen, Zeugenaussagen von Freunden und Verwandten, aus dem Gestapo-Protokoll, das man in Königsbronn in einer Kopie lesen kann. Ich bin in die Schweiz gefahren und hab viele Schweizer Zeitungssammlungen durchgemacht.
Wie würden Sie Ihr Buch einordnen, um was für ein Genre handelt es sich?
HAASIS (lacht verschmitzt): Es ist eine sympathisierende, teilnehmende Biographie. Meine Kollegen schreiben gewöhnlich lieber nur eine Faktografie - meine eigene Wortschöpfung. Die schreiben sich den Fakten entlang, ohne in das Innere der Person einzudringen. Ich träume von einer Verfilmung durch Steven Spielberg.
Warum haben Sie den Buchtitel "Den Hitler jag ich in die Luft" gewählt?
HAASIS: Das ist ein Zitat von Georg Elser. Dies sagte er im August 1939, als er sich von einem guten Freund (Eugen Rau) verabschiedete.
Ist der Buchtitel diesem Thema angemessen?
HAASIS: Ja, auf jeden Fall, da es eine Originalaussage von Elser ist und er Hitler umbringen wollte. Da Elser auch sehr humorvoll ist, hat er es auf diese Art gesagt.
Wie würden Sie Ihren Stil charakterisieren?
HAASIS (lacht): Es ist mein Stil. Ich denke, ich habe meine eigene, spezielle Wortwahl.
Worum geht es in Ihren anderen Büchern?
HAASIS: Ich schreibe über geschichtliche Dinge, besonders Freiheitsbewegungen. Zurzeit arbeite ich an einer selbst erfundenen Geschichte über Charlie Chaplin, wie der Tramp einmal nach Prag reiste, wo er ja gar nie war. Jeder Mensch hat vor dem Tod ein Recht auf Leben und Humor.
An welchem Ort entstehen denn Ihre Bücher?
HAASIS: Meine Bücher entstehen zu Hause am Schreibtisch, am Laptop. Ich gehe auch gerne in Cafés und lasse mich dort von der Umgebung inspirieren. Bei kreativen Einfällen kann ich gut Leute um mich herum brauchen.
Haben Sie bewusst den Beruf des Schriftstellers gewählt?
HAASIS: Nein, ich wollte zuerst Pfarrer werden, studierte evangelische Theologie, Geschichte, Soziologie und Politik. Ich habe auch beim Rundfunk gearbeitet.
Auf Ihrer Internetseite bezeichnen Sie sich als "libertärer Sozialist". Was ist darunter zu verstehen, und warum bezeichnen Sie sich so?
HAASIS: Libertär bedeutet freiheitlich. Ich bezeichne mich also als freiheitlichen Sozialisten. Ich bin ein freier Mensch und liebe die Gemeinschaft. Deshalb würde ich nie andere zwingen, etwas zu tun, auch ich muss mich selbst entscheiden. Ich bin der Meinung, dass jeder für sich selbst zuständig ist und dass man Dinge nicht auf andere schieben sollte.
Sie bezeichnen sich auch als "Märchenclown"?
HAASIS: Ich verkleide mich und gehe in Grundschulen, um dort Märchen zu erzählen, aber nicht die stinknormalen, sondern die Märchen, die ich mir selbst überlege. Ich verändere die Märchen so, dass die Kinder etwas zum Lachen haben, zum Beispiel "Es war einmal ein lieber grüner Wolf ..." (Rotkäppchen).
Welche Bedeutung hat die Auszeichnung mit dem "Thaddäus-Troll-Preis" für Sie?
HAASIS: Das ist für mich eine Erinnerung an schöne Zeiten, denn ich konnte von eigenen Geschichten schreiben, geehrt wurde ich für einen schwäbischen Roman. Es war dies mein erster großer anerkannter Preis und somit mein Durchbruch.
Was sind Ihre Hobbys?
HAASIS: Ich wandere sehr gerne. Ich bezeichne mich als Wandervogel. Es ist für mich ein gutes Gefühl, an der frischen Luft zu wandern. Fast so gerne, wie ich wandere, lese ich auch. Lesen ist auch eine meiner größten Leidenschaften.
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08.05.2010
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Mit einer Briefmarke erinnerte die Post 2003 an den Hitler-Attentäter Georg Elser. In Königsbronn im Kreis Heidenheim wurde im April ein am Denkmal für ihn enthüllt: an dem Ort, von dem er nach München aufgebrochen war. Archivfotos
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