Patienten aktivieren, sich selbst mit Wissen wappnen

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Ruth Wetzel und Maria Plepla-Peichel (von rechts) haben die Demenz-Woche an der Fachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Dornstadt geleitet.  Foto: 

„Kennst du das noch? Das ist Wolle. Damit kann man Socken stricken.“ Im Rollenspiel mit Dozentin Ruth Wetzel übt Pflegeschülerin Nadine die Aktivierung eines Demenzkranken: mit Schlüsselreizen „Türen zum Inneren des Patienten“ öffnen, ihm Vergangenes ins Gedächtnis rufen. Das soll den Patienten zu einer Beschäftigung anregen, in diesem Fall zum Stricken.

„Wir bieten eine ganze Kiste voller Gegenstände an, die ältere Menschen an frühere Zeiten erinnern können“, sagt Wetzel. Voraussetzung dafür sei es, sich eingehend mit der Biografie des Demenzkranken zu beschäftigen. Dadurch verstehe der Pflegende viele Zusammenhänge und sei geduldiger mit dem Patienten. Zusammen mit Maria Plepla-Peichel hat Ruth Wetzel kürzlich an der Berufsfachschule für Altenpflege am Diakonischen Institut für Soziale Berufe in Dornstadt eine „Demenz-Woche“ geleitet. In der Altenpflege-Ausbildung komme das Thema „Demenz“ zwar immer wieder vor, werde aber sonst nicht intensiv behandelt, sagt Anke Grützner, die fachliche Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege. „Wir haben uns deshalb für eine Woche Blockunterricht für Altenpflegeschüler im zweiten Lehrjahr entschieden.“

Im Pflege-Alltag werde der Umgang mit Demenzkranken immer wichtiger, etwa 70 Prozent der zu pflegenden Menschen in Heimen litten an einer Form der Demenz – Tendenz steigend. Erschwerend für die Pflegerinnen und Pfleger komme die häufig prekäre Personalsituation hinzu, die physischen und psychischen Anforderungen seien enorm. Das spürten auch die Auszubildenden, sagt Grützner: „Allein in diesem Kurs hier sind nur noch 18 von anfangs 32 dabei.“

Dass die zum zweiten Mal angebotene Demenz-Woche sinnvoll ist, zeigen die Reaktionen der Teilnehmerinnen. Man nehme viel mit, ist zum Beispiel auf den Notizzetteln an der Tafel zu lesen, es sei interessant und spannend gewesen, man könne auf die Emotionen der Patienten jetzt besser reagieren und fühle sich sicherer im Umgang mit ihnen.

Die Zukunft der Pflege-Ausbildung sei allerdings ungewiss, gibt Grützner zu bedenken. „Wir wissen nicht, wie die Ausbildung aussehen wird, wenn das Gesetz zu den Pflegeberufen umgesetzt wird.“ Dieses Gesetz beinhaltet eine zweijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft, erst anschließend findet die Spezialisierung in Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege statt. „Die Themen für die Altenpflege kommen dann viel zu kurz“, befürchtet Grützner von der Berufsfachschule. „Wir sehen die professionelle Betreuung gefährdet und wollen unseren Berufsstand verteidigen.“

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