Parlamentarischer Abend: AfD-Kandidat empört Zuhörer

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Die Politiker mussten sich den Fragen der Landjugend in einem interaktiven Spiel stellen. Von links: Maximilian Klingele (CDU), Eugen Ciresa (AfD), Hilde Mattheis (SPD), Marcel Emmerich (Grüne) und Uli Walter (FDP).  Foto: 

Welche Positionen nehmen CDU, SPD, Grüne, FDP und AfD im Vorfeld der Bundestagswahl im September zu verschiedenen Themen der Jugend- und Agrarpolitik ein? Bei einem parlamentarischen Abend in Ballendorf fühlte die Landjugend Württemberg-Baden der SPD-Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis, Maximilian Klingele (CDU), Marcel Emmerich (Grüne), Uli Walter (FDP) und Eugen Ciresa (AfD) auf den Zahn.

Im Rahmen des interaktiven Spiels „Ich, Du, Wir... fürs Land“ mussten die Bundestagskandidaten Landjugendlichen aus der ganzen Region Rede und Antwort stehen. Für Auflockerung in der bisweilen hitzigen Diskussion sorgten Spiele à la Activity, bei denen Begriffe, Sprichwörter und Redewendungen wahlweise umschrieben, gezeichnet oder pantomimisch dargestellt werden mussten.

Deutliche Worte

Moderiert wurde der Abend von Ina Zwicker und Peter Treiber aus dem Landjugend-Landesvorstand, die bisweilen alle Hände voll zu tun hatten: Denn Eugen Ciresa (AfD) nahm kein Blatt vor den Mund und sorgte mit seinen Äußerungen für Empörung – sowohl im Publikum als auch unter den anderen Kandidaten. So stieß der Allmendinger schon bei der ersten Frage seine zu großen Teilen ehrenamtlich engagierten Zuhörer vor den Kopf: „Was wäre Ihr Ansatz, um das Ehrenamt in Deutschland attraktiver zu gestalten? Wie würden Sie Arbeitgeber in die Pflicht nehmen?“, wollten die Landjugendlichen wissen. „Ehrenamt ist ein Ehrenamt“, befand Ciresa. „Es hat freiwillig und auf eigene Kosten zu erfolgen.“ Es könne nicht sein, dass Arbeitgeber oder Staat in die Pflicht genommen würden, wetterte er. „Das ist eine persönliche Sache.“

Aussagen, die nicht wenigen der rund 60 Besucher des Abends die Zornesröte ins Gesicht steigen ließen. Ebenso für Kopfschütteln sorgten Ciresas Sicht der Dinge auf das Thema Ländliche Entwicklung und Ortskernsanierung („dank Griechenlandrettung und Flüchtlingspolitik ist das nicht finanzierbar“), seine Ablehnung von Fördergeldern für einen tierschutzgerechten Umbau alter Ställe sowie seine Absage an die Vermittlung gesunder Ernährung in Schulen („das ist eine Familienangelegenheit“). „Der Typ ist eine Katastrophe“, stellte ein junger Besucher fest, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „So schießt man sich selbst ins Aus.“ Mehrere Andere nickten. „So gesehen sollte man die AfD eigentlich immer und überall einladen“, witzelten sie.

Angesichts der Aussagen Eugen Ciresas präsentierten sich die Vertreter der übrigen Parteien umso einiger in der Sache. So sprach sich Uli Walter (FDP) für eine Freistellung Ehrenamtlicher bei Übernahme der Lohnersatzzahlungen durch die öffentliche Hand aus, während Marcel Emmerich (Grüne) die Möglichkeit einer Anwendung des Bildungszeitgesetzes auf diese Bereiche ins Gespräch brachte. „Ehrenamtliches Engagement funktioniert ohne Freiräume nicht“, stellten beide Politiker fest.

Verpflichtender Zivildienst?

Einigkeit herrschte auch bei der Frage nach einem verpflichtenden Wehr- oder Sozialdienst: „Mir persönlich hat meine Zeit als Zivildienstleistender sehr, sehr gut getan“, bekannte Maximilian Klingele (CDU). Der Dienst an der Gemeinschaft diene der eigenen Reife – „und es war gut, dass er damals verpflichtend war“, so Klingele: „Sonst hätte ich mich vielleicht anders entschieden.“ Hilde Mattheis (SPD) sah in einem derartigen Dienst ebenfalls nur Vorteile. „Ich würde mich allerdings gegen eine Verpflichtung aussprechen, sondern die Anreize erhöhen“, sagte sie. Denkbar seien etwa eine Anrechnung auf Ausbildung und Studium. „Die Zeit wird uns lehren, dass der Gedanke eines Bürgers in Uniform, der in die Bundeswehr, in einen sozialen oder einen ökologischen Bereich hineinschnuppert, etwas sehr Wertvolles ist.“

Im weiteren Verlauf des Abends wurde es sehr konkret agrarpolitisch: Die Landjugendlichen thematisierten Glyphosat und neue Zuchtmethoden wie Crispr Cas 9, die Verteilung von EU-Geldern sowie die Zukunft der Sauenhaltung.

Unter dem Motto Die Landjugend gestaltete ihren parlamentarischen Abend interaktiv. Das Obergeschoss des Feuerwehrhauses verwandelte sich dazu in ein Spielbrett mit menschlichen Spielfiguren.

Jedem Politiker wurde ein Team zugewiesen, das gemeinsam mit ihm versuchte, möglichst schnell ins Ziel zu gelangen. Ein Würfel entschied, wie weit die Spielfiguren  vorrücken durften.

Kam eine Spielfigur auf einem der grünen „Ich“-Felder zum Stehen, passierte nichts weiter. Auf den blauen „Du“-Feldern galt es, Begriffe, Sprichwörter und Redewendungen wahlweise zu umschreiben, zu zeichnen oder pantomimisch darzustellen – schaffte es ein Team in 90 Sekunden, die Lösung zu erraten, durfte die Spielfigur weiter Richtung Ziel rücken. Die gelben „Wir“-Felder lösten eine Diskussionsrunde aus.

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Kommentare

20.06.2017 01:24 Uhr

Ehrenamt

Was genau ist am Terminus Ehrenamt falsch zu verstehen?
Wenn jemand keinen Bock darauf hat, weil er seine Ausfälle nicht vom Staat ersetzt bekommt, führt das den Begriff an sich ad absurdum.
Dass die FDP sich im Namen des Liberalismus dabei mit der getanen Äußerung als staatsgläubige Opportunistenpartei entblößt, dünkt mich skandalöser als ein AFDler, der Jugendlichen mit einer Vollkaskomentalität erklärt, dass das Leben kein Pornofilm ist.

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