Parkplatz vor der Grundschule - Eltern ziehen die Notbremse

Eltern und der BUND ziehen die Notbremse: Sie wehren sich gegen Pläne der Stadt, Grünflächen vor der Grundschule zum Parkplatz umzuwandeln. Die Maßnahme ist seit November beschlossene Sache im Rat. Mit einem Kommentar von Beate Reuter-Manz: Kritik um fünf nach zwölf

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  • Blick auf Mensa und Grundschule mit dem Dietenheimer Stadtpark. Im vorderen Bereich, also bis zur Hauskante der Mensa, plant die Stadt einen Parkplatz. Zehn Bäume fallen, 15 werden neu gepflanzt, auch auf dem neuen Fahrbahnteiler auf Höhe der jetzigen Ampel. Die große Kastanie (rechter Bildrand) bleibt erhalten. 1/2
    Blick auf Mensa und Grundschule mit dem Dietenheimer Stadtpark. Im vorderen Bereich, also bis zur Hauskante der Mensa, plant die Stadt einen Parkplatz. Zehn Bäume fallen, 15 werden neu gepflanzt, auch auf dem neuen Fahrbahnteiler auf Höhe der jetzigen Ampel. Die große Kastanie (rechter Bildrand) bleibt erhalten. Foto: 
  • Die Pläne zur Stadtkernsanierung wurden im November bei der Bügerversammlung in der Stadthalle vorgestellt und stießen auf großes Interesse. 2/2
    Die Pläne zur Stadtkernsanierung wurden im November bei der Bügerversammlung in der Stadthalle vorgestellt und stießen auf großes Interesse. Foto: 
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"Wir sind gegen das Anlegen von Parkplätzen im Stadtpark vor der Schule. Wir fordern mehr Grün für unsere Stadt": Das steht auf den Unterschriftenzetteln, die derzeit in mehreren Dietenheimer Geschäften ausliegen. Initiatoren der Aktion sind eine Elterninitiative aus der Grundschule sowie die BUND-Ortsgruppe.

Zum Hintergrund: Seit mehr als zwei Jahren haben Verwaltung und Gemeinderat die Stadtkernsanierung planerisch vorbereitet. Wichtiger Bestandteil ist die Neugestaltung der Königsstraße zum verkehrsberuhigten Bereich mit Plätzen, Verschwenkungen und Fahrbahnteilern. Abschnitt Nord von der Christian-Heinrich-Straße bis zum Flutenwinkel soll von jetzt an für rund 940.000 Euro umgebaut werden. Der Beschluss dazu fiel im Gemeinderat im November einmütig. Im gleichen Monat informierte die Verwaltung in einer Bürgerversammlung. Planer Clemens Künster erläuterte in der Stadthalle in Wort und Bild die Pläne, die auch eine Umgestaltung des vorderen Teils der Grünanlage bei der Grundschule vorsehen. 20 Parkplätze sollen helfen, die unübersichtliche Verkehrssituation zu Schulbeginn und -schluss zu entzerren, sagt die Verwaltung. Doch genau dagegen regt sich nun Widerstand.

"Ich bin dafür, dass man den Stadtpark aufwertet. Aber doch nicht mit Parkplätzen", kritisiert Joachim Merkle, seines Zeichens Vize-Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Dietenheim. Dieser Bereich sei in dem komplexen Stadtsanierungspaket öffentlich nicht hinreichend vorgestellt worden, auf den Plänen ein Parkplatz in solchen Dimensionen nicht ersichtlich gewesen. "Der Großteil der Leute hat die Tragweite erst jetzt realisiert, als bekannt wurde, dass dort Bäume gefällt werden", argumentiert der Naturschützer - das treffe im Übrigen auch auf manchen Stadtrat zu, wie er im Gespräch festgestellt habe. Merkle argumentiert weiter, die Stadt habe ohnehin zu wenig Grünflächen. An Parkplätzen indes mangele es nicht.

Diese Meinung teilt er mit Angela Spiegl, der Sprecherin einer Elterninitiative der Grundschule. Sie habe mit vielen Eltern geredet, erzählt sie: Niemand vermisse einen Parkplatz. "Die Menschen empfinden die Parksituation als zufriedenstellend", fasst sie Meinungen zusammen. Man werde den Stadtpark ohne Not hergeben. Denn zum schnellen und bequemen Abholen der Kinder würden Auto fahrende Eltern auch weiterhin kurz auf der Straße anhalten, anstatt den neuen Parkplatz zu nutzen, ist die Mutter zweier Grundschüler überzeugt - auch wenn sie eine solche Einstellung nicht teilt: "Man könnte viel mehr zu Fuß machen." Spiegl argumentiert mit einem nötigen Sicherheitsraum für Kinder vor der viel befahrenen Durchgangsstraße. Außerdem: "Im Park steht unser Maibaum. Bewahren wir uns doch diese schöne Ruhezone." Architekt Herbert Graf, ebenfalls ein Unterzeichner, spricht von einem "schwer wieder gut zu machenden städtebaulichen Fehler."

"Wir sind gelinde gesagt schon sehr erstaunt von diesem Meinungsumschwung", teilte der Leiter des Bauamts, Christoph Koßbiehl, für den im Urlaub weilenden Bürgermeister Eh auf Anfrage mit. Das Thema Stadtpark sei im Gemeinderat mehrfach und auch im Detail behandelt worden - auch mit der Erkenntnis, dass die getroffenen Maßnahmen im Schulbereich dem Wohl der Kinder zugute kommen. Indem der fließende Verkehr vor der Schule verlangsamt, der stehende in geordnete Bahnen gelenkt werde. Die Maßnahme werde auch von der Grundschulleitung unterstützt.

Nach dem Ja aus dem Gemeinderat ist noch im November die Ausschreibung für die Bauarbeiten angelaufen - inclusive Parkplatz. Das Fällen der Bäume ist für Anfang nächster Woche terminiert. "Zehn Bäume fallen weg, 15 neue werden gepflanzt", lässt Koßbiehl wissen. Es handelt sich um bis zu acht Meter hohe, schlank wachsende Kirschbäume, zwei stehen auf der künftigen Querungshilfe dort. Die große Kastanie auf dem Platz vor dem Grundschulgebäude bleibt erhalten. Dieser Schotterparkplatz wird im Gegenzug zu einer neuen Grünfläche umgewandelt.

Kommentar von Beate Reuter-Manz: Kritik um fünf nach zwölf

Warum so spät? Diese Frage müssen sich die Stadtpark-Aktivisten schon gefallen lassen. Der Umbau der Innenstadt mit der Königstraße als wichtiger Komponente und dem Parkplatz vor der neuen Schule ist in der Vergangenheit hinreichend beleuchtet worden. Mehrfach im Gemeinderat, wenn auch ohne großes öffentliches Interesse, und zuletzt im November bei einer Bürgerversammlung in der Stadthalle. 150 interessierte Dietenheimer konnten die Pläne in Augenschein nehmen und Stadtplaner Clemens Künster dazu befragen - was beim nun hochkochenden Thema Schulparkplatz sogar passiert ist. Der Vorwurf an die Verwaltung, dieses Vorhaben zu wenig kommuniziert zu haben, ist damit entkräftet.

Warum regt sich erst jetzt Widerstand? Viele Wochen nach dem einmütigen Plazet im Gemeinderat, mitten im Verlauf der Ausschreibung und nur wenige Tage vor dem anvisierten Fällen der Bäume? Lieschen Müller mag beim Lesen der Pläne die Tragweite vielleicht nicht erkannt haben. Wenn das allerdings auch auf Gemeinderäte zutrifft, wie Joachim Merkle behauptet, dann haben die schlichtweg gepennt. Im Nachhinein einzuknicken heißt, die Stadt in einem laufenden Verfahren in arge Bedrängnis zu bringen. Keine Frage: Der Verlust von Grün tut weh. Und es gibt sicherlich gute Gründe, einen Parkplatz gerade dort anzuzweifeln und ausgiebig zu hinterfragen. Aber vorher und nicht erst um fünf nach zwölf

Die Sprecher der Aktion wollen die Unterschriften am Wochenanfang an Bürgermeister Eh überreichen, um so die Baumfällaktion doch noch zu verhindern.

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Kommentare

28.02.2016 08:00 Uhr

oje Frau Reter-Manz...

jetzt wird lamentiert warum erst jetzt reagiert wird?
Brauchen sie dort einen Parkplatz?

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