Otto Maier schenkt Laichingen 30.000 Euro für Jugendarbeit

Er mag es nicht, wenn Aufhebens um ihn gemacht wird. Auch nicht wegen der 30.000 Euro, die er der Stadt Laichingen geschenkt hat. Dabei entpuppt sich der 94-jährige Otto Maier auch als Dichter und Maler.

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Zu Otto Maiers Talenten gehört das Malen, zwei Bilder zeigen seine Emma mit 17 und mit 84 Jahren.  Foto: 

30.000 Euro - ein Batzen Geld. Diesen hat der 94-jährige Otto Maier aus Laichingen seiner Stadt vermacht - "für die Kinder", wie er sagt. Warum? Maier pflegte sechs Jahre lang seine Schwester, die in einem Pflegeheim in der Nähe seiner Reutlinger Heimat lag. Dann starb sie und hinterließ dem Bruder viel Geld. Einiges schenkte er seinen Patenkindern. Nun sollen auch Laichinger Kinder etwas davon haben. Für welche Zwecke das Geld eingesetzt werden soll, ist ihm egal. "Hauptsache für die Kinder." Sie liegen ihm besonders am Herzen. "Weil meine Frau und ich keine Kinder hatten und sie die Zukunft sind." Außerdem habe es ihm immer in Laichingen gefallen und Bürgermeister Klaus Kaufmann ist ihm "sehr sympathisch".

Sich selbst gegenüber ist der alte Mann genügsam. "Ich habe genug zum Leben." Einmal ausgiebig verreisen? "Brauch ich nicht. Mit meiner Frau war ich jedes Jahr in Südtirol und öfter bei unserem Patenkind in der Schweiz." Und natürlich im Krieg, in Russland und Frankreich. Ohnehin ist es so: "Daheim hab ichs am schönsten."

Otto Maier wirkt rundum zufrieden. Und wer seine Wohnung betritt, entdeckt, dass hinter dem bescheidenen 94-Jährigen ein Mann mit musischen Talenten steckt. Otto Maier, der Hobbymaler. Die Wohnung ist tapeziert mit Ölbildern: ein junges Mädchen, die Kanäle Venedigs, sein Schwiegervater, wie er mit einem Wagen ein Güllefass durch Laichingen transportiert. Otto Maier hat 1937 mit dem Malen begonnen. Damals wurde er als junger Postler in die Post-Außenstelle nach Laichingen beordert. Beim Mittagessen traf er einen Zeichner der damaligen Mechanischen Leinenweberei Laichingen, der ihn daraufhin regelmäßig in die Geheimnisse des Zeichnen und Malens einwies. Zwei Bilder sind ihm besonders wichtig: "Auf dem linken ist meine Frau mit 17 Jahren zu sehen. Auf dem rechten ist sie 84." Vor sechs Jahren musste er sich von seiner Emma verabschieden. Er holt ein Gedicht hervor, dass er ihr zum Andenken geschrieben hat. Es rührt. Zum 60. Geburtstag hat er ihr den Wandteppich über der Couch geknüpft.

Otto Maier, der Hobbydichter. Er lässt sich überreden, ein paar Gedichte vorzutragen. Dutzende füllen seine Schnellhefter. Er nimmt darin Männer, Frauen, Kinder und die Politik aufs Korn. Nie verletzend, immer ist ganz deutlich der Menschenfreund zu spüren, immer gibt es eine Pointe. "Nach jeder OP habe ich dem Chefarzt ein Gedicht geschrieben", erzählt Maier. Und auch Bürgermeister Klaus Kaufmann zur Wahl.

Einmal pro Woche geht Otto Maier zum Kegeln. Jeden Tag spielt er mit seinem Freund aus der Seniorenwohnanlage zwei Stunden lang Billard. "Man darf nicht daheim sitzen und warten, bis jemand kommt", sagt er. "Man muss rausgehen und selber soziale Kontakte suchen." Seine beiden Freunde nennt er "junges Gemüse". Sie sind 78 und 83. Ach ja, und den Haushalt und Garten schmeißt er auch noch selbst. Aus der Obsternte fabriziert er "Gsälz". 120 Gläschen lagert er zur Zeit und verschenkt sie laufend. Eines gefällig? Schon stapft er los. Man hört ihn singen auf der Treppe.

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