Oswald Metzger spricht bei der Erbacher CDU und fordert mehr Haushaltsdisziplin

Er fordert den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und will den Beamten an den Geldbeutel: Oswald Metzger (CDU) ist nicht ruhiger geworden.

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Oswald Metzger ist auch ohne politisches Mandat kein bisschen ruhiger.

"Gegen den Strom schwimmen stärkt die Muskeln." Besser hätte Hans Seemann, CDU-Vorsitzender aus Erbach, Oswald Metzger (57) nicht ankündigen können. Bei "90 Minuten Politik" ließ Metzger, einstiger Bundestags- und Landtagsabgeordneter und derzeit ohne Mandat, keinen Zweifel aufkommen: Parteizugehörigkeit schützt vor Kritik nicht.

Das war bei der SPD so, der er bis 1979 angehörte, bei den Grünen, deren Parteibuch er von 1987 bis 2007 inne hatte und hat sich auch als CDU-Politiker nicht geändert. In die CDU trat Metzger im April 2008 ein. Der streitbare Politiker und Finanzexperte Oswald Metzger redete in der Veranstaltung mit dem Titel "Wege aus der Krise" seinen Politikerkollegen ins Gewissen: Es sei nicht die Zeit, neue Wohltaten zu verteilen. Das Betreuungsgeld, das Familienministerin Kristina Schröder 2013 einführen möchte, hält Metzger für eine "fehlanreizorientierte Sozialleistung". Die Union solle darüber nachdenken, "ob das in die Zeit passt". Dazu komme, dass die Kinder doch nur "vor der Glotze landen" und dann nicht schulreif seien, wenn sie das Schulalter erreicht haben. "Wir haben einen so hohen Stand an Sozialstaatlichkeit aufgebaut, dass dieser Wohlstand kreditfinanziert ist." Dieses Betreuungsgeld koste pro Jahr zwei Milliarden Euro. Die Wähler in Deutschland seien gegen eine Kreditfinanzierung solcher Wohltaten. Metzger plädiert "für unbequeme Ehrlichkeit in der Politik". Der Wähler sei heute dazu bereit.

Den Euro-Rettungsschirm für Griechenland, für den sich die Kanzlerin Angela Merkel so stark macht, hält Metzger für falsch. Griechenland habe finanzpolitisch nur eine Chance: wenn es zwar in Europa bleibe, aber den Euro-Währungsraum verlasse. Bei einer Abwertung der Drachmen würde das Land wieder wettbewerbsfähig, sagt Metzger. Sonst hänge es dauerhaft am Tropf der EU. "Ich hätte im Bundestag beim Rettungspaket mit Nein gestimmt."

Und die Beamten? Die seien restlos privilegiert gegenüber den übrigen Arbeitnehmern, auch finanziell. Er sehe keinen Grund, warum Lehrer Beamte sein müssten. Die Pensionslast der Beamten erdrücke den Staat. Und sie sei ungerecht verteilt, wenn man sie mit der Rente von Arbeitnehmern vergleicht, weil Pensionen wesentlich stärker stiegen als Renten.

Protest aus den Reihen der Zuhörer, viele Polizisten gehörten den unteren Gehaltsgruppen an, wehrte Metzger ab. Die meisten Polizisten seien längst gut bezahlt. Und dass viele Bundeswehrsoldaten frühzeitig in Pension geschickt werden, "ist mir ein Dorn im Auge". Applaus erhielt er trotzdem.

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