Notarzt Steffen Maier ist über Weihnachten im Einsatz

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Freude und Leid liegen oft nah beieinander. An einem grauen Dezembermorgen, drei Tage vor Weihnachten, verlässt Notarzt Steffen Maier ein Haus, in dem gerade ein Mann gestorben ist. Maier konnte nicht mehr helfen. Nach 90 Lebensjahren hat das Herz aufgehört zu schlagen. Im Auto sagt Maiers Assistent:  „Da war die Hebamme nicht mehr schuld.“ Und dass es besser sei, wie es ist, weil der Mann nicht lange gelitten habe. Notarzt Steffen Maier, 38 Jahre alt, wird später erklären: „Das Sterben betrifft einen als Arzt relativ bald nach dem Studium.“ Natürlich sei es nicht einfach, für Angehörige die richtigen Worte zu finden. In tragischen Momenten versuche er empathisch auf die Menschen einzugehen. Aber zugleich baue er „eine natürliche Distanz auf“, um im Ernstfall professionell helfen zu können. Nach besonders erschütternden Einsätze helfe oft das Gespräch mit den Kollegen.

Doch in dieser Adventszeit erlebt Maier auch viele freudige Momente. Vor kurzem wurde er als Notarzt zu einer Frühgeburt gerufen, das Kind kam gesund auf die Welt. Maiers Assistent sagt: „Wenn ich erkenne, dass das Leben ein Kreislauf ist, kann man auch den Tod akzeptieren.“

Wenn es in diesen Tagen um Leben und Tod geht, wird Steffen Maier oder einer seiner Kollegen von der Uniklinik Ulm gerufen. Andere Familien sitzen längst gemeinsam bei Kerzenlicht vor dem Christbaum, packen Geschenke aus oder fallen über die Weihnachtsgans her, wenn Steffen Maier auf den Straßen unterwegs ist. Dann kommt er als Retter zu den Menschen in Not. So war es die vergangenen Jahre an Heiligabend und Weihnachten, und so wird es dieses Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag sein.

Maier ist ledig und hat keine Kinder. Er halte den Kollegen über die Feiertage gerne den Rücken frei. Doch der Dienst als Notarzt ist ein Knochenjob. Auf 24 Stunden Einsatzzeit kommen durchschnittlich 14 Einsätze. Dazwischen genehmigt er sich kurze Pausen, versucht ausreichend zu essen und zu trinken. „Ich kann ja nicht halb verdurstet und verhungert bei den Patienten ankommen.“ Innerhalb von 15 Minuten müssen Maier und sein Assistent den Einsatzort erreichen, so lautet die gesetzliche Vorgabe. „In 99 Prozent der Fälle klappt das auch“, sagt Maier. Nur im Winter werde es mal brenzlig: „Blaulicht schützt leider nicht vor Glatteis.“

Von der Uniklinik Ulm aus decken die Notärzte einen großen Teil von Ulm und des Alb-Donau-Kreises ab. Weitere Notarzt-Standorte gibt es in Blaubeuren, Ehingen, Laichingen und ab 2017 auch in Langenau. Manchmal zählen Minuten oder Sekunden, wenn Maier einen Notruf aus der Leitzentrale erhält. Seinen Funkmelder trägt er griffbereit am Gürtel. Bei schwierigen Einsätzen bespricht Maier oft schon im Auto die Einsatztaktik – ohne dabei ihn Aufregung zu verfallen. „Wenn man das mehrere Jahre lang macht, kehrt irgendwann Ruhe und Routine ein“, sagt er. Doch die Einsätze hätten zugenommen, eine Folgen der alternden Gesellschaft.  Seit drei Jahren arbeitet Maier bereits in der Anästhesie an der Uniklinik, davor war er sechs Jahre lang am Ulmer Bundeswerkkrankenhaus tätig.

An Weihnachten zu arbeiten, ist für Maier längst zur Normalität geworden. Die Entscheidung dafür ergebe sich aus der Berufswahl, meint er und fügt dennoch hinzu: „Weihnachten hat für mich einen großen Stellenwert.“ Den heutigen Heiligabend wird Maier seit langem mal wieder bei seiner Familie in Eislingen verbringen. Und am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen Dienst in der Notfallmedizin am Ulmer Michelsberg antreten und auf Einsätze warten. Vielleicht koche man gemeinsam mit den wenigen Kollegen, die da sein werden. Ein wenig Besinnlichkeit – bis der Notrufmelder Alarm schlägt.

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