Nominierung des Landtagskandidaten im Wahlkreis 65

Innerparteiliche Wahlkämpfe werden meist hinter den Kulissen geführt. Und dort rumort es dann auch. Wie jetzt bei der CDU in Teilen des Alb-Donau-Kreises. Immerhin geht es um die Landtagskandidatur.

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Die CDU im Landtagswahlkreis 65 Ehingen sucht einen Nachfolger für Karl Traub. Seit 1996 Wahlkreis-Abgeordneter, wird der 74-jährige Alterspräsident des baden-württembergischen Landtags im März 2016 nicht mehr kandidieren. Um seine Nachfolge bewerben sich der 26-jährige Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Ehinger Gemeinderat, und Kreisrat Christian Wittlinger, 52 Jahre alt, aus Beimerstetten. Die Entscheidung treffen die etwa 1600 Parteimitglieder im Wahlkreis am kommenden Freitag, 24. April.

Wie üblich vor solchen innerparteilichen Ausscheidungen, ist die Mitgliederzahl in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Für Aufregung sorgte eine Aktion des Agrarhändlers Helmut Lehner aus Westerstetten, der wohl gezielt Kunden ansprach: Sie sollten in die CDU eintreten, um den Agraringenieur Christian Wittlinger, einen aktiven Landwirt, zu unterstützen. Andernfalls werde die deutliche Mehrheit der Mitglieder aus dem Ehinger Raum den Ausschlag für Hagel geben. Und, ergänzte Lehner: Die Mitgliedschaft müsse ja nicht von Dauer sein. Dieser Zusatz und der Hinweis auf die zahlenmäßige Überlegenheit der Mitglieder aus dem Altkreis Ehingen sorgte bei den Unterstützern Hagels für Empörung. „Inakzeptabel“, kommentierte Manfred Nothacker, Vorsitzender des Stadtverbands Ehingen, die Aktion.

Doch auch Nothacker selbst ist in die Kritik geraten. Dem Stadtverbandsvorsitzenden werfen Unterstützer Wittlingers vor, diesen nicht zu einer gemeinsamen Vorstellung beider Bewerber nach Ehingen eingeladen zu haben. Lediglich während der Fusionsversammlung zweier Ortsverbände im Teilort Dächingen habe Wittlinger sprechen können. Nothacker weist diese Kritik zurück. Bereits am 9. Januar, als der Stadtverband beschloss, Hagel zu unterstützen, sei festgelegt worden, auf eine Bewerbervorstellung zu verzichten. Zudem habe Wittlinger die Gelegenheit, sich in zwei Veranstaltungen der Ehinger Jungen Union vorzustellen, unter anderem heute bei der Jahreshauptversammlung in der Waldgaststätte „Saurücken“. Im übrigen, meint Nothacker, sei Dächingen auch nicht schlechter als Temmenhausen.

In dem Dornstadter Teilort hält der Gemeindeverband Ulmer Alb (Dornstadt, Beimerstetten, Westerstetten), dessen Vorsitzender Wittlinger ist, in der Regel seine Versammlungen ab, und kürzlich war dort auch Manuel Hagel zu Gast. Weitere Vorstellungen beider Bewerber hatte es in Langenau, Laichingen und Blaubeuren gegeben.

All diese Nickeligkeiten deuten auf eine Trennlinie innerhalb der CDU hin: hier die Orts- und Stadtverbände im Altkreis Ehingen, dort jene im Rest des Wahlkreises. Das ist natürlich auch dem Kreisvorsitzenden Paul Glökler bewusst. Schon vor Wochen hat er daher alle Orts- und Stadtverbandsvorsitzenden gebeten, „alle Bewerber in gleicher Weise zu behandeln“. Andererseits, sagt Glökler, hätten die Ortsverbände berechtigte Eigeninteressen und handelten eigenverantwortlich. Beiden Bewerbern und ihren Unterstützern rät er, bis zur Nominierung den Ball flach zu halten. Und: „Am Samstagmorgen danach ist das kein Thema mehr.“ Gleichgültig, welcher der beiden Bewerber das Rennen macht, dieser werde sich für den gesamten Wahlkreis einsetzten. Genauso agiere auch Karl Traub als Landtagsabgeordneter, meint Glökler, und genauso habe auch der aus Ehingen stammende Landrat Heinz Seiffert in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter (1994 bis 2005) agiert.

Dieser Einschätzung schließt sich Klaus Meisen an, Vorsitzender des Stadtverbands Langenau. Traub habe nie Kirchturmpolitik betrieben, sei sehr oft im den Osten des Wahlkreises unterwegs. Die regionale Herkunft der Bewerber solle man „nicht so hoch hängen“, sagt Meisen. Gleichwohl sei „Christian Wittlinger mein Favorit“ – aber aus anderen Gründen.

Kurt Wörner, CDU-Vorsitzender in Laichingen, hält beide Bewerber für „engagierte Leute“. Was die Kräfteverhältnisse im Wahlkreis anbetrifft, stellt er nüchtern fest: „Es ist halt so, die meisten Mitglieder kommen aus dem Raum Ehingen.“

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