Noch was da: Luxus-Leben der Schlecker-Familie in Kritik

Lebt die Drogerie-Familie Schlecker zu sehr im Luxus? Während die Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlichen Bankrotts ermittelt, gerät der Lebensstil der Schleckers immer stärker in den Fokus der Berichterstattung.

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Das Schlecker-Anwesen in Ehingen: 2013 hat Christa Schlecker das große, parkähnliche Grundstück samt dem großen Wohngebäude mit dem grauen Dach (links) und den Walmdach-Villen (Mitte) aus der Insolvenzmasse zurückgekauft.  Foto: 

„Es ist nichts mehr da.“ Es ist dieser Satz der Schlecker-Tochter Meike vom 30. Januar 2012, der die Ehinger Unternehmerfamilie inzwischen regelrecht verfolgt. Denn immer mehr Menschen zweifeln daran, dass die Lage des ehemaligen Milliardärs Anton Schlecker und seiner Familie so schlecht ist, wie es die Tochter bei der Pressekonferenz nach der Insolvenzanmeldung dargestellt hatte. Um den gut 23 000 Menschen, die bei der Drogerie-Konzern-Pleite ihren Job verloren, zu versichern, dass die Eigentümerfamilie ihr ganzes Geld für den Rettungsversuch eingesetzt habe, hatte die heute 42-Jährige die Finanzsituation damals so beschrieben.

Die Bild-Zeitung hat sich derweil unter dem Titel „Das Luxus-Leben der Familie Schlecker“ der finanziellen Situation der Ehinger Familie angenommen. Tochter Meike führe ein aufwändiges Leben in London und bewohne ein Apartment im Wert von zehn Millionen Euro, Sohn Lars (44) wirft die Springer-Zeitung ein teures Leben in Berlin vor, der Unternehmensgründer Anton Schlecker (71) wird auf dem Weg vom Wohnhaus in sein altes Ehinger Büro abgebildet – in einem Porsche, der seiner Frau Christa (68) gehören soll. Durch die Gütertrennung von Anton und Christa Schlecker, der das Familienanwesen in Ehingen gehöre, sei der Familie immer noch ein Luxusleben möglich.

Wie berichtet, ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Anton Schlecker wegen des Verdachts, er habe sein Unternehmen vorsätzlich in den Bankrott geführt und zuvor Millionen beiseite geschafft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird auch gegen Schleckers Frau Christa und seine beiden Kinder Meike und Lars ermittelt – wegen Beihilfe zum Bankrott. Den Kindern wird darüber hinaus vorgeworfen, als faktische Geschäftsführer eines Logistikunternehmens dieses um mehrere Millionen Euro geschädigt zu haben, indem sie sich diese als angeblichen Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2011 ausschütten ließen, obwohl das Unternehmen in diesem Geschäftsjahr nur Verluste erwirtschaftet hatte und bereits überschuldet war.

Außerdem sollen sie es versäumt haben, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen und ihrer Mutter vom Geschäftskonto des Logistikunternehmens etwa 52 000 Euro überwiesen haben – für nicht erbrachte Beraterleistungen. Auch für ein weiteres Unternehmen, dessen Geschäftsführer die beiden Kinder des Hauptangeschuldigten waren, sollen sie in Kenntnis der drohenden Zahlungsunfähigkeit unberechtigte Zahlungen auf das Privatkonto ihrer Mutter veranlasst haben.

Derzeit hängt die Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Stuttgart über den Schlecker-Ermittlungsakten. Ob und wann das Gericht das Verfahren eröffnen wird, ist noch nicht absehbar. „Die Kammer prüft noch, und ich kann nicht sagen, wie lange das dauert“, sagt die Landgerichtssprecherin Bettina Gebert auf Anfrage. Nur so viel: „Hier wurden einige Kisten mit Akten vorbeigeschleppt.“

In der Kanzlei des Neu-Ulmer Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz sieht man den Luxus-Vorwurf ganz gelassen. „Herr Geiwitz hat bereits Ende 2012 deutlich gemacht, dass Herrn Schlecker durch die Unterstützung seiner Familie nicht zum Sozialfall wird. Das ist auch legitim, denn mittelalterliche Justiz-Methoden wie die Sippenhaft haben in einem Rechtsstaat wie Deutschland nichts zu suchen“, sagt Patrick Hacker, der Pressesprecher des Insolvenzverwalters. Es sei richtig, dass Anton und Christa Schlecker in Gütertrennung leben. Richtig sei auch, dass es „Anfechtungen von Vermögensübertragungen“ gegeben habe. Das heißt, Familienmitglieder mussten übertragenes Barvermögen zurückzahlen. Und auch Immobilien und Sachgüter flossen in die Insolvenzmasse zurück und mussten von der Familie dann wieder ausgelöst werden. So auch das Familienanwesen, das Christa Schlecker 2013 zu einem realistischen Marktwert von etwa zehn Millionen Euro zurückgekauft haben soll. Im Büro Geiwitz schätzt man die Zusammenarbeit mit der Unternehmerfamilie. Hacker: „Die Familie Schlecker war während des Insolvenzverfahrens sehr kooperativ und hat Dinge offengelegt, die sie rechtlich nicht hätte offenlegen müssen.“

Bei ehemaligen Mitarbeitern herrscht immer noch Verbitterung darüber, wie Schlecker sein Imperium ins Aus gelenkt hat. Für viele Beschäftigte brach nach der Insolvenz eine schwierige Zeit an. Entsprechend schauen manche mit Groll auf den immer noch hohen Lebensstandard der Familie.

Für Christel Hoffmann – von 2006 bis zum bitteren Ende Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Schlecker – sind Berichte über den Lebensstil der Unternehmerfamilie emotional aufwühlend. „Ich kann und will da jetzt aber nicht schwarz-weiß malen“, erklärt die Pforzheimerin. Sie will abwarten, was aus der Anklage gegen die Schleckers wird: „Wenn jemand ehrlich zu seinem Vermögen gekommen ist, habe ich grundsätzlich kein großes Problem mit dem Luxus.“ Hoffmann weiß aber auch, dass das viele ihrer ehemaligen Kolleginnen nicht so sehen können. „Das Elend am Schluss kann kein Mensch nachvollziehen, der das Jammertal nicht durchlaufen hat.“

Was man in Ehingens Straßen zum Luxus-Vorwurf gegen Anton Schlecker und die Familie sagt

Rudolf Emmerich „Wir sind von Schlecker geschädigt. Ich finde, dem ist sein prunkvolles Leben nicht vergönnt. Der hat die Firma bewusst an die Wand gefahren“, sagt Rudolf Emmerich aus Ehingen. „Meine Frau hat bei Schlecker gearbeitet. Wir sind wegen dem Job nach Ehingen gezogen. Zwei Monate später kam die Kündigung.“

Martha Schmidt aus Ehingen ist die ganze Schlecker-Geschichte inzwischen eigentlich egal. „Ich habe den Mann nie gesehen, ihn nicht gekannt. Was passiert ist, finde ich nicht gut. Aber so etwas gibt es ja nicht nur in Ehingen“, sagt sie.

Stefan Peterka „Es muss auch mal gut sein mit der Schimpferei gegen Schlecker. Man muss diesen Mann nicht ganz zusammenprügeln. Er hat viele Jahre Steuern bezahlt und für Arbeitsplätze gesorgt“, sagt Stefan Peterka aus Ehingen. „Dass er noch Porsche fährt und Grundbesitz hat, stört mich nicht.“

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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