Noch eine Woche, dann verschwindet die „Sichtbar“

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Die „Sichtbar“ ist wie das Familien- und Generationenzentrum im Juni 2016 in Dornstadt eröffnet worden. Jetzt schließt die Gastronomie aus wirtschaftlichen Gründen.  Foto: 

In der Mittagspause in die „Sichtbar“. Der Dornstadter Bürgermeister Rainer Braig nutzt die Gastronomie im Familien- und Genarationenzentrum (FGZ) immer wieder und ist nach seinen Worten mit Essen und Service sehr zufrieden. Noch eine Woche, dann müssen sich Braig und die anderen Gäste umorientieren. Am Freitag, 27. Oktober, ist der letzte Öffnungstag, die „Sichtbar“ wird geschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen, sagt Joachim Kiefer, Geschäftsführer der LWV-Eingliederungshilfe und deren Tochterfirma Insiva, Betreiberin der „Sichtbar“.

Die integrative Gastronomie, Kiefer zufolge arbeiten drei Beschäftigte mit Behinderung in der „Sichtbar“, passt nach Ansicht von Bürgermeister Braig ideal zum FGZ als Mehrgenerationen-Quartier. Aus diesem Grund sei die Gemeinde froh gewesen, dass die Insiva für das unter Bauträgerschaft der Kreisbau realisierte Projekt gewonnen wurde. Umso bedauerlicher sei das bevorstehende Aus: „Sehr schade.“

Nach der Eröffnung im Juni vergangenen Jahres habe die „Sichtbar“ einen guten Start hingelegt und „sehr viel positive Resonanz“ erhalten, sagt Insiva-Geschäftsführer Kiefer. Mit dem Ende der Außenbewirtschaftung seien die Umsätze allerdings eingebrochen und hätten sich auch nicht mehr richtig erholt. Inzwischen seien die Defizite so groß, dass er die Reißleine ziehen müsse – auch aus Verantwortung gegenüber der gesamten Insiva, die zum Beispiel im Catering und im Gartenbau tätig ist.

Gewinne nicht zu erwarten

Die Integrationsfirma mit Sitz in Tübingen sei, wenngleich eine gemeinnützige GmbH, den Gesetzmäßigkeiten des Marktes unterworfen und müsse sich im wirtschaftlichen Wettbewerb behaupten, sagt der Geschäftsführer. Von Anfang an sei ihm klar gewesen, dass die „Sichtbar“ keinen Gewinn abwerfen werde. Aber die hohen Verluste in den zurückliegenden Monaten – Zahlen nennt Kiefer nicht – seien auf Dauer nicht tragbar.

Ausdrückliches Lob zollt Kiefer den Beschäftigten, „die haben ganz toll gearbeitet“ und „ein hohe Servicequalität“ geboten. Den Mitarbeitern mit Behinderung werde die LWV-Eingliederungs andere Arbeitsplätze anbieten. Die anderen hätten befristete Verträge, die auslaufen.

Möglicherweise hätte die „Sichtbar“ durch ein anderes Projekt in Dornstadt gerettet werden können. Seit einigen Jahren führt die LWV-Eingliederungshilfe Gespräche mit der Kreisbau und der Gemeinde über den Bau eines Wohnheims für Menschen mit Behinderung. Durch ein solches Vorhaben mit etwa 25 Plätzen solle der Tannenhof in Ulm-Wiblingen entlastet werden, erläutert Joachim Kiefer. Mit einem Wohnheim in Dornstadt hätten zum einen zusätzliche Gäste für die „Sichtbar“ gewonnen werden können, zum anderen hätte die Einbeziehung in die Aktivitäten des Wohnheims weitere Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet.

Doch aus dem Vorhaben wird nichts. Drei Grundstücke spielten in den Gesprächen eine Rolle: Eines, das Gelände des früheren Kindergartens Schmiedstraße, komme wegen der kleineren Gebäude in der Nachbarschaft für einen solchen Neubau nicht in Frage, erläutert Bürgermeister Braig. Das zweite, an der Lange Straße, habe die Gemeinde trotz langer Bemühungen nicht erwerben können. Die dritte Möglichkeit – im Neubaugebiet „Hahnenweide IV“ – sei aufgrund unterschiedlicher Auffassungen hinsichtlich der Zahl der Stellplätze und damit der Wirtschaftlichkeit nicht zustande gekommen. Ein Scheitern, das Braig ebenso bedauert wie das Aus der „Sichtbar“: „Das wäre ein schönes Projekt für die Gemeinde gewesen.“

Dieses will die LWV-Eingliederungshilfe nun andernorts im Alb-Donau-Kreis verwirklichen. „Wir brauchen ein solches Projekt“, sagt Geschäftsführer Kiefer. In Zusammenarbeit mit der Kreisbau dauere die Standortsuche an.

Gastronomie Wie geht es weiter nach dem Aus der „Sichtbar“? Für das Familien- und Generationenzentrum sei eine Gastronomie „auf jeden Fall wünschenswert und ein Stück weit notwendig“, meint der Dornstadter Bürgermeister Rainer Braig. Nur welche Art von Gastronomie? Darüber sollten die Kreisbau als Vermieter und die Gemeinde gemeinsam gründlich nachdenken und die „Schmerzgrenzen“ hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Konzeption des Mehrgenerationen-Quartiers ausloten. Sofort einen Nachfolge-Pächter zu suchen und eine übliche Gastronomie einzurichten, hält Braig für falsch. Andererseits: „Es muss auch nicht genauso weitergehen wie bisher.“

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