Nicht zu Tode beruhigen

Zukunft im Kern: Verkehrsberuhigt, aber lebendig für Bürger soll die Merklinger Ortsmitte werden. Ein Wasserspiel, eine Fußgängerquerung und eine bessere Einbeziehung der "Albernte" werden diskutiert.

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Die Merklinger Gemeinderäte informieren sich über die Situation in der Ortsmitte.  Foto: 

"Die Dorfmitte ist saniert. Das sollten wir bei aller Diskussion festhalten", bemerkte Bürgermeister Sven Kneipp in der Gemeinderatssitzung am Montagabend. "Aber das war Ende der 1980er Jahre und das merkt man." Nicht alles müsse neu angelegt werden, doch die Hauptstraße und Teile der Gehwege seien damals nicht mit einbezogen worden. Dank der bis Mitte 2017 bestehenden Finanzierungshilfe über das Landessanierungsprogramm sollte eine Umgestaltung jetzt noch in Angriff genommen werden.

Kneipp wird mit dem Merklinger Gemeinderat und mit Unterstützung des Städteplaners Manfred Mezger aus Bad Boll von der Firma m-quadrat über eine "kommunikative Stadtentwicklung" diskutieren. Vorschläge und Alternativen von Mezger zur Neugestaltung des Dorfplatzes, aber auch zur Aufwertung des Dorfkerns mit der Umgestaltung der Hauptstraße sollen erörtert werden, Meinungen und Vorschläge der Bürger dabei Berücksichtigung finden. Laut Kneipp sei auch zu überlegen, wie das Planungskonzept innerhalb von eineinhalb Jahren umgesetzt werden könne, um Fördermöglichkeiten zu nutzen. Allerdings sollte der Ort nicht mit Baustellen überfrachtet werden, da es trotz der vorhandenen Baustellen Ausweichmöglichkeiten geben müsse.

Im Rahmen einer Besichtigung vor Ort machte sich der Gemeinderat am Dienstag ein Bild vom Kreuzungsbereich am Restaurant "Ochsen" . Hier soll die Sanierung beginnen und sich entlang der Hauptstraße bis zur Ortsmitte weiterziehen. "Teilweise konnte hier früher etwas saniert werden, dann hört es auf und es kommen Engstellen an den Gehwegen", beschreibt Mezger die Ergebnisse der Sanierungen Ende der 80er Jahre. "Wir wollen zwar eine Verkehrsberuhigung, um sicher unterwegs sein zu können, doch das Dorf soll nicht zu Tode beruhigt werden."

Wie um die Notwendigkeit einer Verkehrsberuhigung zu dokumentieren, donnerten just während der Ortsbesichtigung Auto- und Motorradfahrer mit hohem Tempo durch die Hauptstraße. Diese werde laut Gemeinderätin Marie-Luise Jakob auch heute noch sehr häufig als Verbindungsstraße zur Nachbargemeinde Machtolsheim genutzt, obwohl sie in Richtung Ortsausgang nach Machtolsheim zurückgebaut worden war.

Darüber hinaus ging es um den sicheren Schulweg und eine sichere Überquerung der Hauptstraße in der Dorfmitte. Laut Bürgermeister Kneipp reiche die Zahl der durchfahrenden Autos nicht für einen Zebrastreifen aus, da diese bei 400 Fahrzeugen pro Stunden liegen müsse. Ein entsprechender Vorstoß der Gemeinde im Rahmen der früheren Sanierung (siehe auch Einblocker) war eben aus diesen Gründen schon erfolglos. Einigen Räten ist die Bushaltestelle "ein Dorn im Auge", wie Marie-Luise Jakob meinte. Er sei in die Jahre gekommen. Sie will zudem den Bereich Rippmannstraße in die Sanierung der Hauptstraße miteinbeziehen. Klaus Danzer sprach sich während der Diskussion für eine Änderung des Kreuzungsbereichs am "Ochsen" aus, Markus Marth forderte die stärkere Einbeziehung des Gastrobereichs "Albernte" in die Ortsmitte. Mezger regte im Bereich des Rathauses zudem ein Wasserspiel an.

Für den Planer geht es jetzt darum, mit möglichen Alternativen zu spielen, die Bürger dabei einzubeziehen, um so Klarheit zu erlangen, was die Gemeinde will. Grundsätzlich sei es nicht einfach, die erforderliche Straßenbreite einzuhalten und in allen Bereichen den Gehweg zu verbreitern. Zu überlegen sei auch, inwiefern alter Baumbestand in der Dorfmitte bleiben kann. Der Dorfplatz soll zwar begrünt werden, doch müsse darüber nachgedacht werden, welche Gefahr von den alten Bäume ausgeht, ob sie ins Planungskonzept eingebunden werden können oder ob sie gefällt werden müssen. Mezger: "Die alte Dorflinde ist eine Institution, aber auch sie ist in ihrer Lebensdauer begrenzt."

Die Sanierung der Ortsmitte in den 1990er Jahre

Sanierung Im Zuge der früheren Sanierung der Merklinger Dorfmitte wurde der Dorfbrunnen aufgestellt, die Jahreszahl 1991 dokumentiert das Datum.

Bauabschnitte Die Merklinger Hauptstraße wurde ab 1993 in vier verschiedenen Bauabschnitten verkehrsberuhigt und zwar vor dem Bau der Umgehungsstraße L 1230. Problematisch war schon damals die erforderliche Straßenbreite. Im Zuge dieses Rückbaus der Hauptstraße und nach Einweihung der Umgehungsstraße wurde die Kreuzung am Hotel "Ochsen" saniert. Die Gemeinde pochte schon damals auf einen Kreisverkehr, um die Fahrzeuge auf der Langgasse aus Scharenstetten kommend in Richtung Widderstall zu einem geringeren Tempo zu veranlassen. Der Kreisverkehr wurde damals vom Leiter des Straßenbauamts in Ehingen nicht genehmigt, so dass die verschobene Straßenführung im der Kreuzungsbereich die einzige Möglichkeit für eine Verkehrsberuhigung bot.

Rückbau Nach Freigabe der Ortsumgehung L 1230 für den Verkehr wurde die Merklinger Hauptstraße bis zum Machtolsheimer Stoigle zurückgebaut. Aufgrund damaliger Einwände der Gastwirtschaft in der Ortsmitte konnte dieser Bereich im vierten und letzten Bauabschnitt nicht umgestaltet werden.

 

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