Nahverkehr im Alb-Donau-Kreis: Fortschritt nach Plan

Verspätete und ausgefallene Busse kosten Nerven und Zeit. Experten erläutern, warum das ÖPNV-Angebot im Alb-Donau-Kreis trotz allem besser geworden ist.

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Mit dem öffentlichen Nahverkehr im Alb-Donau-Kreis geht es aufwärts. Davon sind Markus Möller, der Erste Landesbeamte, und Florian Weixler, Nahverkehrsexperte im Landratsamt, überzeugt. Zu verdanken sei das dem Nahverkehrsplan, den der Kreistag im Juli 2015 verabschiedet hat. Der Plan sei Leitlinie und Planungsinstrument, sagt Möller. Der Stellvertreter von Landrat Heiner Scheffold war bis zu seinem Wechsel in den Alb-Donau-Kreis im Januar mehr als fünf Jahre lang im baden-württembergischen Verkehrsministerium für den öffentlichen Nahverkehr zuständig.

Der erste Satz im Nahverkehrsgesetz des Landes lautet: „Öffentlicher Personennahverkehr soll im gesamten Landesgebiet im Rahmen eines integrierten Gesamtverkehrssystems als eine vollwertige Alternative zum motorisierten Individualverkehr zur Verfügung stehen.“ Zuständig dafür, dass dieses Ziel erreicht wird, sind die Landkreise, die kreisfreien Städte und – im Fall des Schienennahverkehrs – das Land.

Als Träger des Bus-Nahverkehrs lege der Landkreis fest, wo sinnvollerweise eine Buslinie verlaufe, erläutert Möller. Dadurch dass entsprechend dem Nahverkehrsplan mehrere Linien zusammengefasst und im Bündel vergeben werden, gebe es keine „Rosinenpickerei“ mehr. „Die Busunternehmen fahren nicht mehr nur dort, wo viele Fahrgäste unterwegs sind.“

Der Landkreis kann die insgesamt 14 Linienbündel aber nicht nach Gutdünken vergeben. Vielmehr bekommt der Busunternehmer den Zuschlag, der auf Grundlage des Nahverkehrsplans „das verkehrlich beste Angebot macht“, erläutert Florian Weixler.

Trotzdem war es zu Beginn des Jahres auf vielen Linien zu erheblichen Problemen gekommen: Busse kamen unpünktlich oder gar nicht. Manche waren überfüllt, so dass Fahrgäste – meistens Schüler – stehen blieben. „Klassische Umstellungsprobleme“, sagt Markus Möller, die nach einem Betreiberwechsel fast unvermeidbar seien: Busfahrer, die mit einer Linie nicht vertraut waren, Busunternehmer, die über die Stundenpläne der Schulen nicht informiert und dann vom Schüleransturm überrascht wurden, die Großbaustellen in Ulm und die Umstellung auf den ZOB West an der Schillerstraße. All das könne einen Busfahrer Sekunden kosten, erläutert Möller, „und die summieren sich“.

Die Lage wurde noch dadurch verschärft, dass am 31. Dezember 2016 die Lizenzen für zwei Drittel aller Linien abgelaufen waren, ergänzt Florian Weixler. Inzwischen seien die Betreiber „bis auf Restprobleme auf dem Laufenden“. Dazu habe auch ein „kleiner Fahrplanwechsel“ zum 6. März beigetragen, mit dem auf manchen Linien Anpassungen vorgenommen wurden.

Mit der Neuvergabe der Linienbündel seien zum Teil erhebliche Verbesserungen erreicht worden. Kreisweit summierten sich die Mehrleistungen auf zehn Prozent gegenüber dem früheren Angebot, sagt Möller. Die meisten Busse – Weixler zufolge 80 Prozent der fahrplanmäßigen Fahrzeuge – seien barrierefrei. Bis 2022 müssten alle Busse diese Anforderung erfüllen.

„Unser Anspruch ist, den ganzen Landkreis gleichmäßig zu versorgen“, sagt Markus Möller. Gleichzeitig soll die Kreiskasse entlastet werden. Die Ausschreibungen der Linienbündel sind so formuliert, dass der Betrieb „eigenwirtschaftlich“ geleistet werden muss. Die Unternehmer erhalten also keinen Zuschuss vom Landkreis. Wenn kein „eigenwirtschaftliches“ Angebot vorliegt, nimmt das Landratsamt eine so genannte Notvergabe vor: Der Betreiber erhält einen Zuschuss und muss fast alle in der Ausschreibung verlangten Leistungen erbringen. Diese Notvergabe gilt ein Jahr, dann wird das Linienbündel erneut ausgeschrieben.

Die Bündel sind Möller zufolge so geschnürt, dass regionale Mittelständler zum Zug kommen können. Aus diesem Grund erfolgt die Vergabe auch für unterschiedlich lange Zeiträume, von zweieinhalb Jahren bis zehn Jahren. Mit hiesigen Linienbetreibern ist das Landratsamt im Großen und Ganzen zufrieden: Florian Weixler: „Die meisten Unternehmen in der Region leisten gute Arbeit.“

S-Bahn Zwischen Freiburg und Breisach sowie zwischen Freiburg, Waldkirch und Elzach fahren Züge der Breisgau-S-Bahn Die S-Bahn Rhein-Neckar verbindet Orte im Odenwald und in Rheinland-Pfalz mit der Region Mannheim/Heidelberg. „Die sind schneller vorangekommen“, sagt Markus Möller. Schneller als die Region Donau-Iller mit ihren Plänen für die Regio-S-Bahn. Diese haben, wie kürzlich berichtet, einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Das liegt nach Ansicht von Markus Möller an der mangelhaften Abstimmung mit dem Land, das für den Nahverkehr auf der Schiene zuständig ist. „Man kann nicht als Region isoliert Wünsche formulieren“, sagt Möller. Dieser Kritik am Vorgehen des Regionalverbands Donau/Iller folgt ein Lob an Oliver Dümmler, seit Mitte 2016 Geschäftsführer des Ende 2015 gegründeten Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller. Dümmler habe jetzt einen realistischen Zeitplan vorgelegt, wonach zum Beispiel auf der Brenzbahn und der Donaubahn ein S-Bahn-Betrieb frühestens 2026 möglich sei. Die Transparenz sei ebenso wichtig wie die Kommunikation mit dem Land. In den Gesprächen müssten zum Beispiel Eckpunkte der Finanzierung festgelegt werden, schließlich kostet allein der bisher geplante Ausbau der Brenzbahn 44 Millionen Euro – nach jetziger Schätzung. Aus diesem Grund hält Möller Abstriche am bisherigen Konzept nicht für ausgeschlossen. Am wichtigsten aber sei das Zusammenspiel mit dem Land: „Nur so läuft’s.“

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