Nächstes Windrad bei Berghülen in Sicht

Auf den Rotor kommt es an. Das Windrad, das die Firma Alb-Naturenergie bei Berghülen plant, bringt es auf 117 Meter Durchmesser. Pro Jahr soll die Anlage fünf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

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Drei dieser Windräder betreibt die ENBW bei Berghülen. Nun plant die Firma Alb-Naturenergie ein weiteres, das mit insgesamt 199 Metern die bestehenden Anlagen um 20 Meter überragen wird.  Foto: 

"Heute schafft eine Anlage, was früher zwei gemacht haben", sagt Rolf Böhringer. Getreu dieser Erkenntnis plant der Geschäftsführer der Alb-Naturenergie genau das: ein Windrad, das ziemlich genau doppelt so groß ist wie sein Vorgänger. Dieser Vorgänger hatte im Windkraft-Vorranggebiet südwestlich von Berghülen zwar einen genehmigten Standort, er wurde trotzdem nie gebaut. Statt eines Windrads mit 58 Metern Durchmesser soll dort eine Anlage mit 117 Metern Rotordurchmesser gebaut werden. Noch in diesem Jahr soll das Windkraftwerk ans Netz gehen und pro Kilowattstunde erzeugten Stroms etwa neun Cent einspielen.

Noch steckt das Projekt im Genehmigungsverfahren, bis Mittwoch können die Unterlagen im Rathaus in Berghülen und im Landratsamt in Ulm studiert werden. Einwendungen müssen bis zum 9. März im Landratsamt Alb-Donau, der Genehmigungsbehörde, vorliegen. Mit schwerwiegenden Einsprüchen rechnet Böhringer nicht, zumal er bereits vier Jahre Planung hinter sich habe. Allein, um auszuschließen, dass Zugvögel in das Windrad geraten könnten, sei ein Biologie-Gutachten über einen 18-monatigen Beobachtungszeitraum erstellt worden. "So brauchen sie 32 Ordner", sagt Böhringer, um den Aufwand mit den Genehmigungsunterlagen zu beschreiben.

Über die Höhe der Investition macht Böhringer keine Angaben - wobei eine Anlage vom Typ Nordex N 117 etwa 4,5 Millionen Euro kosten dürfte. Als Betreiber wird die bereits gegründete Gesellschaft Energiepark Alb-Donau fungieren. An dieser können sich Privatleute ebenso beteiligen, wie Unternehmen und Energie-Genossenschaften. Kein Gesellschafter werde mehr als die Hälfte der Anteile halten, sagt Böhringer, die Stimmrechte in der Gesellschafterversammlung richten sich nach der Höhe der Beteiligung. Wer einsteigt, investiere in eine "unternehmerische Entscheidung mit Chancen und Risiken".

Diese Abwägung hat Böhringer bereits vorgenommen und ist so auf die Nordex-Anlage gekommen. In Schwachwindgebieten wie auf der Schwäbischen Alb komme es auf die Größe des Rotors an, erläutert Böhringer. Bereits bei einer Windgeschwindigkeit von elf Metern pro Sekunde erreiche das Windkraftwerk seine volle Leistungsfähigkeit. Dem Windatlas der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) zufolge bringt es der Wind am Standort Berghülen in 149 Metern Höhe - so hoch ist auch die Nabe der Nordex - durchschnittlich auf 5,5 bis 5,75 Meter in der Sekunde. Damit bringt die Nordex etwa ein Viertel ihrer Power.

Das Windrad bei Berghülen ist das vierte Energie-Projekt der in Blaustein ansässigen Alb-Naturenergie. Bei Westerheim sind seit Ende 2002 zwei Windräder in Betrieb, ein weiteres seit 2007 bei Böhmenkirch (Kreis Göppingen) und seit Juli 2008 der Solarpark bei Laichingen-Suppingen. Gerade bei Windkraftanlagen sei die geografische Nähe ein großer Vorteil, sagt Böhringer. Sobald eine Störung auftauche, erhalte er die Information aufs Smartphone und könne sofort für Abhilfe sorgen. Dank dieser kurzen Reaktionszeit stünden die Rotoren der drei Anlagen fast nie still - wenn der Wind über die Alb weht.

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Kommentare

23.02.2016 19:48 Uhr

Noch ein Windrad in Berghülen

Herr Thomas Schöller hat mit seiner Aussage Recht, dass die schlechten Windeigenschaften eines Standorts nicht mit wachsender "Windradgröße" kompensiert werden können. Die Daten des Windatlas' sind ein schlechter Ratgeber, weil sie sich bereits sehr häufig bei längerfristigen Windmessungen als zu optimistisch herausgestellt haben.

Ich glaube mich an Presseberichte zu erinnern, die vor längerer Zeit über die Unzufriedenheit der EnBW mit den nicht erwarteten enttäuschenden Wind-Ergebnissen ihrer Berghülener Windräder berichtet haben. Investoren ist allein deshalb größte Vorsicht angeraten. Und das ausnahmsweise gute Windjahr 2015 wird sicherlich nicht zur Regel werden.

Nachdem es in unserem windschwachen Land Baden-Württemberg kaum Windkraftwerke gibt, die die in sie gesetzten Wind- und Ertragserwartungen wirklich erfüllt haben, wird es hier in Berghülen möglicherweise ebenso ablaufen, wie in einer großen Anzahl anderer und vergleichbarer Fälle: Wenn trotz garantierter Einspeisungspreise wegen nicht zutreffender Winderwartungen (oder auch weiterer Gründe) die Erlöse aus Stromverkäufen zu niedrig sind, interessiert das alle diejenigen nicht mehr, die bereits ihr "Schäflein im Trockenen" haben: Die Windkraft-Projektierer, die Windrad-Produzenten, die Bauunternehmen und die Grundstücksverpächter und evtl. die Banken. Sie alle haben hervorragend verdient oder verdienen immer noch gut. Den Schwarzen Peter hat am Ende ganz allein der Geldanleger, dem man 4, 5 oder noch mehr Prozent Kapitalverzinsung - selbstverständlich unverbindlich, aber glaubhaft und sogar mit Hilfe verschiedener Wind-Erwartungs-Szenarien - vorgerechnet hat. Beispiele für jahrelanges Ausbleiben von "Ausschüttungen" und Kapitalverlust gibt es ausreichend.

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23.02.2016 11:09 Uhr

Windrad in Berghülen

Nun wenn das Windrad 5.000 Megawattstunden pro Jahr liefern soll, dann entspricht das bei einer max. Leistung des Windrades von 2,4 Megawatt (das dürfte die Leistung sein analog zu den bereits bestehenden hgleichen Nordex-Anlagen) einer Volllast-Stundenzahl von ca. 2080 pro Jahr.

Ob dieser Ertrag wirklich erzielt wird, ist abzuwarten.
Jeder private Investor sollte es sich gut überlegen, ob er sein Geld in eine solche Anlage investiert. Er wird hier zum Mit-Eigentümer mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Einen Schutz gegen Kapitalverlust gibt es nicht.

Zummindest sollte er versuchen, etwas über die tatsächlichen Ertragszahlen der bereits bestehenden Windanlagen gleichen Typs zu erfahren (falls das nicht unter "Geschäftsgeheimnis" fällt).
Nicht wenige Anleger wurden schon bitter enttäuscht in der Vergangenheit mit soclchen langfristigen Unternehmensbeteiligungen. Und damals waren die EEG-Zuschüsse noch deutlich höher als heute.

Es kann gut gehen, es muss aber nicht.

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23.02.2016 11:05 Uhr

Elfmeter gegen die Windkraft

Wieder ein unrentables Windrad mehr im Land. Die angegebene Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe lässt keinen anderen Schluss zu. Ein schlechter Standort bleibt ein schlechter Standort, egal wie hoch und leistungsstark ein Windrad werden soll. Denn die Kosten gehen entsprechend mit in die Höhe und deshalb wird es zwar mehr Stromausbeute geben, aber eben aufgrund der höheren Bau und Wartungskosten unrentabel bleiben.

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