Nachts im Hallenbad: Nach Badeschluss ist der Ferrari dran

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  • Schwimmmeister Jan Frisicke mit seinem Ferrari, der eigentlich Hefter Turnado 55 Pro heißt und im Naubad zur Reinigung der Böden genutzt wird. 1/3
    Schwimmmeister Jan Frisicke mit seinem Ferrari, der eigentlich Hefter Turnado 55 Pro heißt und im Naubad zur Reinigung der Böden genutzt wird. Foto: 
  • „Ich schaue, dass niemand ertrinkt“, sagt Jan Frisicke. Doch seine Aufgaben sind deutlich vielfältiger. Drei Mal am Tag prüft er etwa die Qualität des Badewassers, nach Badeschluss hilft er beim Saubermachen. 2/3
    „Ich schaue, dass niemand ertrinkt“, sagt Jan Frisicke. Doch seine Aufgaben sind deutlich vielfältiger. Drei Mal am Tag prüft er etwa die Qualität des Badewassers, nach Badeschluss hilft er beim Saubermachen. Foto: 
  • W-Geschichte: Nachts im Hallenbad (Reinigungskräfte), Reportage für die Nachtserie. 20.12. 20 Uhr, Naubad Langenau  Lars Schwerdtfeger 3/3
    W-Geschichte: Nachts im Hallenbad (Reinigungskräfte), Reportage für die Nachtserie. 20.12. 20 Uhr, Naubad Langenau Lars Schwerdtfeger Foto: 
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Trotz fortgeschrittener Uhrzeit tummeln sind noch einige Besucher in den Becken des Langenauer Naubades. Im Nichtschwimmerbecken tollen sechs Jugendliche herum und werfen sich einen Ball zu, immer wieder spritzt das Wasser auf den gefliesten Beckenrand. Im Schwimmerbecken nebenan ragen 14 Köpfe aus dem blauen Wasser – alle ausnahmslos weiblich. Sie genehmigen sich im Hallenbad eine Runde Wassergymnastik am Abend und tanzen, verbunden durch rote, gelbe, blaue und grüne Poolnudeln, zum Takt von „Last Christmas“ im Kreis. Für Jan Frisicke bedeutet das beinahe Entspannung. Man merke bereits, dass bald Weihnachten ist: „Heute ist ein ruhiger Abend“, sagt der 26-Jährige und lehnt sich zurück.

Von seinem Platz aus hat der Schwimmmeister alles im Blick: Durch die große Glasscheibe hat er ideale Sicht in die Schwimmhalle und auf die Badegäste, mehrere Monitore lassen außerdem einen Blick in die entlegeneren Ecken des Bades zu. Als Schwimmmeister, landläufig auch unter der Bezeichnung Bademeister bekannt, ist Frisicke gewissermaßen für alles im Hallenbad zuständig. „Ich schaue, dass niemand ertrinkt“, sagt er schmunzelnd. Doch damit nicht genug. Frisicke ist auch für die komplette technische Betreuung des vor einem Jahr sanierten Naubades zuständig. Darüber hinaus gibt er Schwimmkurse, prüft die Wasserqualität und leitet hin und wieder die Wassergymnastik. Und am Abend, nach Badeschluss, hilft der Schwimmmeister dann noch den Reinigungskräften beim Saubermachen.

Drei Mal am Tag wird im Naubad die Qualität des Badewassers gemessen, das schreibt der Gesetzgeber so vor. Heute Abend nimmt Jan Frisicke eine Wasserprobe des Kinderbeckens, mit einem kleinen Messbehälter holt er ein wenig Badewasser aus dem Becken. Vorsichtig füllt er einen Teil des Wassers dann in ein kleines Reagenzglas. Dazu kommen wenige Tropfen eines sogenannten pH-Indikators. Der verfärbt das Badewasser rot, anhand des Rottons kann ein Messergerät dann den genauen pH-Wert des Wassers feststellen.

Mit kritischem Blick prüft der Schwimmmeister die Wasserprobe, sie hat ein eher helles Rot angenommen. „Das müssten etwa 7,3 sein“, sagt Frisicke. „Ich sehe das mittlerweile mit dem bloßen Auge“. Ganz Recht hat er nicht, das Messgerät zeigt einen Wert von 7,42 an. Im grünen Bereich ist der Säuregehalt aber trotzdem, alle Werte von 6,5 bis 7,6 seien in Ordnung, erklärt er.

Spiegelglatte Wasseroberfläche

Um Punkt 20.45 Uhr greift Frisicke dann zum Mikrofon, räuspert sich kurz und lässt einen Gong ertönen: „Liebe Badegäste, es ist Badeschluss. Bitte verlassen sie den Badebereich und kommen Sie gut nach Hause.“ Schnell leeren sich die Becken des Bades, in der Schwimmhalle wird es still, die Wasseroberfläche ist jetzt spiegelglatt. Für das Personal im Naubad bedeutet das: Putzen ist angesagt. Dazu fährt Jan Frisicke seinen, wie er sagt, „Ferrari“ aus der Garage. Der ist in Langenau aber nicht rot sondern blau und heißt eigentlich Hefter Turnado 55 Pro. Besonders schnell ist das Gefährt auch nicht, dafür macht es das Bad sauber, reinigt mit zwei rotierenden Bürsten den gefliesten Boden. Das Putzen macht dem Schwimmmeister nichts aus, er hat sogar Freude an den Reinigungsarbeiten. „Mit dem Hochdruckreiniger macht das richtig Spaß“, sagt er.

Zum Beruf des Schwimmmeisters ist Frisicke schon früh gekommen. „Als kleiner Junge war ich oft im Hallenbad, bin dem Bademeister hinterhergelaufen und habe ihn gebeten, mir alles genau zu zeigen“, sagt Frisicke. Im badischen Bretten machte er dann seine Ausbildung, seit April 2015 ist er in Langenau angestellt, seit sechs Wochen läuft seine Weiterbildung zum Meister. Für den 26-Jährigen ist es der Traumberuf: „Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.“ Vor allem die Vielseitigkeit hat es Frisicke angetan. Das er dafür auch bis spät in den Abend und im Schichtdienst arbeiten muss, stört ihn nicht. Er übernimmt sogar gerne die Spätschicht, die von 18 bis etwa 23 Uhr geht. „Dann kann ich morgens länger liegen bleiben“, sagt er und grinst.

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