Nachhaltigkeit angekommen in Dietenheim

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Anja-Lisa Hirscher (links) freut sich über die Eröffnung des Pop-Up-Shops „Fair Fashion“ in Dietenheim. Sie hat den Laden nicht nur gestaltet, sie wird ihn vorerst auch leiten.  Foto: 

Das kleine Schaufenster von „Fair Fashion“ in der Illertisser Straße in Dietenheim lässt zunächst einen gewöhnlichen, kleinen Klamottenladen vermuten. Wer allerdings über die Schwelle tritt, merkt gleich: Das ist kein 08/15-Laden. Nicht nur, weil im hinteren Bereich etliche Nähmaschinen stehen, sondern auch, weil das Interieur ungewöhnlich gestaltet ist: An der Decke hängen bunte Garnspulen und die Kleiderständer wurden aus alten Maschinen zusammengebaut. „Die Möbel habe ich aus dem Lager der  Spinnerei Otto ausgesucht“,  erzählt Anja-Lisa Hirscher, die in  nur zwei Wochen dort eine anspruchsvolle Inneneinrichtung realisiert hat. „Das war ein bisschen eine Hauruck-Aktion, aber wir können ja nachbessern“, meint die junge Doktorandin, und spricht von Palettenmöbeln, die Schüler der Gemeinschaftsschule für das Geschäft noch anfertigen. Und auch an den Wänden und im Schaufernster stellt sich Hirscher „noch etwas mehr Deko“ vor. Vielleicht eine Dokumentation: von der Baumwolle bis zum fertigen Garn des Garnherstellers Otto, der hinter dem Laden steht.

Besonderes gefragt

Als eine Hauruck-Aktion kann das Konzept von „Fair Fashion“ nicht bezeichnet werden. Otto Merkel erinnert sich an die Anfänge im Jahr 2012. Christopher Eh war in diesem Jahr zum Bürgermeister gewählt worden und es gab eine städtische Umfrage, was sich die Dietenheimer für eine Aufwertung ihrer Stadt wünschen. Zum Beispiel ein Stadtcafé. Das ist mittlerweile in der Ortsmitte gut angenommen. Die Bürger klagten in ihren  Antworten besonders über leerstehende Geschäfte. „Wie in jeder anderen kleinen Stadt hat der Einzelhandel auch bei uns zu kämpfen“, sagt Merkel von der Firma „Gebrüder Otto“. Deshalb sei Besonderes gefragt. Und so stellte der Unternehmer kurze Zeit später dem Gemeinderat ein Konzept für einen textilen Einzelhandel vor. Das Konzept wird als Forschungsprojekt „Reallabor Dietenheim“ mittlerweile im dritten Jahr und in Zusammenarbeit mit der Uni Ulm und der Fachhochschule Reutlingen vom Land finanziert. Das Konzept mit dem Aufbau eines Nähcafés und zwei erfolgreichen Textilmessen ist bei den Dietenheimern mittlerweile angekommen. Dass sich nun aber, kurz vor Ablauf des Projekts, auch eine konkrete nachhaltige Idee in Form eines Pop-Up-Shops ergeben hat, ist tatsächlich so etwas wie eine Hauruckaktion. Denn erst vor vier Wochen entstand die spontane Idee, einen solchen Shop in dieser Form zu betreiben. „Es ist ein Wagnis“, räumt Merkel ein. „Aber auch  ein Zugewinn für die Gemeinde .“

Ein Jahr lang soll in den neu gestalteten Räumlichkeiten nachhaltige Mode verkauft werden. Bisher gibt es dort, wie berichtet, Strickmoden von Flomax und Unterwäsche von Speidel zu kaufen. Auch Meterware der Stoffe von Maschentex aus Dietenhheim kann dort bestellt werden. „Wir versuchen, noch mehr nachhaltig arbeitende Firmen  auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Britta Stegen, Projektleiterin des Reallabors. Während im vorderen Verkaufsbereich Kleidung angeboten wird, idealerweise aus Otto-Garnen produziert, finden im hinteren Bereich nach wie vor Workshops des Nähcafés statt.

Vorbild Staudengärtnerei

Kaufen, nachhaltig selber gestalten und dabei einen Blick auf transparente Produktion erhaschen: Das ist das Konzept hinter dem kleinen Laden, der zur Eröffnung zahlreiche Interessierte Bürger anlockte. „Wir haben grade erst aufgemacht und schon etwas verkauft“, freute sich Stegen. Und auch Merkel sieht das Besondere, das vielen Einzelhändlern fehle. „Mein Vorbild ist die Staudengärtnerei Gaißmayer“, sagt er. Denn nicht nur Waren sollen angeboten werden. „Es geht um den Erlebnisfaktor, den sich die Konsumenten heutzutage wünschen“, erläutert er.  Man starte im Kleinen und hoffe, „dass dieses Pflänzchen noch wachsen wird. Da sei er zuversichtlich. Schließlich lebe das Projekt auch von einer tollen Zusammenarbeit engagierter Mitarbeiter.

Info Von Dienstag bis Freitag hat „Fair Fashion“ in der Illertisser Straße 1 von 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 12 Uhr. Vom 12. bis 15. Dezember bieten Fischerins Kleid und Noxout aus Ulm ihre Waren an. Die Designerinnen laden daneben zu Workshops am 12. und 14. Dezember, jeweils um 15 Uhr.

Dietenheim zieht an Das Forschungsprojekt „Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft am Standort Dietenheim“ läuft im Juni 2018 aus. Doch zum Abshchluss  gibt es eine weitere  Textilmesse „Dietenheim zieht an“. Dabei werden wieder nachhaltige Textilien in der Sporthalle verkauft. In der Stadthalle gibt es außerdem ein Rahmenprogramm,  zu dem sich schon jetzt bedeutende Gäste angekündigt haben: Textilhersteller Wolfgang Grupp von Trigema und der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller.

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