Nachgeschaut, wer sich in der Höhle tummelt

Tag der offenen Tür des Höhlenvereins Blaubeuren im "Höfo-Haus" Seißen: Dort war zu erfahren, welche Lebenwesen - neben den Forschern - sich sonst in den Kalksteinhöhlen rund um Blaubeuren tummeln.

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Ein Höhepunkt für kleine und große Besucher am Tag der offenen Tür des Höhlenvereins Blaubeuren im "Höfo-Haus" während des Osterwochenendes ist das Begehen der Donauschotterhöhle am Hang des Blautals über Weiler gewesen. Dort wurden zwar keine Ostereier gefunden, dafür Höhlenspinnen, Wintermücken und Springschwänze.

Zunächst erzählte Höhlenforscherin Petra Boldt, dass in den dunklen Höhlen rund dreißig verschiedene Arten von Kleinstlebewesen leben. Die Wissenschaft um das Artenvorkommen in den Höhlen nennt sich Speläobiologie und wurde bisher in Blaubeuren im Zusammenhang mit den Entdeckungen rund um die Vetternhöhle eher vernachlässigt. "Seit drei Jahren arbeiten wir an einem Forschungsprojekt zur Artenvielfalt in den Höhlen", erläutert Boldt. Das Projekt schließt die Vetternhöhle und Bärentalhöhle im Schmiechtal ein.

Die Höhlenforscherin stellt dort Fallen mit Ethylenglycol auf, in die die kleinen Lebewesen hineinfallen. Sie werden gesammelt und von einem Biologen bestimmt. Boldt arbeitet auch mit einem speziellen Ansaugapparat und zeigte den Besuchern im Höfo-Haus, wie sie die kleinen Lebewesen mittels eines Schlauches ansaugen und dann in Petrischalen hineingeben kann. Dort befinden sich Niphargen, Flohkrebse, Höhlenspinnen und Mücken, die unter dem Mikroskop angeschaut werden können.

Das machten am Osterwochenende dann auch drei kleine Höhlenforscher, die sich die verschiedenen Höhlenbewohner mit den optischen Instrumenten und am Laptop anschauten. Boldt erläuterte den drei Geschwistern Leonie, Luca und Laurin und ihrem Vater Timo Dvorak die einzelnen Arten. Da gibt es den Springschwanz, die Buckelfliege, die unter einem Millimeter groß ist, den Doppelschwanz, den Zwergfüßler, einen winzigen Verwandten des Tausendfüßlers oder den Kugelspringer. Alle haben komplizierte lateinische Namen wie Richocera Maculipennis oder Onychinridae spec und sind meist nur ein paar Millimeter groß.

Die Kinder sind beeindruckt - noch mehr als es mit Otto Schwabe vom Höhlenverein in die Donauschotterhöhle geht. Mit festem Schuhwerk, Helm samt Helmlampe und Taschenlampe bewaffnet, wird die Unternehmung zu einem kleinen Abenteuer. Die Kleinhöhle liegt auf halber Höhe im Hang und die Höhlengänger müssen sich zunächst einmal abseilen. Über etliche Felsen und unwegsames Gelände gelangt die zehnköpfige Gruppe zur Donauschotterhöhle, in der noch Kieselsteine vom Flusslauf der Urdonau zu finden sind. Durch ein kleines Loch kann man ins Innere der immerhin 55 Meter langen Höhle schlüpfen. Erwachsene können sich nur in gebückter Haltung in den engen und niederen Gängen der Höhle bewegen. "Das ist ganz typisch für die Höhlen auf der Schwäbischen Alb", erklärt Otto Schwabe vom Höhlenverein, der die Gruppe begleitet.

In der Höhle ist es zappenduster, mit den Taschenlampen werden die Wände nach Lebewesen abgesucht. Schwabe weist auf die aufgestellten Tierfallen hin - und tatsächlich schwimmen ein paar Mücken und Springschwänze in der Flüssigkeit herum. Auch etliche Zackeneulen, eine Nachtfalterart, können an den Höhlenwänden entdeckt werden. Das Gekreische ist ziemlich groß, als die Gruppe auf Höhlenspinnen stößt. Natürlich kommen auch immer wieder größere Tiere in die Höhle. Verwilderte Katzen, Siebenschläfer oder Marder suchen zeitweise Unterschlupf.

Der neunjährige Luca findet einen Knochen, was natürlich spannend ist. "Ich finde es voll cool hier", sagt er. Auch der sechsjährige Laurin ist begeistert, mehr von der Höhle, als von ihren Bewohnern. Der kleine Mann bewegt sich fast ungehindert in den engen Gängen und möchte am liebsten gar nicht mehr heraus kommen. Für die Erwachsenen ist die Sache schon anstrengender. Schwabe berichtet, dass die Forscher oft acht Stunden und länger in den Höhlen unterwegs sind, was dem unerfahrenen Höhlengänger Respekt abnötigt.

"Es ist einfach reizvoll, Neues zu entdecken", sagt der Hobbyforscher. "In der Bärentalhöhle haben wir unlängst mehrere Kammern entdeckt - ich bin der dritte Mensch, der sie gesehen hat", berichtet der Projektleiter Bärentalhöhle des Höhlenvereins. "Wer einmal anfängt zu graben, der wird danach süchtig", weiß er aus Erfahrung.

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