Nach Wochen tot gefunden

In einem Mehrfamilienhaus werden zwei Tote entdeckt. Eine der Leichen ist schon fast verwest. Warum hat niemand früher Alarm geschlagen?

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Zunächst hatte es geheißen, besorgte Angehörige hätten die Polizei verständigt. Es war aber ein Bewohner des Mehrfamilienhauses in der Straße Auf den Reisenen in Blaubeuren, der am Freitag die Beamten gerufen hat. Aus der Wohnung über der seinen habe es „sehr stark gerochen“, sagte der Mann gegenüber unserer Zeitung. Als die Beamten etwa eineinhalb Stunden später eingetroffen seien, habe er mit ihnen „diskutieren müssen“, damit die Feuerwehr zur Türöffnung angefordert werde.

Was für die Blaubeurer Wehr unter der Einsatzleitung von Thomas Striebel als Routine-Amtshilfe begann, sollte ein in beklemmender Weise außergewöhnlicher Einsatz werden. Weil es in der Tat streng gerochen habe, legten die Feuerwehrmänner Atemschutzgeräte an und öffneten dann die Wohnungstür. In der Wohnung befand sich der Leichnam eines Mannes, der schon mehrere Tage zuvor gestorben war.

Während des Einsatzes sprachen Bewohner des angebauten Nebenhauses, das über einen separaten Eingang verfügt, die Polizisten an: Auch drüben rieche es seltsam. Das war stark untertrieben. Schon an der Wohnungstüre im ersten Stock überall Fliegen und Maden. Auch in dieser Wohnung fanden die mit Atemschutz ausgerüsteten Feuerwehrmänner eine Leiche. Der Tote musste bereits einige Wochen dort gelegen haben. In beiden Fällen geht die Kriminalpolizei, wie am Samstag kurz berichtet, von natürlichen Todesursachen aus.

Davon konnte die Feuerwehr am Freitagnachmittag aber nicht ausgehen. Zwei Tote in einem Mehrfamilienhaus – ein Zufall? Um sicher zu gehen, verließ sich die Blaubeurer Wehr nicht nur auf die eigenen Messgeräte, sondern forderte den speziellen Messwagen aus Ehingen an. Alle Gas-Thermen in dem Haus wurden kontrolliert, der Anteil des giftigen Kohlenstoffmonoxid in der Luft gemessen. „Wir haben definitiv nichts festgestellt“, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister Hans Danyi, der am Freitagnachmittag nach Blaubeuren geeilt war.

Wie kann es sein, dass wochenlang niemand nach den Männern gesehen hat? Eine einfache Antwort gibt es wohl nicht, denn die familiären Verhältnisse beider scheinen kompliziert gewesen zu sein.

Wolfgang Keßel, Vorstandsmitglied der Heimstättengenossenschaft Blaubeuren, der das Wohnhaus gehört, sieht am ehesten noch die Nachbarn in der Pflicht. Auf Seiten der Hausverwaltung habe es keine Versäumnisse gegeben. Einer der Verstorbenen habe unter rechtlicher Betreuung gestanden. Ebenso die Eigentümerin der Wohnung, die am Freitag als erste geöffnet worden war. Für beide seien hauptamtliche Betreuer zuständig, sagt Keßel, die oft nur schwierig zu erreichen seien. Sein Fazit zur Zusammenarbeit mit den Betreuern: „Das läuft nicht gut.“

Das Notariat in Blaubeuren, die zuständige Aufsichtsbehörde, möchte zu den Fällen nichts sagen. Unterdessen hat die Heimstättengenossenschaft so genannte Tatortreiniger beauftragt. Die beiden Wohnungen müssen geräumt und desinfiziert werden. Ebenso eine dritte Wohnung im Stockwerk unter einem der Leichen-Fundorte.

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