Muster auf der Eiszeitkunst: Von Kalender bis Fell

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    Ewa Dutkiewicz hat die Eiszeitkunst genau untersucht. Foto: 
  • Die Kreuze auf dem Mammut aus dem Vogelherd im Lonetal verlaufen laut Ewa Dutkiewicz symmetrisch und waren vermutlich dazu genutzt worden, um etwas zu notieren. Was genau, lasse sich heute nur noch schwer rekonstruieren. 2/2
    Die Kreuze auf dem Mammut aus dem Vogelherd im Lonetal verlaufen laut Ewa Dutkiewicz symmetrisch und waren vermutlich dazu genutzt worden, um etwas zu notieren. Was genau, lasse sich heute nur noch schwer rekonstruieren. Foto: 
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Das vernahmen die Zuhörer aus der Gegend ums Lonetal gerne: „Die Leute vom Vogelherd waren am kreativsten“, sagte Ewa Dutkiewicz bei ihrem Vortrag in Niederstotzingen. In den vergangenen sechs Jahren hat sie für ihre Dissertation die figürlichen Fundstücke und Werkzeuge mit Markierungen aus Hohle Fels, Geißenklösterle, Vogelherd und Hohlenstein-Stadel untersucht. Ihr Ansatz: Der tiefere Sinn der Linien und Punkte kann nach 40 000 Jahren zwar nicht geklärt werden. Aber sie suchte nach „Mustern in den Mustern“, die Aufschluss geben über Gemeinsamkeiten und Gegensätze zwischen den Fundstellen und „Trends“ im Laufe der fast 10 000 Jahre des Aurignaciens.

So unterschied sie beispielsweise in symbolische und andere Markierungen. Nicht alles, was die Menschen eingeritzt haben, sei ein Muster. Manche Kratzer entpuppten sich als Gebrauchsspuren, manche Kerben dienten einem Zweck. Letztlich konnte die Wissenschaftlerin Verbindungen zwischen den Fundstellen zeigen, aber auch stilistische Unterschiede herausarbeiten.

Lange Linien sind demnach typisch für den Hohle Fels. Stark verziert sind die Objekte aus dem Geißenklösterle, die aus dem Vogelherd wiesen komplexere Zeichnungen auf aus Punkten, Kreuzen, Gittern und V-Mustern. Allgemein könnten gewisse Arten von Verzierungen bestimmten Objekten zugeordnet werden, erklärte die Forscherin. So seien Punkte nur auf Figuren zu finden und Kreuze vorzugsweise auf figürlichen Darstellungen.

Als gesichert sieht Dutkiewicz an, dass viele Markierungen Botschaften transportierten, auch wenn sie nicht mehr entschlüsselt werden können. Rituale, Fruchtbarkeitssymbole, Kalender oder Fell: In allen Theorien stecke Wahres, das ihrer Ansicht nach jedoch meist nur für einzelne Objekte gelte. Für wahrscheinlich hält sie etwa, dass die „bestechend häufigen“ 13er- und 12er-Reihen auf dem Adoranten vom Geißenklösterle etwas mit dem Mondkalender tun haben. Die Kerben am Kopf interpretiert sie als Haare. „Ich bin stolz darauf, sie entdeckt zu haben.“

Land bewilligt Zuschuss

Mit den symmetrischen Kreuzreihen auf der Mammutfigur sei ebenfalls etwas notiert worden – „was auch immer es war“. Bei Tierfiguren hält sie nicht zuletzt „die Darstellung realer Merkmale“ für naheliegend: Kreuze und Linien könnten als Muster für die Muskeln, die Punkte auch fürs Fell stehen. Letzteres werde in der Forschung oft in Bausch und Bogen abgelehnt. sie gab zu bedenken, dass das Fell der Löwen im Lonetal – anders als bei ihren Artgenossen in der Savanne – wohl nicht beige, sondern zur Tarnung im felsigen Gelände eher gemustert war.

Der kurzweilige und vergnügliche Vortrag der Tübinger Wissenschaftlerin „war Eiszeitkunst für Fortgeschrittene“, sagte Hermann Mader, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Eiszeitkunst im Lonetal. Der hatte den Vortrag in Kooperation mit dem Lonetal-Verein und der Stadt Niederstotzingen veranstaltet. Er freue sich, dass das Land Baden-Württemberg den Lonetalgemeinden einen Zuschuss von 189 000 Euro bewilligt habe. Benötigt wird das Geld für ein Informationssystem, das die zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Fundorte der ältesten Kunstwerke der Menschheit im Lonetal besser erlebbar machen soll.

Zwei Ziele Der Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal will die archäologische Forschung im Lonetal und die Funde bekannter machen. Ein wichtiger Aktionsschwerpunkt ist die weltbekannte Fundstelle Vogelherd.

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