Munderkingen: Vater wegen Mordes an seinem Sohn verurteilt

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Mord und damit eine lebenslange Freiheitsstrafe, so lautet das Urteil, das die 2. Große Strafkammer am Landgericht Ulm am Montagnachmittag gegen einen 43-jährigen Munderkinger gesprochen hat. Nach Überzeugung der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Gugenhan hatte der Vater am 10. Juli vergangenen Jahres in einem erweiterten Suizid seinen sechsjährigen Sohn im Schlaf mit ausströmendem Kohlenstoffmonoxid aus einem Holzkohlegrill vergiftet und selbst schwer verletzt überlebt.

Der 43-Jährige, der wieder mit Fuß- und Handfesseln in den Gerichtssaal geführt wurde, blickte während der Verkündung mit reg­loser Mimik zur Richterbank und nahm das Urteil – wie die Mutter, die als Nebenklägerin auftrat – ohne Regung auf.

Enttäuschung, Verzweiflung, das eigene Leben auf den Kopf gestellt, so sieht die Kammer das Innenleben des 43-Jährigen nach dem Vergleich im Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau am 7. Juli vergangenen Jahres, drei Tage vor der Tat. „Er spielt sich als Herr über Leben und Tod auf“, sagte Gugenhan, habe im Abschiedsbrief geschrieben, dass er dem Sohn das Leben bei der Mutter ersparen möchte, sie den Jungen nicht wolle. Doch sei ihm sehr wohl klar gewesen, dass dies nicht der Wahrheit entsprach, die Mutter den Sohn sehr wohl wollte, behütete und umsorgte.

Nach Ansicht der Kammer handelte der 43-Jährige aus Rache an seiner Ex-Frau, die kurz vor der Tat in einem Vergleich vor dem Familiengericht das Sorgerecht zugesprochen bekommen hatte. „Er gratuliert der Mutter zum Sieg“, sagte Gugenhan mit Blick auf den Wortlaut in einem der drei Abschiedsbriefe. „Es geht nicht um den Selbstmord, sondern um die Tötung des Sohnes.“

Der Sechsjährige hatte keine Chance, er war arglos eingeschlafen. Anzeichen darauf, dass der Junge sich gewehrt haben könnte, sind im Verlauf der fünftägigen Verhandlung keine aufgekommen. Für das Gericht allerdings ist klar: Ein Sechsjähriger hätte in wachem Zustand die Gefahr erkennen, sich zwar nicht mit Gewalt, aber mit Worten wehren oder davonlaufen können. „Das ganze ist ein Mord, eine heimtückische Tötung, vorsätzlich begangen“, sagte Gugenhan.

Eine besondere Schwere der Schuld, wie sie Staatsanwalt Oliver Chama in seinem Plädoyer am vergangenen Montag gefordert hatte, stellte die Kammer nicht fest. Damit kann die Freiheitsstrafe nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden.

Es sei schwer in Worte zu fassen, aber der Junge „musste nicht leiden“, sagte Gugenhan, die Tat sei nicht in negativer Weise von einem „Durchschnittsmord“ abgewichen. Dafür spricht, dass der Junge in einer schlafenden Position gefunden wurde. Gemäß Gutachten der Rechtsmedizin war das Kind wegen des Kohlenstoffmonoxids innerlich erstickt.

Zwar handelte der 43-Jährige, so die Überzeugung des Gerichts, aus Rache, aber eben auch aus Verzweiflung und Enttäuschung, sah nach dem Vergleich im Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau sein Leben auf den Kopf gestellt. „Auch er will sterben.“ Allerdings war er – und hier folgte das Gericht dem psychiatrischen Gutachten – trotz Anpassungsstörung weder in seiner Einsicht, noch in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt. „Es ist kein überstürztes, unüberlegtes Handeln.“ Das zeigten die am PC geschriebenen Abschiedsbriefe mit handschriftlichen Ergänzungen und die fein säuberlich aufgereihten Dokumente und Rechnungen auf dem Küchentisch.

Noch nicht rechtskräftig

Verteidiger Thorsten Storp hatte am Montag vergangener Woche auf Totschlag und auf eine Haftstrafe von nicht mehr als zwölf Jahren plädiert. Er wolle das Urteil und die Begründung nun mit seinem Mandanten prüfen, sagte der Rechtsanwalt nach der Verkündung. Ob die Verteidigung Revision gegen das Urteil – es ist noch nicht rechtskräftig – beantragt, steht deshalb noch nicht fest.

Die Begründung sei nachvollziehbar, aber nicht zu hundert Prozent ersichtlich, sagte Staatsanwalt Oliver Chama. Auch er will prüfen, ob die Behörde Rechtsmittel einsetzt.

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