Mitgliederschub keine Seltenheit

Empörung herrscht in der CDU im Raum Ehingen auf die Mitglieder-Werbung zu Gunsten von Christian Wittlinger aus Beimerstetten. Doch auch im Altkreis Ehingen ist die Zahl der Mitglieder jüngst gestiegen.

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Die Mitglieder-Werbeaktion von Helmut Lehner aus Westerstetten zur Unterstützung von Christian Wittlinger im CDU-internen Wettstreit um die Landtagskandidatur hat mächtig Staub aufgewirbelt. Außer Empörung ist aus dem Ehinger Raum die Ankündigung zu hören, nun umso entschlossener Manuel Hagel zu unterstützen. Am 24. April "zählt nun wirklich jede Stimme", schreibt Paul Guter, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Ehingen-Pfarrei, an die Mitglieder. An diesem Tag entscheiden die Parteimitglieder, wer bei der Landtagswahl am 13. März 2016 im Wahlkreis 65 für die CDU kandidiert: Manuel Hagel (26) aus Ehingen oder Christian Wittlinger (52) aus Beimerstetten-Eiselau.

Was Guter eine "verantwortungslose Haltung" nennt, ist der Hinweis Lehners an die Landwirte im Alb-Donau-Kreis, der CDU beizutreten, um den Landwirt Wittlinger zu unterstützen. Anschließend könnten sie die Parteimitgliedschaft ja wieder kündigen. Dazu der Ehinger Stadtverbandsvorsitzende Manfred Nothacker: "Es ist vollkommen inakzeptabel, Mitglieder mit der Aussicht auf einen dreimonatigen Mindestbeitrag zu werben und ihnen mit dem Beitritt gleich die Kündigung anheim zu legen." Ehingen habe unter diesen Voraussetzungen noch nie Mitglieder geworben und werde es auch künftig nicht tun.

Helmut Lehner selbst nennt den Wirbel um sein breit gestreutes Fax "unehrlich". Weiter will er die Reaktionen aus dem Ehinger Raum nicht kommentieren. Sein Hinweis, dass man nach der Nominierung ja wieder austreten kann, sei vielleicht ungeschickt gewesen. Aber statt sich darüber aufzuregen, sollten die CDU-Funktionsträger überlegen, wie die neuen Mitglieder in der Partei zu halten sind.

Motivation für seine Aktion sei die Tatsache, dass in den Parlamenten, auch im baden-württembergischen Landtag, kaum mehr ausgebildete Landwirte vertreten seien. In seinem Kundenkreis habe er deshalb Flagge gezeigt und sich für den Agraringenieur Wittlinger stark gemacht. "Es macht Sinn, Sachverstand in die Politik zu tragen", sagt Lehner, selbst CDU-Mitglied.

Für Kreisgeschäftsführer Thomas Schweizer sind Ein- und Austritte in Verbindung mit personellen Weichenstellungen in einer Partei normal. Nicht normal jedoch sei, dass ganz offen darauf hingewiesen werde, dass es keine Mindestverweildauer in der CDU gebe.

Wie Schweizer schildert, sind in der CDU-Kreisvorstandssitzung am Donnerstag, 9. April, insgesamt 296 Aufnahmeanträge bestätigt worden, darunter 24, die noch am Vormittag aus Ehingen gekommen waren. Mit dabei auch ein Packen von 125 Anträgen, die Christian Wittlinger am Dienstag zuvor in der Geschäftsstelle abgegeben hatte. Schweizer kann aber nicht sagen, wie viele der Anträge am 2. April oder später gestellt wurden. An diesem Tag hatte Lehner seine Aktion für Wittlinger gestartet.

Die Zahl der Mitglieder im gesamten CDU-Kreisverband ist von 1999 bis jetzt auf 2402 gestiegen. Im Bereich des Landtagswahlkreises 64 Ulm, zu dem auch Balzheim, Blaustein, Dietenheim, Erbach, Hüttisheim, Illerkirchberg, Illerrieden, Schnürpflingen und Staig gehören, blieb die Zahl fast unverändert. Im Wahlkreis 65 Ehingen ist sie Schweizer zufolge von etwa 1200 auf 1622 geklettert. So viele Einladungen wurden für die Nominierungsversammlung am 24. April in Schelklingen versandt. Demnach wohnen 950 der stimmberechtigten Mitglieder im Altkreis Ehingen und 672 im Rest des Wahlkreises.

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