Mit Handarbeit zur Integration

Einen Ort zum gemeinsamen Nähen gibt es nun in Dietenheim. Das Nähcafé in der Illertisser Straße 1 will Nachhaltigkeit ins Bewusstsein rücken.

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Hilda Jenzer vom Strickkreis aus Regglisweiler hat sich eine Bluse genäht und ist gespannt auf die kommenden Projekte.  Foto: 

Zur Eröffnung des ersten Nähcafés in Dietenheim in den eigens dafür angemieteten Räumlichkeiten erschienen auch Elke Sprenz und Doris Lambacher. Schließlich unterstützten sie die Idee, einen Ort des kreativen Austauschs zu schaffen und gleichzeitig nachhaltige Textilwirtschaft in das einst für traditionsreiche Textilbetriebe Dietenheim zu bringen. „Mit diesem ehemaligen Ladengeschäft als neuer Treffpunkt haben wir schon einen ersten Schritt dahin gemacht“, sagte Britta Stegen, die das gemeinsame Forschungsprojekt der Uni Ulm und der Hochschule Reutlingen managt. Mit knapp einer Million Euro fördert das Land Baden-Württemberg das Projekt „Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft am Standort Dietenheim“ in Form eines Reallabors. Diese neue Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Bürgern solle auch eine Begegnungsstätte sein, ein Ort, an dem man voneinander lernen kann und der auch Integration fördern könne, meinte Bürgermeister Christopher Eh.

Die Geflüchteten können sich nicht nur an den Workshops beteiligen, sondern auch aktiv mitgestalten. Das beweist der gelernte Schneider Naser, der aus Afghanistan als Flüchtling vor nicht allzu langer Zeit nach Deutschland kam. Mittlerweile ist er eine Schlüsselfigur der kreativen Treffen. Beim ersten Workshop, der das Upcycling von Herrenhemden zum Thema hatte, war es Naser, der den Frauen die Schnitte zeigte. „Das macht er in einer Geschwindigkeit und so gekonnt, da konnten wir nur staunen“, berichtete Hilda Jenzer von dem ersten offiziellen Treffen vor zwei Wochen.

Zwischen vier und fünf Modellen konnten die Frauen dort für ihre neue Bluse wählen. Jenzer hatte sich für ein blaues Hemd entschieden, nähte hübsche Rüschen anstatt der Hemdsärmel und gab dem neuen Kleidungsstück einen modernen Stehkragen. „Die Knöpfe sind halt rechts, aber das fällt ja nicht auf“, sagte die Frau, die im Strickkreis Regglisweiler aktiv ist. „Ich bin gespannt, was wir als nächstes machen werden“, sagte sie. Ideen für kreatives Strick- und Häkel-Upcycling hat sie jedenfalls schon: „Wir werden jetzt aus alten T-Shirts Streifen schneiden und diese zu einem Kissen zusammenhäkeln“, meinte sie. „Die Nachfrage ist so groß bei uns, dabei haben wir bisher erst vier Nähmaschinen“, sagte Stegen. Anvisiert sind sechs. Genauso groß wie die Lust am Mitmachen, sei auch die Spendenbereitschaft. So hätten mehrere Damen tütenweise alte Textilien vorbeigebracht.

Einmal in der Woche planen die Projektbeteiligten im Dietenheimer Nähcafé in der Illertisser Straße 1 anwesend zu sein. Vielleicht sei es auch möglich, dass Naser einen weiteren Tag komplett übernehme. Lust dazu hätte er. Auch Elke Sprenz und Doris Lambacher würden gerne öfters kommen. Die Chance für Dietenheim, die sie in dem Projekt sehen? „Man muss das Bewusstsein schärfen für Nachhaltigkeit“, sagt Lambacher, und Sprenz meint: „Das wird ein langwieriger Prozess. Wir können ja nicht glauben, dass wir ganz plötzlich eine Textilstadt sind.“ Die Ideen seien aber da, sagte Samira Iran, die gemeinsam mit Anja Lisa Hirscher an dem Projekt forscht und die Treffen koordiniert. „Bis zum großen Event Dietenheim leuchtet, eigenen Label versehen: Made in Dietenheim“, sagte Iran.

 

Workshop Das nächste Treffen widmet sich dem Thema „Sommeroutfits selbstgemacht“. Zu dem Termin werden kurze Hosen und Röcke genäht. Herren sind explizit eingeladen, am 21 Juli um 17 Uhr in das neue Nähcafe zu kommen.

„Dietenheim zieht an“

„Dietenheim leuchtet“ steht in diesem Jahr unter dem Zeichen nachhaltig produzierter Mode. Zu den feurigen Spektakeln in der Innenstadt gibt es am 14. Oktober auch eine Veranstaltung in der Stadthalle. Hersteller und Händler werden unter dem Motto „Dietenheim zieht an!“ innovative Konzepte in der Textilwirtschaft präsentieren. Geplant ist neben Angeboten nachhaltiger Textilien auch die Vorstellung von Miet- und Tauschkonzepten für hochwertige Bekleidung. lms

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