Merklingen und Nellingen als „Kleinzentrum“

Der Regionalverband Donau-Iller will Merklingen und Nellingen zum „Kleinzentrum“ aufwerten.

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    Nellingen und Merklingen (links im Hintergrund) sollen im neuen Regionalplan als „Kleinzentrum“ ausgewiesen werden. Foto: 
  • In Merklingen spielt Landwirtschaft noch eine Rolle. 2/2
    In Merklingen spielt Landwirtschaft noch eine Rolle. Foto: 
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Der Regionalverband Donau-lller will die Gemeinden Merklingen und Nellingen gemeinsam als „Kleinzentrum“ ausweisen. Der Planungsausschuss des Verbands hat die Aufwertung im Juli beschlossen. Wirksam wird diese aber erst mit der Genehmigung des neuen Regionalplans durch die Regierungen von Baden-Württemberg und Bayern. Der Entwurf soll 2018 fertig sein. „Dann werden rund tausend Träger öffentlicher Belange gehört“, sagt Verbandsdirektor Markus Riethe.

Die Aufwertung der beiden jeweils rund 2000 Einwohner zählenden Alb-Gemeinden wird dabei wohl nicht zum großen Thema werden. Diskussionen erwartet Riethe vor allem bei der Rohstoffsicherung, also bei der Erweiterung oder Neuanlage von Kiesgruben und Steinbrüchen in der Region, wofür neues Gelände in Anspruch genommen werden muss.

Um die Ausweisung von Flächen geht es jedoch auch auf der Alb. Durch den Bahnhof an der neuen Schnellbahntrasse werden die Orte Merklingen und Nellingen wachsen. In Bahnhofsnähe will der Verband „Region Schwäbische Alb“ ein Interkommunales Gewerbegebiet verwirklichen. Bei der Sitzung des Gemeinderats in Lonsee, der einen Beitritt abgelehnt hat, wurde die Größe von 50 Hektar genannt. Für die Siedlungsentwicklung der Orte sei die Einstufung als Kleinzentrum wichtig, meint Markus Riethe. Dadurch würden mehr Flächen für Wohnbau und Gewerbe genehmigt. Doch nicht nur das. Ein Thema seien auch die Achsen für den Öffentlichen Personennahverkehr, der auf „zentrale Orte“ ausgerichtet sei. Dazu zählen dann auch Merklingen und Nellingen.

Gemeinden gut aufgestellt

Ein Kleinzentrum ist die unterste Hierarchiestufe in der Landes- und Regionalplanung. Die weiteren Stufen sind Unterzentrum, Mittelzentrum und Oberzentrum.

„Wir können nicht alle Gemeinden mit 2000 Einwohnern zu Kleinzentren machen“, sagt der Direktor des Regionalverbands, der dafür die Zuständigkeit hat. Mittel- oder Oberzentren werden in Baden-Württemberg vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur festgelegt. Die Erhebung zum Kleinzentrum „ist nicht nur eine Auszeichnung“, betont Riethe. „Es gibt auch gewisse Aufgaben die man erfüllen muss.“ Beispielsweise im Bereich der Infrastruktur.

Die Bürgermeister von Merklingen und Nellingen, Sven Kneipp und Franko Kopp, sehen ihre Gemeinden gut aufgestellt. Zwar gibt es in beiden keine Hauptschule mehr und auch keine Apotheke – früher gehörte beides zum Kennzeichen eines Kleinzentrums – aber es gibt jeweils eine Grundschule, mindestens jeweils einen Arzt, einen Zahnarzt und eine Bank, zudem Läden für Bäckerei- und Metzgereiwaren. Merklingen kann mit einem Netto-Markt im Gewerbegebiet sogar einen Vollsortimenter bieten. Vielleicht gelinge es ja mit der Einstufung als Kleinzentrum, einen Apotheker zu gewinnen, sagt Franko Kopp. Die Aufwertung werde ja auch „nach außen hin“ sichtbar.

Sven Kneipp sieht mit der Einstufung als Kleinzentrum langfristige Perspektiven für die beiden Alb-Gemeinden. Freilich habe jede positive Entwicklung auch Nachteile. Merklingen liege „verkehrsgünstig“ an der Autobahn, habe dadurch aber auch eine hohe Lärmbelastung, starken Verkehr und viele parkende Lastwagen im Ort. Bei der künftigen Baulanderschließung sei es wichtig, auf eine „ausgewogene Entwicklung“ zu achten. Immerhin gibt es in Merklingen noch vier bis fünf Vollerwerbslandwirte, die auf Flächen angewiesen sind.

Die letzte große Änderung im Landesentwicklungsplan erfolgte in der Region im Jahr 2002. Damals wurden Laichingen und Blaubeuren zum gemeinsamen Mittelzentrum hochgestuft, auch Schelklingen schloss sich an, das zuvor dem Mittelzentrum Ehingen zugeordnet war. Wie sich der Blaubeurer Alt-Bürgermeister Georg Hiller erinnert, ging es damals nicht in erster Linie um die Siedlungsentwicklung. Blaubeuren gehörte zur Randzone des Verdichtungsraums Ulm. „Bei der Ausweisung von Förderkulissen wurden wir behandelt wie Ulm“, berichtet Hiller. Bei Förderungen sei Blaubeuren „immer wieder durchgefallen“, weil etwa die hohe Kaufkraft Ulms als Bemessungsgrundlage herangezogen wurde. Seiner Erfahrung ist die Einstufung als „zentraler Ort“ durchaus von Vorteil. Auch wenn der Name „Kleinzentrum“ nicht gerade Großes verspricht.

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