Merklingen fordert mehr Infos

Eine schlechte Informationspolitik über die Sprengarbeiten an der ICE-Trasse wirft der Merklinger Bürgermeister Sven Kneipp der Deutschen Bahn vor. Die lässt nun in Merklingen auch die Erschütterungen messen.

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Bürgermeister Sven Kneipp will mehr Informationen über die Sprengungen bei Hohenstadt. Foto: Brigitte Scheiffele

Merklingen - Sven Kneipp ist sauer: Kaum ist der Merklinger Bürgermeister aus dem Urlaub zurück, melden sich bei ihm zahlreiche Bürger wegen des Lärms durch die Sprengungen für den Bahntunnel bei Hohenstadt (wir berichteten). Doch Kneipp weiß von nichts. Er will sich informieren, überprüft nach eigenen Worten die während seines Urlaubs eingegangene Post - und hat noch immer keine Ahnung von möglicherweise veränderten Sprengungen in Hohenstadt, von Donnern oder Vibrationen in der Nacht, die die Fensterscheiben zum Klirren bringen.

"Keine Gemeinde entlang der gesamten Baumaßnahme bekommt umfassende Nachrichten oder Informationen von der Bahn. Alles bezieht sich auf verschiedene Strecken- und Bauabschnitte", sagt Kneipp. Es könne doch nicht sein, dass der Informationsfluss zum Bauabschnitt Hohenstadt bei Hohenstadt ende, dagegen alle Informationen, die den Ausbau beim Merklinger Weiler Widderstall betreffen, nur bis Merklingen gelangen, aber in Hohenstadt nicht ankommen. Das ärgert auch den dortigen Bürgermeister Günter Riebort: "Das darf einfach nicht sein." Für Kneipp ist das "eine komplett fehlgeleitete und fatale Infopolitik der Bahn". Ihn würde interessieren, was das eigens für das Großprojekt eingerichtete Kommunikationsbüro eigentlich macht. Wissen möchte der Merklinger Bürgermeister auch, warum bei den Sprengungen die Richtung geändert wurde.

Kneipp hat sich daher an besagtes Kommunikationszentrum "BauInfo Stuttgart-Ulm" gewandt und seinem Ärger bei dessen Leiter Michael Schmidt Luft gemacht. Man sei so verblieben, "dass wir mehr Informationen über die Dauer der Sprengungen in Hohenstadt und über deren Auswirkungen erhalten", berichtet Kneipp über das Gespräch. Weiter habe er eine kurzfristige Informationsveranstaltung in Merklingen angeregt. Denn wer wisse, was Ursache des Lärms sei, welche Auswirkungen zu erwarten seien und was das für die Grundstücke bedeutet, sei beruhigter.

In Widderstall habe man ganz bewusst die Anwohner "mit ins Boot geholt" und die Häuserbestände durch Fotoaufnahmen katalogisiert. Zwei Sprengungen haben dort bislang stattgefunden, über alle weiteren Sprengungen ist die Gemeindeverwaltung bereits informiert: "Wegen des Baustellentourismus werden aber keine Termine veröffentlicht", fügt Kneipp hinzu. "Die Deutsche Bahn AG hat uns auch eine Besucherplattform angeboten. Von dort aus könnten die Bürger den Baustellenverlauf verfolgen. Standpunkt wäre an der alten Fußgängerbrücke." Ob diese Plattform tatsächlich kommt, werde allerdings derzeit geprüft.

Die Bahn scheint die Klagen der Bewohner ernst zu nehmen, die über den Lärm durch die Sprengungen und über die Erschütterungen ihrer Häuser geklagt haben. Nachdem das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag einen Immissionsbeauftragten nach Merklingen geschickt hatte, um dort die Belastungen während der Sprengarbeiten zu messen, hat es nun auch ein Fachbüro beauftragt: Ein Geologe war in Merklingen und hat in einem Haushalt Messgeräte aufgestellt. Im Keller und im ersten Stock werden nun die Vibrationen durch die Sprengungen gemessen, die Daten vor Ort verarbeitet und weitergeleitet an das zuständige Rechenzentrum.

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