Menschenfreund mit vielen Talenten Otto Maier: Der besondere Mensch hinter dem großen Geschenk

Er mag es nicht, wenn Aufhebens um ihn gemacht wird. Auch nicht wegen der 30 000 Euro, die er der Stadt geschenkt hat. Dabei entpuppt sich Spender Otto Maier auch noch als Dichter und Maler.

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Otto Maier mag die beiden Bilder seiner Emma. Auf dem linken ist sie 17, auf dem rechten 84. Foto: Isabella Hafner

30 000 Euro - ein Batzen Geld. Diesen Batzen hat der 94-jährige Otto Maier aus Laichingen vor Kurzem seiner Stadt vermacht - "für die Kinder", wie er sagt. Warum?

Maier pflegte sechs Jahre lang seine Schwester, die in einem Pflegeheim in der Nähe seiner Reutlinger Heimat lag. Dann starb sie und hinterließ dem Bruder viel Geld. Einiges schenkte er seinen Patenkindern. Nun sollen auch Laichinger Kinder etwas davon haben. Für welche Zwecke das Geld eingesetzt werden soll, ist ihm egal. "Hauptsache für die Kinder." Sie liegen ihm besonders am Herzen. "Weil meine Frau und ich keine Kinder hatten und sie die Zukunft sind." Außerdem habe es ihm immer in Laichingen gefallen und Bürgermeister Klaus Kaufmann ist ihm "sehr sympathisch".

Sich selbst gegenüber ist der alte Mann genügsam. "Ich habe genug zum Leben." Einmal ausgiebig verreisen? "Brauch ich nicht. Mit meiner Frau war ich jedes Jahr in Südtirol und öfter bei unserem Patenkind in der Schweiz." Und natürlich im Krieg, in Russland und Frankreich. Ohnehin ist es so: "Daheim hab ichs am schönsten. Und meine Pflanzen brauchen mich."

Tatsächlich. Otto Maier wirkt rundum zufrieden. Und wer seine Wohnung betritt, entdeckt, dass hinter dem bescheidenen 94-Jährigen ein Mann mit musischen Talenten steckt. Otto Maier, Teil 1: der Hobbymaler. Die Wohnung ist tapeziert mit Ölbildern: ein junges Mädchen, die Kanäle Venedigs, sein Schwiegervater, wie er mit einer Kutsche ein Güllefass durch Laichingen transportiert. Otto Maier hat 1937 mit dem Malen begonnen. Damals wurde er als junger Postler in die Post-Außenstelle nach Laichingen beordert. Beim Mittagessen traf er einen Zeichner der damaligen Mechanischen Leinenweberei Laichingen, der ihn daraufhin regelmäßig in die Geheimnisse des Zeichnen und Malens einwies. Zwei Bilder sind ihm besonders wichtig: "Auf dem linken ist meine Frau mit 17 Jahren zu sehen. Auf dem rechten ist sie 84." Vor sechs Jahren musste er sich von seiner Emma verabschieden. Er kramt ein Gedicht hervor, dass er ihr zum Andenken geschrieben hat. Es rührt. Zum 60. Geburtstag hat er ihr den Wandteppich über der Couch geknüpft.

Otto Maier, Teil 2: der Hobbydichter. Er lässt sich überreden, ein paar Gedichte vorzutragen. Dutzende füllen seine Schnellhefter. Er nimmt darin Männer, Frauen, Kinder und die Politik aufs Korn. Nie verletzend, immer ist ganz deutlich der Menschenfreund zu spüren, immer gibt es eine Pointe. "Nach jeder OP habe ich dem Chefarzt ein Gedicht geschrieben", erzählt Maier. Und auch Bürgermeister Klaus Kaufmann zur Wahl.

"Wahlempfehlung"

Mir brauchet an nuia Schultes, des ischt doch klar,

weshalb vorletschta Sonntag dui Wahl dafür war.

Vier Kanditada, des hat ma doch gseah,

send zom auf Anhieb gwönna viel zu viel gwea.

Übrig blieba send am End zwei

ond weaga deam wählet mer Morga neu.

Dear Leucht, des wär doch a Ma,

dean ma sich für dean Poschta vorschtella ka.

Er hat ao zemma mit seiner Frau

mit ihre Kender als spätere Rentazahler scho ebbes dao.

Da hat dear Kaufmnn no a Defizit, brengt aber als ehemaliger Entwicklungshelfer auf deam Gebiet ebbes mit.

Entwicklung der Stadt, des wär doch et schleacht,

vielleicht wär dear am Ende der Reacht.

Er hat a rassige Frau mit brasilianischa Blut

ond so a Auffrischung wär für dui Stadt sicher ganz guat.

Gang mer halt morga zor zwoite Wahl na.

Am Sonntagabed so gega acht woischt na,

ob da sKreuzle reacht oder falsch hascht na gmacht.

Reg de aber drüber et auf, so ischts halt em Leaba,

grad wia beim Kegla, mal triffscht ond mal gahts daneaba.

Apropos Kegeln - einmal pro Woche gehört das zu Otto Maiers persönlichem Pflichtprogramm. Jeden Tag spielt er mit seinem Freund aus der Seniorenwohnanlage zwei Stunden lang Billard. "Man darf nicht daheim sitzen und warten, bis jemand kommt", sagt er. "Man muss rausgehen und selber soziale Kontakte suchen." Seine beiden Freunde nennt er "junges Gemüse". Sie sind 78 und 83. Ach ja, und den Haushalt und Garten schmeißt er auch noch selbst. Aus der Obsternte fabriziert er "Gsälz". 120 Gläschen lagert er zur Zeit und verschenkt sie laufend. Eines gefällig? Schon stapft er los. Man hört ihn singen auf der Treppe.

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