Mastbetrieb bekommt Platz für 85.000 Hähnchen

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Platz für 28.500 Masthähnchen hat er schon: Ein Hüttisheimer Landwirt möchte seinen ausgesiedelten Stall im Norden der Gemarkung nun stark erweitern. In Kooperation mit „Wiesenhof“ plant er zwei weitere Ställe für je 29.500 Tiere. Die Zahl der Hähnchen im bestehenden Gebäude soll dann auf 25.500 gesenkt werden. Die Pläne stellte Josef Bachmeier jüngst dem Gemeinderat vor. Der 63-jährige Tierarzt ist Geschäftsführer der „Brüterei Süd“ und bei Wiesenhof verantwortlich für Stallhaltung.

Eine Immissionsprognose habe gezeigt, dass der Standort für die geplante Größe geeignet ist, sagte Bachmeier. Im Umkreis von einem Kilometer seien einige Häuser zu beachten: im Westen von Humlangen und im Norden der Hauptgemeinde. Alle Werte für Geruch, Schwebstaub und Bioaerosole seien deutlich unter den erlaubten Größen. Ebenso Stickstoff, der aufgrund eines FFH-Gebiets südöstlich der Ställe zu prüfen war. Allerdings sei die Ausweisung eines Sondergebiets, sprich Gewerbegebiets nötig: Der Landwirt gilt für diese Größe nicht als privilegiert, da er nicht die geforderten 50 Prozent Tiernahrung auf eigenen Feldern erzeugen kann.

Der Gemeinderat war nicht abgeneigt. „Es gibt keinen besseren Standort“, befürwortete Alfred Häußler das Vorhaben. Herbert Hagen sprach sich ebenfalls dafür aus: Das Gebiet liege am Rand der Gemarkung, wodurch die Gemeinde kaum betroffen sei, etwa durch an- und abfahrende Lkws. Zudem müsse man froh sein, wenn ein junger Landwirt in der Gemeinde und seine eigene Zukunft investiere.

Abluft-Filter sind keine Pflicht

Bürgermeister Stefan Gerthofer wies auf die per Flächennutzungsplan zugestandenen Gewerbeflächen hin. Er begrüße die Pläne, gebe aber zu bedenken, dass der Bereich für die Hähnchenmast von diesen Flächen abgezogen wird. Damit gehe auch Fläche für Angebote am attraktiven künftigen Anschluss der Erbacher Querspange an die B 30 verloren. Der Bürgermeister ließ durchblicken, dass hierbei an ein interkommunales Gewerbegebiet gedacht wird, wenn auch „noch nicht spruchreif“. Damit blieb auch unerwähnt, ob dieses Gebiet wie in Steinberg mit Illerkirchberg, Schnürpflingen und Staig aussehen würde – und ob mit Erbach als Partner zu rechnen ist.

Das Gremium signalisierte, dass es bereit sei, auf Flächen zu verzichten. Allerdings soll das Sondergebiet in der Planungsphase auf die Größe beschränkt werden, die zwingend gebraucht werde, sagte Guido Schurr. Er forderte außerdem einen Begrünungsplan zur Kreisstraße 7369 hin und wollte wissen, ob die Abluftkamine des Betriebs Filter erhalten. Das sehe das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) nicht vor, sagte Bachmeier. Würden Filter oder andere zusätzliche Forderungen Gesetz, würden sie auch umgesetzt: „Das BImSchG ist nicht nur für die Genehmigung das Maß, sondern auch dauerhaft bei der Überprüfung“, versicherte Bachmeier.

Der Gemeinderat stimmt dem Vorhaben geschlossen zu. Im Frühjahr soll das Verfahren eingeleitet werden: mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans. Gibt dann auch das Regierungspräsidium Tübingen sein Okay, wird im ersten Schritt ein weiterer Stall gebaut und der bestehende auf den neuesten Stand umgerüstet. Über den dritten will der Landwirt je nach Rentabilität entscheiden.

Wiesenhof Jährlich verarbeitet Wiesenhof etwa 300 Millionen Tiere. 80 Prozent des Geflügels stammt von Vertragslandwirten. Die Hähnchen bleiben etwa 45 bis 49 Tagen lang in den Ställen – dann werden sie zur Schlachterei abtransportiert. In einem Jahr wird folglich rund sieben Mal geschlachtet und der Bestand erneuert. Der Markenname Wiesenhof entstand 1965 aus der Zusammenarbeit von Paul Wesjohann und Heinz Lohrmann. Diese war der Start von Geflügelzucht nach amerikanischem Vorbild.

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