Maskenbildner Ayhan Hardaldali liest in den Gesichtern

Ein Gesicht sagt mehr als tausend Worte: Das war eine Erkenntnis nach dem Besuch eines außergewöhnlichen Vhs-Kurses. Es ging um die Sprache des Gesichts.

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Maskenbildner Hardaldali kann viel in Gesichtern lesen.  Foto: 

Der Maskenbildner und Imageberater Ayhan Hardaldali kann in Gesichtern lesen. Er weiß, wie Mimik und Gestik auf andere wirken. Sein Wissen hat er jetzt auf Einladung der Volkshochschule an Interessierte weiter gegeben. Er kam ursprünglich von der Schauspielerei, bevor er sich als Dozent selbstständig machte und neben vielen anderen Aktivitäten Pantomimen-Unterricht gibt.

Zentrale Frage des Kurses: Was sagt unser Gesicht über unsere Gefühle aus? Ein gezwungenes Lachen wirkt nicht ehrlich, und die meisten erkennen das auf Anhieb. Jeder Mensch, so Hardaldali, habe seine ganz spezielle Mimik und somit eine eigene, ganz spezielle Gesichtsrhetorik. Kaum ein Gefühl, das sich nicht im Gesicht widerspiegelt: Anspannung, Freude, Angst, Trauer, Sorge, Überraschung. Diese Empfindungen stehen einem im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben.

Hardaldali arbeitete an diesem Nachmittag mit Gesichtern, die seine Schüler interpretieren sollten. Gesichtsausdrücke seien hervorragende Wegweiser im Gespräch. Kann man darin lesen, ob sie lügen oder ob sie die wahren Gefühle preisgeben? "Ja, und noch viel mehr", ließ der Referent wissen. Wie vertrauenswürdig, wie ehrlich ein Mensch wirke, das schätze sein Gegenüber innerhalb von vier Sekunden ein. "Diese vier Sekunden sind entscheidend", betonte Hardaldali.

Doch zunächst sollten die Kursteilnehmer sich selbst kennenlernen. Mit Stiften, mal farbig, mal schwarzweiß, porträtierten sie sich selbst aus dem Gedächtnis. Und obwohl man sich täglich im Spiegel sieht, tat sich jeder Teilnehmer irgendwie schwer, bestimmte Gesichtsmerkmale korrekt wiederzugeben: Im Weglassen oder in der Übertreibung unterscheiden sich Selbst- und Fremdwahrnehmung, erklärte der Dozent. Als die Kursteilnehmer dies erkannten, hatte jeder sein ganz besonderes Aha-Erlebnis.

Ayhan Hardaldali war es wichtig zu erfahren, was seine "Eleven" als erstes ausmalten: die Falten, die Augen, die Nase? Nein, alle begannen zu ihrer eigenen Überraschung ganz unbewusst mit dem Mund oder den Augenbrauen. "Das empfinden wir als das Wichtigste im Gesicht", stellte der keinesfalls überraschte Kursleiter fest.

Dinge, die man an sich selbst nicht schätzt, oder die man an sich selbst für unauffällig hält, würden oft vom Gegenüber als als positiv und schön wahrgenommen. Wie sehr sich die eigene von der Fremdwahrnehmung unterscheidet, arbeitete Hardaldali mit seinen Schülern sehr deutlich heraus. Mehr als einmal erfuhren die Kursteilnehmer, dass zum Beispiel die eigene ungeliebte Nase bei anderen als ein besonders positives Merkmal ankommt.

Es ging an diesem Nachmittag nicht darum, Mimik und Gestik einzusetzen, um Ziele zu erreichen, wie dies zum Beispiel in Schulungen für Verkäufer gemacht wird. Es ging in erste Linie darum, dass sich die Kursteilnehmer mehr ihrer selbst und ihrer Ausstrahlung bewusst wurden. Selbstbewusstsein als Kursziel: Das fanden die Teilnehmer sehr sympathisch. Es wurde ein faszinierender Nachmittag mit überraschenden Erkenntnissen.

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