Marion Hausner aus Blaustein berät bei der schwierigen Wahl der Perücke

Ihren Kunden in schwierigen Lebenssituationen helfen, das ist Marion Hausners Anliegen. Sie betreibt in Blaustein ein Perückengeschäft. Ihre Kunden kommen für eine Beratung sogar aus Mailand nach Schwaben.

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  • Marion Hausner im Verkaufsraum ihres Perückengeschäfts in Blaustein. 1/2
    Marion Hausner im Verkaufsraum ihres Perückengeschäfts in Blaustein. Foto: 
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    Eine der etwa 500 Perücken, die Marion Hausner im Angebot hat. Foto: 
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Volles, schönes Haar allgegenwärtig: in der TV-Werbung, auf Reklametafeln, bei den unzähligen Friseuren. "Vor allem für Frauen sind Haare enorm wichtig", sagt Marion Hausner. "Wir definieren uns darüber." Auch in ihrem Haus sind Haare allgegenwärtig: In Schachteln verpackt stapeln sich Echt- und Kunsthaarperücken im Flur. Hausner bietet Menschen Hilfe, wenn ihre Haare weniger werden oder ganz ausfallen. Sie verkauft Perücken.

"Die meisten Kundinnen kommen zu mir, weil sie unter kreisrundem Haarausfall leiden", erklärt Hausner. "Aber auch Kundinnen, die aufgrund einer Chemotherapie ihre verlieren werden." Zu ihnen hat Hausner eine besondere Beziehung, denn die 50-jährige Geschäftsfrau weiß, was die Frauen in dieser Zeit durchmachen. Vor fünf Jahren erkrankte Hausner selbst an Krebs und verlor während einer Chemotherapie ihre Haare. "Es ist eine schwere Zeit von der ersten Strähne, die rausgeht, bis zur Glatze."

Ihre erste eigene Perücke sah aus wie ihre damalige Frisur. "Das wollen die meisten. Alles soll so normal sein wie nur möglich." Zu der einen Perücke kamen dann schnell weitere hinzu. "Wir haben damals für ein paar Tage Urlaub am Meer gemacht. Und da wollte ich nicht mit meiner teuren Perücke an den Strand", erklärt Hausner. Sie entdeckte ihre Leidenschaft für das Ersatzhaar. Zeitweise konnte sie zwischen 20 verschiedenen Frisuren wählen. "Eine Glatze war für mich ein No-Go." Es musste Normalität für alle her, auch aus Rücksicht auf ihre beiden Kinder. Ihren Kundinnen rät sie heute häufig zu einer Kurzhaarperücke. "Dann kann man sich am schnellsten von der Perücke verabschieden, wenn die eigenen Haare wieder kommen."

Im Verkaufsraum von ihrem Geschäft "La Peruca" im Souterrain ihres Wohnhauses hat Hausner zwischen 400 und 500 verschiedene Modelle im Angebot. Ihre Kundschaft kommt aus ganz Europa. Eine Frau kommt extra aus Mailand, um sich bei Hausner ihre neuen Perücken abzuholen.

"Bei Perücken denken viele erst an die 60-er Jahre, also an einen Wischmopp", sagt Hausner. Das sei einer der Gründe, warum viele Frauen mehrere Anläufe brauchen, sich bei ihr zu melden. "Es steckt immer Leid dahinter, wenn Menschen nach einer Perücke schauen."

Als Hausner sich 2010 dazu entschloss, ein eigenes Geschäft zu eröffnen, wollte sie etwas besonders machen. 1-b-Ware und Auslaufmodelle sollten den Kunden ermöglichen, nicht nur eine Perücke zu haben, sondern viele. Denn die Krankenkassen übernehmen meist nur die Kosten für eine Perücke. "Das hat aber nicht geklappt", sagt Hausner. "Die Leute wollen aktuelle Frisuren." Heute bietet sie Perücken an, die zwischen 100 und 2500 Euro kosten. Mögliche Veränderungen an den Haarteilen übernimmt eine Friseurin aus Blaustein.

Zu ihrem Ladenkonzept gehört auch ein Internetversand. "Das ist die Kunst", sagt Hausner. Ihre Kunden seien ein sensibles Klientel. "Da braucht man Fingerspitzengefühl." Im Netz bestellen bisher vor allem Kunden aus Ostdeutschland, dort gebe es nicht so viele Fachgeschäfte. Ein wichtiger Punkt in ihrem Konzept ist die persönliche Betreuung, bei Internetbestellungen läuft diese übers Telefon. Wie messe ich meinen Kopfumfang? Wie ziehe ich eine Perücke an? Sie bietet auch Hilfe, wenn mal was schief läuft. "Neulich rief eine Kundin an und meinte, sie brauche schnell eine neue Perücke", erzählt Hausner. "Mit der alten kam sie einem Heizstrahler zu nahe." Der Service ist der 50-Jährigen wichtig. Daher übernimmt sie auch die Abrechnung mit den Krankenkassen.

Die Arbeit ist nicht immer leicht für Marion Hausner. "Es kommen auch austherapierte Krebspatientinnen zu mir", erzählt Hausner. "Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Man darf nicht abstumpfen, muss mit den Leuten reden, auf sie eingehen. Perücken sind ein Stück Lebensqualität. Und es ist schön, wenn die Augen meiner Kunden wieder strahlen."

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