Marianne Bawidamann sagt „tschüss“

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Marianne Bawidamann sagt, sie werde vor allem die Kinder im Lädele vermissen. Und mancher Erwachsene schwelgte zum Abschied in Kindheitserinnerungen.  Foto: 

Vieles war für Marianne Bawidamann an diesem Samstag ein letztes Mal zu tun: die Backwaren ins Regal sortieren, den Kaffeeautomaten anschalten, einen prüfenden Blick in die Regale werfen. Als sie um 7 Uhr in der Früh ein letztes Mal ihren Laden öffnete, warteten bereits die ersten Kunden. Ein letztes Mal einen frühen Kaffee „bei Marianne“ im Stehen einnehmen, diese Gelegenheit wollten sie sich dann doch nicht entgehen lassen.

Der Strom der Besucher sollte im Verlauf des Vormittags nicht mehr abreißen. Ganz Bach nahm Abschied von dem Lädele, das eine Institution bildete am Ort. Leise Servus sagten die wenigsten. Marianne Bawidamann wurde geherzt, umarmt, beschenkt. Viele brachten Blumensträuße, Familie Enderle hatte wie andere auch ein Lob-Gedicht verfasst, einigen standen die Tränen in den Augen. Auch Männern.

Ein letztes Mal wurden die Einkaufskörbe gefüllt, in den Realen klafften bald größere Lücken. Anschließend traf sich die trauernde Gemeinde im Partyzelt wieder. Die Betreiberin hatte ihre treuen Kunden zu einem Weißwurstfrühstück eingeladen. Die Karbacher Dorfmusik spielte auf, später auch die Stadtkapelle Erbach, zünftig war’s.

Marianne Bawidamann selbst hatte in der Nacht schlecht und kurz geschlafen, wirkte aber in sich ruhend: „Mit 70 und nach 46 Jahren darf man doch mal aufhören, oder?“ Einen Urlaub will sie sich demnächst gönnen. Ja, schon, die Kinder in ihrem Laden werde sie sehr vermissen. Von den Ortsneuigkeiten aber werde sie trotzdem nicht abgeschnitten sein, sie habe doch so viele Freunde und Bekannte am Ort.

Doch woher erfahren ihre bisherigen Kunden, was los ist? Überhaupt: die Nahversorgung. Ein Erbacher Bäcker springt mit einem Lieferservice ein, vorerst probehalber. Doch die Erfahrung von Marcus Steinle oder Gottfried Gastgeber und mit ihnen von ganzen Generationen von Kindergartenkindern oder Schülern, die wird verloren gehen. Damals seien sie fast täglich im Lädele gewesen, um sich ein Pausenvesper zu besorgen. Oder auf dem Heimweg ein „Bacher Fröschle“, ein süßes Gummizeugs zur Belohnung. „Es fehlt uns arg“, stimmte das Ehepaar Marianne und Hans Bailer in den Chor des Bedauerns ein.

Auch die Rentner aus Erbach, die oft auf einen Kaffee vorbei kamen und dann anschließend in der Küche etwas „gruiba“ durften, müssen sich ein neues Ziel suchen, ebenso wie die Trucker, denen ein Versorgungsposten auf ihren Touren verloren geht.

Ein letztes Mal schaute auch Bernhard Fiderer vorbei, der Verkaufsberater, der das Lädele 32 Jahre lang betreut hat. Anfangs habe er die Aufträge alle 14 Tage persönlich „und bei Wind und Wetter“ abgeholt. Dann kam das Faxgerät, und überhaupt habe sich seither so manches geändert. So sei bei Dorfläden wie diesem der Stellenwert des Frischesortiments und von regionalen Produkten stetig gewachsen. Doch eine Nachfolgelösung für ein neues Bacher Lädele hat auch Fiderer nicht in petto.

Am Ende der Abschlussfeier, die sich bis weit über Ladenschluss hinauszog, sperrte Marianne Bawidamann die Türe hinter sich ab: Ladentüre ist sie von jetzt an nicht mehr.

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