Marcel Döring ist Mannschaft-Weltmeister mit Power-Hubschrauber

Zwischen Bermaringen und Treffensbuch trainiert der 18-jährige Modellflieger spektakuläre Flugmanöver – und träumt von der „Euro-Heli-Series“.

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Marcel Döring trainiert auf einer Wiese zwischen Bermaringen und Temmenhausen mit seinem Helikopter. Der 18-Jährige ist in einer Mannschaft Weltmeister im Modellfliegen geworden.  Foto: 

Nahezu geräuschlos steigt der gelbe Modellhelikopter von einer Wiese zwischen Bermaringen und Treffensbuch in die Höhe. Marcel Döring steht hinter seinem Steuerpult und ist hochkonzentriert. Er muss alles im Blick haben: die herausfordernde Technik, aber auch die Umgebung – während der Power-Hubschrauber die unterschiedlichsten Figuren in die Luft zeichnet. Es ist das Training des  frischgebackenen Weltmeisters im Modellflug

Diesen Titel hat der 18-Jährige erst vor kurzem geholt: Zusammen mit Eric Weber, Tillmann Bäumener und Felix Braun wurde er in Polen Mannschafts-Weltmeister in der F3N-Klasse, der Königsklasse des Modellfliegens. Der Göppinger holte sich auch noch den dritten Platz in der Einzelwertung. Ein toller Erfolg für den jungen Mann, der erst seit drei Jahren in dieser Klasse unterwegs ist, und für seinen Vater und Coach Peter Döring. 2016 hatte Marcel Döring sich mit dem 4. Platz in der Deutschen Meisterschaft für die  WM-Teilnahme in diesem Jahr qualifiziert.

Mit sieben Jahren angefangen

Vater und Sohn sind ein gutes Team, die Liebe zur Technik verbindet sie. Der 50-jährige Peter hat als CNC-Service-Techniker beruflich viel mit Elektronik zu tun. Junior Marcel hat gerade seine Ausbildung zum Industrie-Elektriker begonnen. Schon mit sieben Jahren fing er an, sich für den Modellbau zu interessieren – bei seinem Vater begann die Begeisterung erst etwas später. Beide bauten dann Flugzeuge mit kleinen Motoren bis maximal drei Kilowatt (KW) Leistung und hatten Spaß daran. Doch Marcel wollte mehr. Er lernte das Fliegen von Helikoptern: Erst mit dem Flugsimulator, dann auf dem privaten Trainingsgelände.

Nun ist der Vollblutflieger mit dem topaktuellen Modell SAB Goblin 700 in der Luft. Drei baugleiche Exemplare eines italienischen Herstellers hat er davon, Stückpreis: 3500 Euro. Wenn es einen Defekt gibt, hat er somit die Möglichkeit, Teile schnell  auszutauschen. Die Hubschrauber haben eine Leistung von 5,5 KW und sind knapp fünf Kilo schwer. Damit dürfen sich die Dörings ohne Genehmigung des Regierungspräsidiums auf der 3600-Quadratmeter-Wiese tummeln.

Akrobatik pur

In Polen musste Marcel vier Durchgänge in der Vorrunde und drei im Finale schaffen. Mit den verschiedensten Figuren in der Luft – Akrobatik pur. Pflicht-, Freestyle- und Musikflüge standen an, beurteilt wurden sie nach Originalität, Taktgefühl, Harmonie und Schwierigkeit.

Marcel Döring ist täglich mindestens zwei Stunden mit dem PC-Simulationsprogramm beschäftigt. Am Wochenende folgen Trainings, Wettkämpfe oder Flugtage. Eine kostspielige Angelegenheit, wie Peter Döring erklärt: 12.000 Euro hat Marcels Hobby ihn in der vergangenen Saison gekostet. Das ist es ihm wert, weil er die Talente seines Sohnes sieht: „Man fängt klein an und schwebt mit dem Hubschrauber, dreht kleine Runden, bewegt sich immer sicherer im Luftraum.“ Später schaue man Loopings und Rollen bei erfahrenen Piloten ab, probiere sie selbst – und heute geht das bei Marcel alles in Milli-Sekunden. Da sind Konzentration und Präzision gefragt, eine filigrane Tätigkeit der Finger, denn die kleinste falsche Bewegung am Steuerknüppel kann den Absturz der Maschine zur Folge haben.

„Das ist Nervenkitzel.“

2300 Umdrehungen pro Minute schaffen die Rotorblätter des Hubschraubers, die einen Durchmesser von 1,60 Meter haben. Man darf ihnen nicht zu nahe kommen darum wird im Team die Sicherheit ganz groß geschrieben. Fünf Meter Abstand sind notwendig, weil auch der Pilot nicht weiß, woher die nächste Windböe kommt.

Die Technik ist anspruchsvoll: Die 30-fache Belastung, das sind 150 Kilo, müssen die Bauteile aushalten. Goldsteckkontakte und Silikonkabel – nirgends darf etwas wackeln. Am Rumpf sind Kohlefaserverbundstoff, Titan und Aluminium verbaut. Eine Herausforderung ist auch die Stromversorgung: Fünf Lipo-Akku-Packs sind stets parat, in 30 Minuten geladen und für 4 Minuten Platzeinsatz im Wettbewerbsmodus ausreichend.

Marcel Döring ist von seinem Hobby und insbesondere von den Meisterschaften restlos begeistert: „Das ist Nervenkitzel. Publikumsbeifall motiviert mich“, sagt er und schwärmt vom Ziel, bei den „Euro-Heli-Series“ dabei zu sein, der Champions League der Heli-Piloten mit Sportlern aus England, Frankreich, Dänemark und Deutschland. Dafür wird der 18-Jährige jedoch noch so manche Trainingseinheit vor sich haben.

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