Leistungspflügen in Ulm: Plädoyer für den Pflug

Zum Leistungspflügen kommen etwa 3000 Zuschauer nach Unterhaslach. Besucher versuchen sich auch im Mähdrescher-Ziehen.

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Beim Pflügen entscheidet nicht die Maschinentechnik, sondern das Können des Landwirts.  Foto: 

Mann ist der schwer.“ Keine Übertreibung: Der „New Holland CR 8.80“ ist ein 16-Tonnen-Koloss, den es beim Mähdrescher-Pulling 40 Meter weit zu ziehen galt. Zusammen mit neun weiteren Kindern nahm das zitierte Mädchen außer Konkurrenz am Wettbewerb im Rahmenprogramm des Leistungspflügens teil. Nur 46 Sekunden benötigten die Kids, um den Mähdrescher von A nach B zu ziehen.

Weit mehr als 100 Zuschauer feuerten Samstagabend in Unterhaslach nördlich von Ulm-Böfingen die Mähdrescher-Zieher an. 13 Fünfer-Teams, darunter Abordnungen von Feuerwehren, Landjugend und ein Damenteam der Pflügergemeinschaft Ulm, waren am Start. Die Siegprämie von 250 Euro sicherte sich schließlich das Team „Ortenau“ mit der Bestzeit von 36 Sekunden.

Nachdem am Samstagnachmittag die Leistungspflüger einige Übungseinheiten absolviert hatten, durften beim Jedermann-Pflügen auch Laien ans Steuer. Kein Problem für den neun Tonnen schweren Fendt 930 mit seinen 310 PS. Dank moderner Technik pflügt das Gerät sauber seine Furche. „Auf dem Traktor sitzt man wie im Wohnzimmer, kann essen und trinken“, sagte ein Familienvater nach der Probefahrt.

Früher unerlässlich

Die seit 30 Jahren bestehende Pflügergemeinschaft Ulm wurde bei der Organisation vom Landesverband Leistungspflügen, dem Kreisbauernverband Ulm-Ehingen, dem Maschinenring Ulm-Heidenheim, der Landjugend und den Landfrauen unterstützt. Der Wettbewerb mit etwa 3000 Zuschauern am Sonntag diente nicht zuletzt der Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft. Diese Gelegenheit nutzte auch Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart.

Über Jahrhunderte sei der Pflug für den Ackerbau unerlässlich gewesen, sagte sie in ihrem Grußwort. Inzwischen gebe es auch andere Verfahren der Bodenbearbeitung: „Jedes System hat seine Vor- und Nachteile.“ Der Pflug werde auch künftig eine wichtige Rolle spielen, denn „mit dem Pflug lassen sich unerwünschte Pflanzen hervorragend bekämpfen, er mindert die Schnecken-und Mäusevermehrung und hilft, Krankheiten und Schädlinge der Kulturen zu reduzieren“.

Keine Hilfsmittel beim Leistungspflügen

Zum Rahmenprogramm gehörten Oldtimer-Ausstellung, Pferde- und Oldtimerpflügen, Schlepperparade und Bauernmarkt. Zudem stellte der Maschinenring moderne Fahrzeuge aus, zum Beispiel Traktoren mit automatischer Lenkung. Dank GPSSteuerung könne der Landwirt die ganze Arbeitsbreite von Pflug, Egge oder Sämaschine nutzen, ohne sich auf das Spurhalten konzentrieren zu müssen, erläuterte Mitorganisator Johannes Wengst,.

Solche Hilfsmittel sind beim Leistungspflügen natürlich verboten. Die 18 Teilnehmer am 31. Landesentscheid mussten sich allein auf ihr Augenmaß, das Gefühl für Maschine und Boden und ihre Erfahrung verlassen. Für die Preisrichter waren die Tiefe der Spaltfurche – 18 Zentimter –, der „Zusammenschlag“, die schnurgerade Ausrichtung und die Qualität der Schlussfurche entscheidend.

Landesentscheid: Im Beetpflügen (gepflügt wird eine Richtung) gewann Carsten Berl (Pflügergemeinschaft Ortenau) mit 128,75 Punkten vor Niklas Gröschel (Pflügergemeinschaft Ulm) mit 120 Punkten und Johannes Zeil (Ortenau) mit 117,98 Punkten. Im Drehpflügen (zwei Pflugrichtungen) siegte Benjamin Lenz (Ulm) mit 126,75 Punkten vor Michael Dorner (Ortenau/116,20 Punkte) und Stefan Oechsle (Ulm/109,20 Punkte).

Kreisentscheid: Evelyn Wolf gewann im Beetpflügen vor Nico Röder und Luca Kleinknecht. Einziger Drehpflüger war Maximilian Iser.

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