Langenauerin spendet an Aktion für Kinder in Not

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Eine der Organisatoren der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, Daniela Schlumberger, in ihrer Garage in Langenau. Foto: Amrei Groß  Foto: 

Für Daniela Schlumberger aus Langenau beginnt Weihnachten im Oktober. Dann läuft die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ an. Seit einigen Jahren ist die 46-jährige Bankkauffrau eine Sammelstelle für die Aktion, die der Berliner Verein „Geschenke der Hoffnung“ seit 20 Jahren durchführt. Seit 1996 lädt er Menschen in den deutschsprachigen Ländern ein, Kindern in armen Regionen der Welt ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

Über 380 000 Schuhkartons kamen in diesem Jahr zusammen. Mit viel Herzblut sorgt Schlumberger dafür, dass die Päckchen ankommen. „Ich will es gut machen“, sagt sie. Deshalb achte sie genau darauf, dass alle Vorgaben eingehalten werden. Eine bunte Mischung aus Kleidung, Hygieneartikeln, Spielzeug, Süßigkeiten und Schulsachen sei genau das Richtige. Gebrauchte Gegenstände kann sie allerdings nicht annehmen. Diese verursachten aufgrund der strengen Einfuhr- und Zollbestimmungen in einigen Ländern Probleme bei Kontrollen; „unter Umständen geht uns dann eine ganze Lkw-Ladung verloren“.

Auch unter anderem batteriebetriebene Artikel, Medikamente, Lebensmittel mit Gelierstoffen, Bargeld und Spielkarten seien tabu. Damit es an der Grenze keine bösen Überraschungen gibt, überprüft Daniela Schlumberger jeden einzelnen Karton. Meistens gibt es nichts zu beanstanden. Manchmal aber sind die Kartoninhalte durchaus kurios: „Einmal habe ich ein gebrauchtes Gebiss gefunden“, erinnert sie sich. Ob dieses bewusst eingepackt oder aus Versehen zwischen die Geschenke gerutscht sei, habe sich nicht mehr nachvollziehen lassen. Das Gebiss sei schließlich entsorgt worden.

Findet sich etwas in den Schuhkartons, das nicht verschickt werden kann, profitierten Bedürftige in der Region davon. „Gebrauchte Kleidung, Lebensmittel mit zu kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum oder mit Geliermitteln und Flüssigkeiten gehen an die Diakonie oder den Tafelladen, oder kommen Flüchtlingen in der Region zu Gute“, verspricht Schlumberger. „Nichts davon bleibt bei mir“. Im Gegenteil: Überall, wo Schuhkartons nicht oder nicht mehr vollständig gefüllt sind, wird die 46-Jährige selbst aktiv. „Ich halte das ganze Jahr über meine Augen offen“, sagt sie. Wann immer es geeignete Sonderangebote gibt, greift sie zu.

Schokolade, Stofftiere, Spielwaren und Mützen, aber auch bergeweise Zahnpasta, Haarbürsten und Duschgel. Dazu kommen Spenden von Firmen und Privatpersonen aus der Region. „Es ist unglaublich, was manche Menschen für ein großes Herz haben“, sagt die Ehrenamtliche. Nicht immer müsse man Geld ausgeben, um zu helfen: „Ich habe etliche Freiwillige, die für den guten Zweck Mützen und Socken stricken oder Bären und Puppen nähen“. Diese Geschenke seien „unglaublich wertvoll“.

Wer einen Schuhkarton komplett nach den Vorgaben der Aktion fülle, investiere rund 20 Euro. Dazu komme ein Geldanteil von acht Euro, der den Transport der Box bezahle. Unter dem Strich keine geringe Summe, gibt Schlumberger zu. „Viele, die mitmachen, haben selbst nicht viel“. Aus diesem Grund sind ihr auch Spenden von Einzelartikeln willkommen. „Das ist für mich genau so wertvoll wie ein ganzer Karton“, sagt sie. „Ich fülle die Kiste dann auf“.

Dass viele – darunter katholische Bistümer – der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ kritisch gegenüber stehen, ist Schlumberger bekannt. Die Hilfe sei nicht nachhaltig und bewirke daher keine langfristige Verbesserung vor Ort, die Verteilung der Geschenke sei in Wahrheit ein Vorwand für Missionsarbeit, so die Kritik. Tatsächlich sind die „Geschenke der Hoffnung“ ein Ableger der bibeltreuen Billy Graham Evangelistic Association. Für Schlumberger ist das kein Grund, sich nicht zu engagieren. „Die Schuhkartons kommen bei den Kindern an“, sagt sie. „Für viele sind sie das erste Geschenk, das sie in ihrem Leben bekommen“. Sie fühlten sich geliebt und angenommen, erführen Wertschätzung aus einem anderen Land. „Da gibt es jemanden, dem du wichtig bist – diese Botschaft ist für Kinder das Größte“. Bedrängt oder gar bekehrt werde dabei niemand.

„Die Kinder und ihre Familien werden eingeladen, an einem Kurs teilzunehmen, der ihnen den christlichen Glauben näherbringt“. Eine Verpflichtung bestehe aber nicht. Schlumberger sagt: „Es ist ein Angebot, keine Bedingung für die Ausgabe eines Kartons“. Für die Langenauerin stehen ohnehin einzig und allein die Kinder im Zentrum ihres Tuns. „Es gibt nichts Schöneres, als zum Fest armen Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt sie. „Daran hängt mein Herz“.

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