Langenau: Grünes Licht für Burghof-Kita nach heftigem Streit

4,8 statt 2,8 Millionen Euro: Die Kosten für die geplante Kita am Langenauer Burghof fallen höher aus als geschätzt. Dies sorgte für Ärger im Gemeinderat.

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Mit 16 zu 9 Stimmen hat sich der Langenauer Gemeinderat für den Bau der Burghof-Kindertagesstätte entschieden und der Planung des Verbandsbauamts zugestimmt. Ganz und gar nicht einverstanden mit dem Projekt zeigte sich die CDU-Fraktion des Rats. Man sei nicht gegen eine neue Kindertagesstätte in Langenau, betonte CDU-Fraktionsvorsitzende Helga Mack vor der Entscheidung, „aber gegen den vorgesehenen Standort“.

Bei mehr als 100 Kindern in der für sechs Gruppen ausgelegten Burghof-Kita sei mit einem zusätzlichen Bring- und Hol-Verkehr von mindestens 50 Fahrzeugen zu rechnen. Die Situation des fließenden und ruhenden Verkehrs in der Burghofstraße beurteilte Mack jetzt bereits als „insgesamt nicht zufriedenstellend“. Zudem binde das von Planer Oliver Herr auf 4,8 Millionen Euro taxierte Kita-Projekt langfristig Mittel, „die wir für andere Dinge vorgesehen haben“. Mack nannte als Beispiele die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, schulische Ausbaumaßnahmen und  den Bau und die Sanierung von Straßen.

„Die Bereitstellung von Kindergartenplätzen ist eine Pflichtaufgabe, der soziale Wohnungsbau nicht“, antwortete Bürgermeister Daniel Salemi. Das Thema „günstiger Wohnraum“ könne auch von privater Bauträgerseite aufgegriffen werden. Zudem werde die Verkehrssituation durch flexible Bring- und Holzeiten, morgens etwa von 7 bis 9 Uhr, sowieso „entzerrt“. Auch könne man aus den heutigen Dauer-Parkplätzen auf Wunsch auch 30-Minuten-Parkzonen machen.

Wenn man Kinder bringt oder holt, also „im Städtle ist, geht man dort oft auch gleich einkaufen“, sagte Salemi. Das habe sich in Giengen gezeigt, wo sich Geschäftsinhaber beschwert hätten, als die Musikschule vom Zentrum weg verlegt worden sei.

Auf die Parkplatz-Situation war vor Beginn der Debatte bereits Hauptamtsleiter Roland Strähle eingegangen: Rund um den Kita-Standort gebe es 146 öffentliche, kostenlose Parkplätze, von denen seiner Beobachtung nach meist etwa die Hälfte belegt seien. Eine private größere Brachfläche in der Fischergasse, direkt bei der geplanten Kita, könne wahrscheinlich zumindest während der Bauphase für zusätzliche Parkplätze genutzt werden. „Der Besitzer ist grundsätzlich einverstanden.“

Nicht einverstanden zeigte sich CDU-Rat Georg Henseler – wie sein Fraktionskollege Klaus Meisen seit längerem ein Gegner des Projekts _ mit den genannten Kosten. Man brauche derzeit keine sechs Kita-Gruppen. „Wir setzen für eine zusätzliche Gruppe unseren Haushalt mit zwei Millionen in die Kreide.“ Außerdem werde man mit dem Baugrund noch Überraschungen erleben.

Man werde längerfristig sogar noch mehr Gruppen benötigen, konterte Salemi. Es komme aber darauf an, welche Stadtentwicklung man sich wünsche. Strähle hatte eingangs bereits auf eine aktuell große Nachfrage nach Kita-Plätzen hingewiesen und auf prognostizierte steigende Kinderzahlen bis 2030. „Langenau ist familienfreundlich – damit wirbt die Stadt.“

Unverständnis darüber, dass nach ursprünglich großer Zustimmung (siehe Infokasten) jetzt „am Standort gerüttelt wird“, zeigten Cornelia Wiest (FWG) und Wolfgang Faul (SPD). Meisen hielt dem entgegen, dass die Detailplanung mit der Kostensteigerung von ursprünglich 2,8 auf 4,8 Millionen  seit vier Wochen vorliege. „Darüber kann in den Fraktionen erst seitdem geredet werden – und eine so enorme Kostensteigerung einfach abnicken, haben wir noch nie gemacht.“ Der Baugrund sei ein „Filetstück“. Meisen sprach sich dafür aus, dort „gehobene Wohnbebauung“ anzubieten und die Kita in einem Neubaugebiet zu platzieren.

Das dort auch noch in sieben Jahren viele Kinder im Kita-Alter wohnen, beweifelte Salemi. Rainer Hinkelmann (SPD) wies darauf hin, dass es sich bei den 2,8 Millionen um eine erste Kostenschätzung gehandelt habe, nicht um eine Kostenberechnung. Von einer Kostensteigerung könne man deshalb nicht sprechen. „Außerdem ist es mir wichtiger, dass Kinder an einem Filetstück aufwachsen, statt dass ein Investor daran verdient.“

Nach weiteren Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit der Baukosten und die Möglichkeiten, das Projekt „abzuspecken“, sprachen sich neben der CDU-Fraktion auch Christian Roder (FWG) und Heinrich Buck (GUL) – beide wegen der Kosten – gegen den Baubeschluss und die Planung aus.

Projekt-Fortschritte

Der Gemeinderat hat im April 2013 mit 22 Ja- und 3 Nein-Stimmen beschlossen, einen Kindergarten mit 6 Gruppen zu bauen. Im Mai 2015 legte das Verbandsbauamt dem Rat eine „Machbarkeitsstudie“ für den Standort Burghof vor. Bei zwei Gegenstimmen wurde das Amt mit der Planung beauftragt. Vor einem Monat wurde diese zum Baubeschluss vorgelegt. Nach Kritik an den Plänen wurde die Abstimmung verschoben.

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