Landwirtschaft wie früher

Hühner, die über den Hof rennen, Kühe, ohne genverändertes Kraftfutter und eine Kläranlage, in der Pflanzen die Saubermacher sind. In Treffensbuch scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

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Ist das Albdorf Bühlenhausen schon ganz schön weit draußen, tut sich mit dem Nachbarweiler Treffensbuch nochmals eine ganz andere Idylle auf. Zwei Esel stehen auf einer Koppel, eine Handvoll Zwergschafe döst daneben in der Sonne, Kohl, Salat und Blumen gedeihen im kunterbunten Miteinander und im Hintergrund durchsuchen Hühner auf Wiesen nach Essbaren - eingezäunt, aber mit Platz soweit die Beine sie tragen. Straßennamen sucht der Besucher vergebens. Für gut 20 Häuser, bewohnt von 67 Treffensbuchern, genügen Hausnummern.

Als "Ökodorf" ist den Besuchern die kleine Gemeinde angekündigt. Im Rahmen des Aktionstages "Ohne Auito mobil" der Donau-Iller Nahverkehrsgesellschaft (Ding) haben sie das Angebot des BUND Ulm angenommen, heimische Bio-Produktion aus der Nähe anzuschauen. BUND-Mitarbeiterin Amina Buchner führt die rund 45 Besucher zu Martin Mollenkopf, dessen 2400 Hühner Eier nach den Bioland-Richtlinien produzieren. Heinrich Roser, Bioland-Mutterkuhhalter, zeigt die örtliche Kläranlage, in der Pflanzen das reinigen, was in die Kanäle geht und in Westerheim wurde die Biogas-Anlage von Thomas Kneer besucht, die vor allem mit Gras betrieben wird. Die Besucher, fast durchwegs biologisch beschlagen, versicherten sich zum Beispiel bei Martin Mollenkopf, woher er das Soja-Eiweiß bezieht. Es ist Bioland zertifiziert und kein Gen verändertes Soja aus den USA. Ob er selbst noch Eier mag, wird der Mann gefragt ("Immer noch gerne") und auch, wie im Winter Hühner legefreudig gehalten werden. Künstliches Licht sorge für einen durchgehenden 14 Stunden-Tag.

Noch etwas erfahren die Besucher: Vor einigen Jahren hätten Bio-Kunden noch verschmutzte Eier akzeptiert. "Die will heute keiner mehr", meint Mollenhauer. Beeindruckt waren die Gäste von der Pflanzen-Kläranlage. "Hier riecht's ja kaum", meinte eine Frau. Klar, dass am Schluss alle Besucher Treffensbucher Bio-Eier mit nach Hause nehmen wollten, nebst Mundraub an einem am Wegesrand stehenden Zwetschgenbaum. "Ein herrlicher Geschmack", meint ein älterer Kenner und spuckte den Stein in ein Kleefeld. Ist schließlich Bio.

"Ökodorf", wie vom Ding angekündigt, sei dann doch etwas übertrieben, meint Heinrich Roser. Klar gebe es die Pflanzen-Kläranlage, ernährten sich vermutlich überdurchschnittlich viele Treffensbucher mit natürlichen Lebensmitteln und hätten sich drei von fünf Landwirten der Bio-Produktion verschrieben - mit Mutterkuhhaltung, Hühner und Milchvieh. Diese Landwirte produzieren auf 390 der 420 Hektar landwirtschaftlichen Fläche von Treffensbuch. Einen Moment zögert Roser. Ist Treffensbuch vielleicht doch ein Ökodorf? Nein. Eigentlich sei es nur eine Rückkehr zu Zeiten, als man sich natürlicher ernährte. Das gelte auch für die Landwirtschaft. "Jetzt haben wir 50, 60 Jahre ganz schönen Blödsinn gemacht. Da wird es Zeit, wieder umzukehren. Früher hat Landwirtschaft doch auch funktioniert", sagte der Landwirt Roser.

Ohne Auto mobil: Ding mit Resonanz zufrieden

Zufrieden Trotz der zweifelhaften Wetterprognose für den Samstag ist der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (Ding) mit der Resonanz auf den 14. Aktionstag "Ohne Auto mobil" zufrieden: Wie das Verkehrsunternehmen mitteilt, sind viele Angebote sehr gut angenommen worden. Bei manchen, etwa der Führung durch das Müllheizkraftwerk im Donautal, konnten gar nicht alle Interessierte mit. An ihre Kapazitätsgrenzen gelangt seien am Samstag die Ulmer Straßenbahnen, wohl auch wegen der Jugendläufe zum Einstein-Marathon im Donaustadion, sowie die Verbindung mit Zug und Bus von Ulm über Weißenhorn zum Roggenburger Ökomarkt. Dort konnten die vielen Besucher Bio-Produkte aus der Region ansehen, probieren oder kaufen.

Sonnig Dass die "Albtäler-Radtour" von Amstetten nach Laichingen nur sieben Radfahrer anlockte, dürfte wohl an der miesen Wetterprognose gelegen haben. Letztlich regnete es aber gar nicht, so dass die sieben Wagemutigen eine schöne Tour bei sonnigem Wetter genießen konnten. Großen Anklang fanden laut Ding die vielfältigen Informationsmöglichkeiten. Vor allem der neue Regionalnetzplan, der die Bus- und Bahnlinien in dem Verkehrsverbund auf einer Landkarte und auf Stadtplänen von Ulm/Neu-Ulm, Biberach, Ehingen, Laupheim und Illertissen darstellt, habe reißenden Absatz gefunden.

SWP

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