Kunst aus Kaffeekapseln: Vom Upcycling-Virus erfasst

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Ein Korb aus Altpapier, eine Handyhülle aus zerschlissenen Jeans, ein Zeitschriftenhalter aus einem leeren Milchkarton: Aus alten Dingen Neues zu schaffen, liegt im Trend. „Upcycling“ nennt sich dieser Prozess neudeutsch, ein Kunstwort aus den englischen Begriffen „up“ für „nach oben“ und „recycling“ für Wiederverwertung. Eine ganz besondere Art der Aufwertung vermeintlicher Abfallprodukte hat Katja Holzheuer aus Göttingen für sich entdeckt: Seit nunmehr drei Jahren fertigt die Bankkauffrau Schmuck und Accessoires aus leeren Kaffee-Kapseln. Mittlerweile hat sie ein Gewerbe angemeldet; vertreibt ihre außergewöhnlichen Schmuckstücke sehr erfolgreich auf verschiedenen Märkten in der Region und übers Internet.

Adventsbasar als Auftakt

Angefangen hat alles ganz unspektakulär: „Zu Weihnachten veranstaltete die Langenauer Realschule einen Adventsbasar“, erinnert sie sich. Die fünften und sechsten Klassen seien aufgerufen gewesen, kleine Bastelarbeiten zum Verkauf zu fertigen. „Eine Mutter hatte damals die Idee, leere Kaffeekapseln aus Aluminium zu Schmuck zu verarbeiten.“ Gesagt, getan: In kleiner Runde entstanden erste Kugelketten, die im Anschluss mehr oder weniger erfolgreich an den Mann und vor allem die Frau gebracht worden seien.

Übrig blieb eine große Menge leerer Kapseln, die bei Holzheuer auf den Dachboden wanderte. Bis zum darauffolgenden Sommer, als sie durch Zufall wieder darauf stieß. „Entweder schmeiße ich sie weg oder ich mache etwas daraus“, habe sie sich damals gedacht, verrät sie. Eine Googlesuche und etliche Bastelanleitungen später war Holzheuer vom Upcycling-Virus erfasst. Nach und nach entstanden immer komplexere Formen und Ideen. Die Kreationen der Hobbykünstlerin fielen bald auf – und kamen an. Zu Weihnachten 2014 bestellten etliche ihrer Arbeitskollegen die individuellen Stücke, zum Januar 2015 meldete Katja Holzheuer offiziell ein entsprechendes Gewerbe an. Längst haben Ringe und Ohrringe, Kerzenständer, Armbänder, Rosen, Engel und Libellen das Sortiment erweitert. Die Nachfrage ist groß: „In der Adventszeit hätte ich jedes Wochenende auf einem Weihnachtsmarkt sein können“, erzählt sie.

Da ist es gut, dass Holzheuer in ihrer Tochter Linda eine wertvolle Unterstützerin gefunden hat. Die Elfjährige ist begeistert dabei, wenn es darum geht, Kapseln mit dem Schnitzelklopfer zu plätten, mit der Rundzange zu biegen oder mit der Tubenpresse zu falten. „Mittlerweile produzieren wir auf Linie“, sagt Holzheuer. Die einzelnen Bestandteile der Schmuckstücke und Accessoires werden sozusagen im Akkord vorbereitet, sodass beim Zusammenbau auf fertige Teile zurückgegriffen werden kann.

Die ganze Familie ist eingespannt

Zum Gelingen trägt neben Linda und Mutter Holzheuer auch der Rest der Familie bei: Ihr Vater stanzt kleine Kreise aus Filz, die die Schmuckstücke auf der Rückseite abpolstern und so den Tragekomfort auf der Haut erhöhen – und ihr Mann sorgt durch ausreichenden Kaffeekonsum für genügend Nachschub an Baumaterial. Holzheuer sagt: „Er trinkt immer die Sorten, die wir gerade brauchen“. Denn je nach Sorte haben die Aluminium-Kapseln eine andere Farbe.

Katja Holzheuer selbst hingegen ist Teetrinkerin. Aber auch den gibt es zwischenzeitlich in upcycling-geeigneter Verpackung und anderen Formen für Schmuckideen, sodass auch in Zukunft für neue Produkte „by Katja Holzheuer“ gesorgt sein dürfte.

Weitere Informationen zu Katja Holzheuers Upcycling-Schmuck aus Langenau-Göttingen sind im Internet unter holzheuer.info zu finden. Dort gibt es auch einen Online-Shop, in dem Ohrringe, Engel oder Kettenanhänger bestellt werden können.

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